Steinmeier in Athen: Augen zu und durch

Steinmeier in Athen
Augen zu und durch

Bundesaußenminister Frank Walter Steinmeier wollte den Griechen bei seinem Besuch in Athen Mut machen, lobte die Fortschritte und versprach Solidarität. So ganz überzeugen konnte er seine Zuhörer aber nicht.
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AthenDer Besucher lobt „Fortschritte“, bekundet „Respekt“ vor dem Geleisteten, verspricht „Solidarität“. Aber er sieht auch einen „langen, schweren Weg“, den es noch zurückzulegen gilt. So richtig aufbauend klingt das, was Bundesaußenminister Frank Walter Steinmeier bei seinem Besuch in Athen den Griechen zu sagen hat, eigentlich nicht. Er will den Menschen zwar Mut machen, aber auch keine Illusionen wecken. Es hört sich ein bisschen an wie „Augen zu und durch“, wenn Steinmeier der griechischen Regierung rät, „den Rest der Legislaturperiode zu nutzen, um das, was an Arbeit übrig geblieben ist, auch zu tun und darauf zu setzen, dass sich die wirtschaftlichen Erfolge dieser Arbeit einstellen werden.“

Aber wann? Die Griechen sind nach sechs Jahren Rezession zermürbt. Europa-skeptische Links- und Rechtspopulisten sind im Aufwind. Sie versprechen den Menschen ein Ende des Sparkurses. Knapp fünf Monate vor der Europawahl bröckelt die Mehrheit der im Juni 2012 gebildete Koalition des konservativen Antonis Samaras mit dem Sozialdemokraten Evangelos Venizelos, Steinmeiers Amtskollegen. „Beide wissen um die politischen Risiken, die dieser Weg für sie und ihre Parteien bedeutet“, sagte Steinmeier am Freitag nach einem Gespräch mit Samaras und Venizelos. „Aber beide sind ebenso überzeugt, dass der Weg der begonnenen Reformen nicht abgebrochen werden darf.“

Es war eine heikle Mission, zu der Steinmeier am Donnerstagabend in Athen landete. Um zu verstehen, wie heikel sie ist, muss man nur in den Norden der griechischen Metropole fahren, in die Straße des Nationalen Widerstandes im Stadtteil Chalandri. Dort befindet sich die Residenz des deutschen Botschafters Wolfgang Dold. In der Nacht zum 30. Dezember wurden der Diplomat und seine Familie unsanft aus dem Schlaf gerissen. Ein Kugelhagel aus zwei Schnellfeuergewehren prasselte auf das Gebäude. Zahlreiche Einschusslöcher in der Fassade erinnern an die Kalaschnikow-Salven. Eine der Kugeln schlug in einem Schlafzimmer der Familie Dold ein. Verletzt wurde zum Glück niemand.

Wegen des Anschlags vom 30. Dezember waren die Sicherheitsvorkehrungen für Steinmeier besonders strikt. Zumal die Polizei seit Anfang der Woche auch nach Christodoulos Xiros fahndet, einem Killer der 2002 zerschlagenen Terrororganisation „17. November“. Xiros wurde 2003 zu sechsmal lebenslanger Haft verurteilt. Jetzt nutzte der 56-Jährige einen Hafturlaub zur Flucht. Dass der Serienmörder Xiros, der während seiner Haft keinerlei Reue oder Einsicht erkennen ließ, überhaupt Hafturlaub bekam, konfrontiert die Regierung mit unbequemen Fragen: Wie funktionieren in Griechenland die Justiz und der Strafvollzug?
Der Anschlag auf die deutsche Botschafterresidenz und die Flucht des Terroristen warfen einen Schatten auf den Besuch des Bundesaußenministers. Die griechischen Ermittler haben Anhaltspunkte dafür, dass sich im Land eine neue Terrororganisation formiert. Und sie nimmt offenbar Deutschland aufs Korn.

Kommentare zu " Steinmeier in Athen: Augen zu und durch"

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  • Zitat : Aber er sieht auch einen „langen, schweren Weg"

    Wenn er das "Sparschweinchen im Wägelchen" konsultiert hätte, dann hätte eigentlich gewußt, dass es "der richtige Weg" sei........!

    Griechenland ist restlos pleite und kann die nächsten 10 Jahre nur durch Dauerinjektionen der verblendeten EU-Schmarotzer auf Kosten der Steuerzahler künstlich am Leben gehalten werden !

    In der Normalsprache heisst es " K O N K U R S V E R S C H L E P P U N G !!! Und das bewusst ! Und kriminell !!!

  • Das ist doch genau das Problem ! Der Grexit kommt, Griechenland verläßt die Eurozone und es geht im plötzlich GUT mit der neuen Drachme ! Was glaubst du was dann die Portugiesen, und Italiener planen werden !
    Tschüß EUdSSR, die Mitglieder steigen aus !

  • Wer in den sehr unterschiedlich wachsenden Wirtschatsystemen dieselbe Währung einführt, muss ein Schwerverbrecher sein. Die Verantwortlichen gehören wegen Enteignung von Volkseigentum sowie schwerer Körperverletzungen für 20 Jahre in den Knast.

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