Steueramnestie
Schweiz fürchtet Milliardenverlust

Erst drohte Peer Steinbrück mit der "Kavallerie", nun fühlen sich die Schweizer auch aus dem Süden attackiert: Italiens Finanzminister will mit einer Steueramnestie Milliarden von Euro wieder zurück ins Land holen. Gleichzeitig hat Italien die Grenzkontrollen verschärft, um Steuersünder aufzuspüren. In der Tessiner Finanzelite rumort es.
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MAILAND/ZÜRICH. Die ruhigen Schweizer sind in Aufruhr. Grund ist die jüngste Steueramnestie der Italiener und die verschärfte Suche italienischer Grenzbeamten nach illegalen Geldern. Nachdem zuletzt der deutsche Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) den Schweizern und ihrem Bankgeheimnis mit der "Kavallerie" gedroht hatte, fühlen diese sich mittlerweile auch vom Süden attackiert. Sie fürchten, dass nun massenhaft Gelder aus der Schweiz zurück nach Italien fließen.

Um die Haushaltslöcher zu stopfen, hat Italiens Finanzminister Giulio Tremonti die dritte Steueramnestie innerhalb von acht Jahren durchgesetzt: Steuerflüchtlinge können seit Mitte September ihr Geld nach Italien zurückbringen oder zumindest offenlegen und kommen mit einem Steuersatz von nur fünf Prozent davon. Außerdem gilt Straffreiheit für damit zusammenhängende Bilanzfälschungen. So will Rom bis zu 100 Mrd. Euro zurückholen, was bis zu fünf Mrd. Euro Steuereinnahmen bringen würde.

Der Parteichef der an der Regierung beteiligten Schweizer Liberalen, Fulvio Pelli, hat Italien wegen der Steueramnestie heftig kritisiert. Besonders abstoßend und inakzeptabel sei das aggressive Vorgehen an der Grenze, schrieb er an die italienische Tageszeitung "Corriere della Sera".

Tatsächlich haben die Italiener die Kontrollen an der Grenze verschärft: Sie machen jetzt mit High-Tech-Gerät Jagd nach Steuersündern. Seit vergangener Woche werden mit Infrarotkameras alle italienischen Autofahrer registriert, die ins Schweizerische Tessin einreisen. Die Kennzeichen werden per Computer mit den Namen mutmaßlicher Steuersünder verglichen. Daneben sollen Metalldetektoren versteckte Edelmetalle aufspüren. So wollen die italienischen Behörden den illegalen Strom von Geld und Vermögenswerten gen Norden stoppen.

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