Steinmeier vor der Uno
„Kein Kampf der Kulturen“

In seiner ersten Rede vor den Vereinten Nationen hat Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier die Staaten vor Blockbildung und einem „Kampf der Kulturen“ gewarnt. Doch die Lager werden immer komplexer – längst bildet sich die antiwestliche Front nicht mehr entlang der Religionsgrenzen.

NEW YORK. Deutschland und der Westen insgesamt befindet sich nicht in einem Konflikt mit dem Islam. Das hat Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier angesichts der Krisenherde im Nahen und Mittleren Osten betont. „In keinem Fall geht es um eine klare Frontstellung des Westens gegen den Islam“, sagte Steinmeier vor der Uno-Vollversammlung in New York. „Wir haben es auch nicht mit einem Kampf der Kulturen zu tun.“

In seiner ersten Rede vor den Vereinten Nationen reagierte Steinmeier damit auf wachsende Kritik radikal-islamischer Organisationen, aber auch der iranischen Führung, dass Deutschland etwa durch Teilnahme an der Libanon-Mission und im iranischen Atomkonflikt Partei sei. Zudem waren etwa nach umstrittener Rede von Papst Benedikt XVI. über den Islam etwa im Irak auch deutsche Fahnen verbrannt worden. „Niemand sollte das Engagement Deutschlands und seiner Partner auf dem Balkan, in Afghanistan, im Sudan und im Libanon als globale gewaltsame Auseinandersetzung des Westens gegen den Islam interpretieren“, mahnte Steinmeier.

Die Konflikte im Nahen Osten, in Afghanistan, um das iranische Atomprogramm und im Westbalkan hätten ganz unterschiedliche Interessenlagen. Gemeinsam sei ihnen aber, dass sie sich nur mit der Bereitschaft zum Dialog lösen lassen könnte. „Ich bin fest überzeugt davon, dass ein Dialog über Kulturgrenzen hinweg gelingen kann.“ Allerdings warnte er, dass es kein „Reden um jeden Preis“ geben könne. Ein echter Dialog baue etwa auf einem Gewaltverzicht aller Seiten auf.

Bemerkenswert war in der diesjährigen Uno-Vollversammlung allerdings, dass sich zuvor die schärfsten Kritiker des Westens bereits über Religionsgrenzen hinweg verbündet hatten. Statt eines Konfliktes „Westen gegen Islam“ betonten die Regierungschefs von Iran, Venezuela und Bolivien in ihren Reden vor der Uno statt dessen einen Konflikt „Westen gegen den Süden“ bzw. gegen die Entwicklungsländer. Der venezuelanische Präsident Hugo Chavez hatte US-Präsident George Bush gar als „Teufel“ und „Weltdiktator“ bezeichnet, der die Herrschaft über die ganze Welt anstrebe.

Vor der Vollversammlung hatten sich Vertreter von mehr als 100 blockfreien Staaten in der kubanischen Hauptstadt Havanna versammelt und Verständnis für die Atompolitik des Iran geäußert. Dazu gehörten so unterschiedliche Figuren wie der iranische Präsident Achmadineschad, Chavez, die sozialistische kubanische Führung sowie der bolivianische Präsident Morales.

Steinmeier warnte, dass alles getan werden müsse, um eine neuerliche Aufteilung der Welt in Blöcke zu verhindern. Ausdrücklich nahm er die Vereinten Nationen gegen Kritik aus Iran und Venezuela in Schutz, verlangte aber ebenfalls Reformen etwa bei der Struktur des Uno-Sicherheitsrates. Zudem übte er indirekt Kritik Achmadineschad und Chavez. „Wer die Menschen unterschiedlicher Kulturen und Religionen gegeneinander aufwiegelt, wird seiner Verantwortung nach meiner festen Überzeugung nicht gerecht.“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%