Steueraffäre
Liechtenstein verärgert über Deutschland

Im Liechtensteiner Steuerskandal ist auch ein Mitglied der Fürstenfamilie ins Visier der Ermittler geraten: der Sohn des Staatsoberhaupts, Max von und zu Liechtenstein. Dass der Fall jetzt ans Licht kommt, scheint kein Zufall. In Regierungskreisen glaubt man, deutsche Behörden hätten gezielt Informationen gestreut.

DÜSSELDORF. Der Streit zwischen Deutschland und Liechtenstein in der Steueraffäre verschärft sich. Die neugewählte Regierung von Liechtenstein reagiert verärgert darüber, dass kurz nach dem ersten Interview des designierten Ministerpräsidenten des Fürstentums, Klaus Tschütscher, in dem er eine Abkehr vom Image der Steueroase propagiert, Steuerermittlungen deutscher Behörden gegen den Liechtensteinischen Prinzen Max bekannt wurden. "Angesichts des zeitlichen Zusammenhang kann sich jeder seinen Reim darauf machen", hieß in Regierungskreisen. Vermutet wird, dass der Fall des Prinzen gezielt von deutschen Behörden gestreut wurde. Deutschland übt seit Monaten Druck auf das Fürstentum aus, Steuerinformationen über Deutsche, die ihr Geld in Liechtenstein versteckt halten, herauszugeben.

Erst am Mittwoch hatte der künftige Regierungschef Tschütscher angekündigt, einen neuen Kurs bei der Zusammenarbeit in Steuersachen einschlagen zu wollen. Unter anderem könnte dazu ein mit der Europäischen Union ausgehandeltes Abkommen unterzeichnet werden, das bei Steuerbetrug Amtshilfe vorsieht, deutete Tschütscher in Vaduz an. Beim weitaus häufigeren Fall der normalen Steuerhinterziehung ließ Tschütschner allerdings kein Entgegenkommen erkennen. Der Politiker hatte erst am vorletzten Sonntag die Parlamentswahlen gewonnen.

Am Freitag wurde nun bekannt, dass deutsche Steuerfahnder gegen Prinz Max wegen nicht gezahlter Steuern auf Zuflüsse einer in Liechtenstein ansässigen Stiftung ermitteln. Der 39 Jahre alte Sohn des Fürsten Hans-Adam II. ist Chef der LGT-Bank. Zu der zeitlichen Nähe zu Tschütschners Erklärung hieß es in der Bank sybillinisch, "wir glauben nicht an Zufall".

Die Liechtensteiner LGT-Bank bestätigte zugleich, dass der in Deutschland lebende Prinz Max von und zu Liechtenstein nach Auffassung der Steuerermittler Erträge aus einer Familienstiftung nicht versteuert haben soll. Die Anwälte des Prinzen bestreiten allerdings eine Steuerpflicht des Fürstensohns. Prinz Max selbst betonte in einer schriftlichen Erklärung: "Ich habe meine Steuerpflicht in Deutschland stets nach bestem Wissen und Gewissen erfüllt." Falls es sich herausstellen solle, dass er dem deutschen Staat dennoch Steuern schulde, werde er allen Verpflichtungen umgehend nachkommen. "Ich habe meinen Wohnsitz bewusst in Deutschland gewählt und bezahle hier Steuern in beträchtlichem Ausmaß. Meine Steuerverpflichtungen nicht zu erfüllen, war ganz sicher nie meine Absicht", erklärte er.

Seite 1:

Liechtenstein verärgert über Deutschland

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%