Steuerabkommen
Schweiz beharrt auf Abgeltungsmodell

Das deutsche Steuerabkommen mit der Schweiz scheint zum Scheitern verurteilt zu sein. Denn SPD und Grüne wollen den Vertrag im Bundesrat scheitern lassen. Doch andere Länder haben offenbar großes Interesse.
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ZürichTrotz des sich abzeichnenden Scheiterns des Steuerabkommens im Deutschen Bundesrat hält die Schweiz an dem Modell der Abgeltungssteuer fest. Das Modell stoße weiterhin auf Interesse, andere Ländern wollen mit der Schweiz neue Abkommen abschließen, sagte Michael Ambühl, Staatssekretär im Schweizer Finanzministerium. Er ist eine Schlüsselfigur in den steuerlichen Außenbeziehungen der Schweiz; Ambühl hatte zum Beispiel das Steuerabkommen mit Deutschland verhandelt.

"Wir stehen in Verhandlungen mit Italien und Griechenland", sagte Ambühl auf einer Konferenz anlässlich des 100. Jahrestages der Schweizerischen Bankiersvereinigung in Zürich. Großbritannien und Österreich haben ihre Steuerverträge zur Einführung einer Abgeltungssteuer bereits ratifiziert, sie treten nächstes Jahr in Kraft.

Allen Verträgen liegt das gleiche Modell zugrunde: Bisher unversteuerte Gelder werden anonym mit einer Abgeltungssteuer nachversteuert. Auf künftige Erträge erheben Schweizer Banken dann eine ebenfalls anonyme Quellensteuer und führen sie an den Partner-Staat ab. Die Schweiz sieht in dem Modell einen guten Kompromiss: Die Nachbarländer bekämen die ihnen zustehenden Steuergelder; die Schweiz kann ihr Bankgeheimnis bewahren und muss keine Kundendaten verraten.

In Deutschland wollen SPD und Grüne den Vertrag mit Deutschland am 23. November im Bundesrat dagegen scheitern lassen. Sie kritisieren, dass Steuerbetrüger zu günstig dabei wegkämen zulasten der ehrlichen Steuerzahler.

Ambühl sieht in dem Abgeltungs-Modell indes weiterhin eine Alternative zum automatischen Informationsaustausch. "Wir werden nicht den automatischen Informationsaustausch verbannen können", sagte Ambühl in Zürich, "dazu haben wir nicht die Mittel. Wir wollen aber eine Alternative aufzeigen."

Der Staatssekretär übte sich auch in Selbstkritik: "Wir müssen proaktiver sein", sagte er und spielte damit offenbar darauf an, dass die Schweiz zu lange damit gewartet hat, eine Lösung für das Problem der Milliarden unversteuerter Gelder auf Schweizer Bank-Konten zu finden.

 

Kommentare zu " Steuerabkommen: Schweiz beharrt auf Abgeltungsmodell"

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  • Herr Becker:Antwort: Sie gehen -wie das Abkommen- ganz selbstredend davon aus, dass die Schweizer Banken einesteils sämtliche Schwarzgelder eines Kunden erfassen und Sie gehen davon aus,daß die Schweizer Banken dann korrekt berechnen. Der deutsche Sta at hat bezüglich beider Vorgänge keine Kontrollmöglichkeit.Keine. Und der Kunde ist mit der seitens der Bank anonym abgeführten Summe amnestiert: Für die Vergangenheit u. für die Zukunft.Ergebnis:Es kommt nicht auf den %-Satz der Abgeltubgssteuer u.auf im Abkommenenthaltene , noch so imposante Berechnungen an. Es kommt darauf an,ob der deutsche Staat effizient kontrollieren kann, ob das schwarzgeld lückenlos erfaßt worden ist u.ob eine"belastbare" Abrechnung vorliegt. Das hat nichts mit Betrügerargumenten zu tun.Das ist ein dem realen Leben geschuldetes gesundes Mißtrauen.Warum wehrten sich die Schweizer Banken denn sonst so vehement gegen den Ankauf von Disc's ? Doch nur, weil dadurch Kontrolle gegeben wäre. Sine ira et studio:das ist des Pudels Kern.

  • Ich stelle mir eine Frage: Was ist der Sinn des Sparens?.....Geld heute beiseite setzen um später damit etwas zu kaufen. Dieses Geld wird langsam durch die Inflation aufgezehrt. Dafür gibt es für einen "normalen" Sparer Zinsen. Diese Zinsen sind heuzutage tiefer als die aufzehrende Inflation. Ausserdem muss man auf diesen Zinsen noch Steuern zahlen, weil neidische linksgerichtete Gauner diesen armseligen Zins noch als "Rendite" betrachten. Schlussfolgerung: Ein Sparer ist ein Dummkopf.
    Mein Rat: Geld sofort ausgeben. Ausgegebenes Geld ist gut ausgegeben und erzeugt keine Neider. Es ist leider traurig.

  • Normalerweise gehe ich auf Kritik meiner Kommentare nicht ein, aber ich möchte "Vandale" darauf hinweisen, dass es mir völlig gleich ist wer Steuern hinterzogen hat. Es geht mir darum, dass jedem Steuerhinterzieher klar sein muß, dass es sich hierbei nicht um ein Kavaliersdelikt handelt. Mit Steuerhinterziehung wird einem ganzen Staat, und das sind wir alle, Schaden zugefügt. Alle wollen die Dinge, die der Staat finanziert, in Anspruch nehmen, nur bezahlen sollen immer die anderen. Wenn alle ihre Steuern ordnungsgemäß zahlen würden, könnte man vielleicht die Steuersätze auch für die Besserverdienenden senken. Dass nun SPD Leute und Gewerkschaftsfunktionäre durch das Veto im Bundesrat geschützt werden sollen, ist ein völliger Unsinn. Da könnte ich mir eher FDP leute vorstellen, denn die haben ja den Ankauf von Steuer-CD verhindert.

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