Steuer-Tricks: Schäuble will Großkonzernen an den Kragen

Steuer-Tricks
Schäuble will Großkonzernen an den Kragen

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat am Rande des G20-Gipfels in Moskau ein multinationales Bündnis geschmiedet. Ziel: international agierende Großkonzerne davon abhalten, die eigene Steuerlast zu minimieren.
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MoskauMultinationale Konzerne sollen ihre Steuerschuld nicht mehr durch Gewinnverschiebungen in Staaten mit Niedrigsteuern drücken können. Dazu wollen Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und seine Kollegen aus Paris und London internationale Standards zur Besteuerung multinationaler Unternehmen ändern, wie sie am Samstag am Rande der G20-Ministerkonferenz in Moskau ankündigten. OECD-Generalsekretär Angel Gurria soll bis zum G20-Treffen im Sommer einen Aktionsplan vorlegen. Den könnten dann im September die Staats- und Regierungschefs der 20 führenden Schwellen- und Industrieländer in St. Petersburg verabschieden. Schäuble sieht gute Chancen für eine breite Unterstützung der Drei-Länder-Initiative in der G20.

Schäuble und sein britischer Kollege George Osborne hatten schon vor einem Vierteljahr die Grundzüge ihrer Initiative bei einem G20-Treffen in Mexiko vorgestellt. Ziel ist es, durch internationale Kooperation sowie gemeinsame Regeln und Standards zu verhindern, dass große grenzüberschreitend tätige Konzerne durch gezielte Gewinnverschiebungen oft weniger Steuern zahlen als viele mittelständische Unternehmen.

Dabei haben sich die Unternehmenssteuern in den OECD-Ländern ohnehin in den letzten Jahren auf breiter Front ermäßigt. Die Industrieländer-Organisation spricht von einem Rückgang der durchschnittlichen Steuerlast für die Firmen von auf 25,4 Prozent 2011 nach 32,66 Prozent 2000. Oft genug liegt die Steuerlast wegen vielfältiger Abzugsmöglichkeiten von Ausgaben noch erheblich darunter. Gezielte Strategien dieser Art bei Firmen wie Starbucks, Apple, Google und Amazon hatten zuletzt für heftige Diskussionen gesorgt.

Gurria wie Schäuble unterstrichen, es gehe nicht um illegale Praktiken, sondern um legale Möglichkeiten zur Minderung der Steuerschuld. Der OECD-Generalsekretär verwies darauf, dass die Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Staaten zunehmend von Konzernen genutzt würden, „um eine Doppel-Nichtbesteuerung“ zu erzielen. „Manche Unternehmen zahlen am Ende nur sehr wenige oder überhaupt keine Steuern“, beklagte er. „Es geht hier nicht darum, jemanden abzustrafen“, sagte Gurria.

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„Wir wollen, dass Firmen auch ihre Steuern zahlen“

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  • Sie müssen bei Ihrer Argumentation bedenken, dass die Steueroptimierung sich ausschließlich auf die von den Finanzministern getroffenen Regelungen beziehen. Es ist nicht bekannt geworden, dass auch nur ein einziger Konzern gegen eine der Vorschriften verstoßen hat oder die Absicht hat dagegen zu verstoßen.

    Wenn hier ein Herr Schäuble sich aufregen will, dann besagt das nichts anderes, als dass seine Mannen im eigenen beritt nicht in der Lage sind, saubere Steuergesetze zu schreiben.

    Ich habe es nicht gewußt, aber schon lange vermutet, dass die Finanzbeamten nicht in der Lage sind ein vernünftiges Steuergesetz zu schreiben. Das ist so, als könne ein Koch, ein Bäcker nicht mit Salz umgehen. Solche Leute wären nie in den Besitz eines Gesellenbriefes gekommen!

    Und diesen Luxus erlauben wir uns? Wollen wir uns solchen Luxus weiter erlauben?

  • Wie nett, Luzifer, dass Sie diesem Herrn Schäuble Glauben schenken.
    Sie wissen, es ist Wahlkampf und da machen sich ein paar Worte gegen die "Großen" für die Masse der dummen Steuerzahler immer gut.
    Die Niedrigsteuer-Länder sollen also zustimmen,sich -durch Schäubles Worte- in Hochsteuerländer wie Deutschland oder Frankreich verwandeln.
    Dazu gehört schon ein sehr starker Glaube, der mir leider für Politiker wie Schäuble völlig fehlt.
    Es wird nicht mal einen ersten Schritt geben.

  • Wer verhindern will, daß internationale Konzerne ihre Steuern auf den Caymann-Inseln zahlen, muß internationales agieren von Konzernen unterbinden und seine Grenzen kontrollieren.
    Erstens sollten Steuern da gezahlt werden, wo die Wirtschaftserträge entstehen und nicht da wo einer seinen (Wohn-)Sitz hat. Macht die Sache einfacher und klarer.
    Und zweitens sollte es den hiesigen Steuerbehörden egal sein können, wie die Gewinn- und Verlustsituation im Ausland aussieht! Also: Verluste, die z.B. in Griechenland gemacht werden, hier abstzen, geht nicht mehr!
    Drittens sollte Man verunmöglichen, daß die internationale Finanzwirtschaft nationale Betriebe / Betriebsanteile aufkaufen kann.
    Eher geht das berühmte Kamel durch das Nadelöhr als daß der Freund des nordamerikanischen Finanz- und sonstigen (Un-)Wesens, Schäuble, das tut!
    Fazit: Vorbereitende Maßnahmen zur Wählerver..schung zur BTW im September!

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