Steuerhinterziehung

Singapur verweigert deutsches Schwarzgeld

Ausgerechnet die Schweiz soll angeblich deutschen Steuersündern helfen, ihr Vermögen nach Fernost in Sicherheit zu bringen. Doch Singapur hat Angst um sein Image und wehrt sich massiv gegen die Zuflüsse von Schwarzgeld.
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Die Skyline des Finanzdistrikts in Singapur: Die Jagd deutscher Behörden nach Steuersündern führt sie nach Fernost. Quelle: dapd

Die Skyline des Finanzdistrikts in Singapur: Die Jagd deutscher Behörden nach Steuersündern führt sie nach Fernost.

(Foto: dapd)

Singapur/ZürichSingapur will nicht zum Hort für Steuerschwarzgeld aus Europa werden. Die Monetary Authority of Singapore (MAS) toleriere keine Zuflüsse von Schwarzgeld in das eigene Finanzsystem, erklärte eine Sprecherin der Notenbank in einer Erklärung. Banker und Anwälte betonen, der Stadtstaat meine es mit dieser Ansage ernst.

Schweizer Banken wird vorgeworfen, sie würden deutschen Steuersündern helfen, ihr Vermögen vor dem Finanzamt in Sicherheit zu bringen, bevor das Steuerabkommen zwischen Deutschland und der Schweiz möglicherweise am 1. Januar in Kraft tritt. Eine Spur weise auch nach Singapur, hatte es in einem Bericht der "FTD" unter Berufung auf Insider im Umkreis des nordrhein-westfälischen Finanzministeriums geheißen.

Die Hürden für Steuerschwarzgeld sind in Singapur aber hoch. Als Reaktion auf die Steuerabkommen habe die MAS der Sprecherin zufolge Finanzinstitute im September 2011 gewarnt, Vorkehrungen gegen Zuflüsse von Steuerschwarzgeld zu treffen. So hätten die Firmen sicherstellen müssen, dass die Kunden lautere Absichten hegten, bevor ihre Vermögenswerte angenommen werden. Im Oktober 2011 habe die Behörde zudem angekündigt, dass das Reinwaschen von Geldern aus Steuervergehen zu einer Straftat werde.

Steueranwalt Edmund Leow von Baker & McKenzie, Wong & Leow erklärte, die MAS habe die Kontrollen von Banken und Treuhändern verstärkt. "Sie stellen viel mehr Fragen bezüglich dieser Themen und es besteht kein Zweifel, dass die Branche reagiert."

Ein hochrangiger Vertreter einer europäischen Bank in Singapur erklärte, das Land sei die falsche Adresse, um illegales oder unversteuertes Geld zu verbergen: "Singapur ist kein guter Ort, wenn man Geld verstecken will, weil es hochentwickelt und gründlich reguliert ist." Er erklärte zudem, dass Vertreter der Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma Singapur in Zusammenhang mit möglichen Geldzuflüssen aus Europa im vergangenen Jahr besucht hätten.

Schweizer fürchten um das Steuerabkommen mit Deutschland
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14 Kommentare zu "Steuerhinterziehung: Singapur verweigert deutsches Schwarzgeld"

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  • Haha, genauso wie die Schweizer deutsches Schwarzgeld ablehnen!

  • Hmmm...

    Das chinesische Schwarzgeld fühlt sich jedenfalls in Singapur gut aufgehoben ;)

  • @ gernotMeyer und k.h.a. Sie haben Beide den Nagel voll Kopf getroffen mit einem Wort(schlag)...... Die Politik und die Finanziers machen den Krieg. Warten wir ab wer das Monopoly gewinnt.

  • Ein grosses Pro fehlt noch, dadurch, dass mit diesem Kompromiss die letzten 10 Jahre besteuert werden, wird massiv mehr Geld fliessen als mit einem automatischem Informationsaustausch und den dadurch ermöglichten Bussen. ebenso die DatenCD, welche wohl nur momentane Bankenstände ausweist. Ganz allgemein sind die Bussen doch recht bescheiden im Vergleich zu dieser Nachbesteuerung.

  • Die mit Abstand grössten Steuerlöcher sind Griechenland, Spanien und Italien und natürlich die EZB (Target2 Salden).

    Merkel kippt fröhlich und ungehindert Hunderte Milliarden (vielleichts sinds bald Billionen) an Steuergeldern in dieses schwarzen Löcher. Und damits der dumme Michel nicht merkt schreien sie und ihr Gehilfen derzeit alle laut "Haltet den Dieb!". Ob Steuergelder hinterzogen oder vernichtet oder durch den Schornstein gejagt werden, macht unterm Strich keinen Unterschied. Nur, was sind denn diese paar Milliönchen an Schwarzgeld gegen das was das Merkel-Regime vernichtet?!! Hilmar Kopper: "Peanuts".

  • BRAVO! Jetzt muss nur noch der EURO abgeschafft werden, dann kommen Milliarden Schwarzgelder ans Tageslicht, die es nicht mehr schaffen in USD oder andere Währungen umtransferiert zu werden - trotz massiver Hilfen der europäischen Regierungen, die sich am EURO festklammern.
    Hoffentlich verspielen sie jetzt nicht diese Gelegenheit die Milliardenausfälle der unsinnigen EURO-Hilfszahlungen zu lindern. Aber wer weiß, vielleicht sind die Entscheidungsträger größtenteils selbst betroffen. Das würde das unsinnige Festhalten an dieser Währungsunion erklären.

  • Was du nicht dem Staat stiehlst, stiehlst du deiner eigenen Familie, lautete ein modernes Sprichwort.

  • Wikipedia weiß dazu weiter:
    "Um die leeren Staatskassen zu füllen, erhob Kaiser Vespasian auf diese öffentlichen Toiletten eine spezielle Latrinensteuer. Sueton überliefert, dass Vespasian die Steuer vor seinem Sohn Titus rechtfertigte, indem er ihm Geld aus den ersten Einnahmen unter die Nase gehalten und gefragt habe, ob der Geruch ihn störe (sciscitans num odore offenderetur). Als dieser verneinte, habe er geantwortet: „Atqui ex lotio est“ (Und doch ist es vom Urin!)."

  • Dazu weiß Wikipedia z.B. Folgendes:
    "Urin, insbesondere „gefaulter“, wurde über Jahrtausende als Mittel für die Ledergerbung und als Wäschereinigungsmittel eingesetzt. So wurden in Rom an belebten Straßen amphorenartige Latrinen aufgestellt, um den Urin einzusammeln, der von den Gerbern und Wäschern benötigt wurde."

  • Frage eines Unbedarften: wie erkennt man Schwarzgeld?

    Schon ein römischer Kaiser hat in anderem Zusammenhang festgestellt: "Non olet!"

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