Steuerhinterziehung
Steueroase Bermuda sauberer als die Schweiz

Die Karibikinsel Bermuda hat ein Abkommen gegen Steuerhinterziehung mit Deutschland unterzeichnet und so die gefürchtete graue OECD-Liste der Steueroasen verlassen. Auch mit den USA hat Bermuda ein solches Abkommen getroffen. Etliche US-Konzerne haben bereits reagiert – und ihre Strandtücher in der Karibik eingerollt.

NEW YORK/LONDON. Nach getaner Arbeit gibt es erst einmal ein Gläschen Sekt und Schulterklopfen. „Wir haben es geschafft, vielen Dank.“ Georg Boomgaarden, der deutsche Botschafter in London, strahlt und hebt sein Glas. Ganz wunderbar und ein großer Schritt vorwärts sei es, dass jetzt auch die Karibikinsel Bermuda ein Informationsabkommen mit den deutschen Steuerbehörden unterzeichnet habe. Paula Cox, die Finanzministerin der Karibikinsel, will sich nicht lumpen lassen: Auch für Bermuda sei das Abkommen ein Meilenstein, schließlich sei sich ihre Heimat schon immer ihrer Verantwortung für die Stabilität des Weltfinanzsystems bewusst gewesen.

Glaubt man der resoluten Dame aus der Karibik, dann war es ohnehin nur ein großes Missverständnis, dass die Bermudas auf der grauen Liste jener Steueroasen gelandet waren, die den Transparenzstandards der Industrieländerorganisation OECD nicht genügen. 13 Informationsabkommen habe die Insel unterzeichnet, wie gerade mit Deutschland und zuvor schon mit den USA. Drei weitere seien unterschriftsreif.

Vor allem US-Konzerne haben auf die neue Lage in der Karibik reagiert. Etliche Manager rollen ihre Strandtücher ein, seit Obamas Regierung das Steuerabkommen mit den Bermudas unterzeichnet hat. Ein halbes Dutzend großer Unternehmen, unter ihnen der Elektronik-Riese Tyco, der Mischkonzern Ingersoll-Rand und der Anlagenbauer Foster-Wheeler, hegen Umzugspläne.

Nach dem strengen Vorgehen der USA gegen Steueroasen hatten die deutsche und die französische Regierung den Kampf gegen Steuerhinterziehung auf die Agenda des Londoner G20-Gipfels im Frühjahr gehoben. Sie setzten durch, dass die OECD eine Liste der Länder veröffentlicht, die sich nicht am gegenseitigen Informationsaustausch beteiligen (siehe „Graue Liste“).

Deutschland und Frankreich erschweren inzwischen mit neuen Gesetzen über die steuerliche Abzugsfähigkeit von Betriebsausgaben ihren eigenen Bürgern Geschäfte in Steuerparadiesen. Der Druck über die Geschäftspartner wirkt: Schweizer Industrielle überzeugten die Regierung, den OECD-Standard zu akzeptieren. Die Verhandlungen mit Deutschland sind aber noch nicht abgeschlossen. Obama will notfalls Amerikas Konzerne über Strafzahlungen zur Kasse bitten. Die wenigsten Konzernlenker zweifeln, dass er es ernst meint.

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