Transaktionssteuer weniger schädlich als angenommen

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Debatte "entdramatisieren"

Deshalb ziehe man derzeit mehr wirtschaftliche Variablen heran, um die Realität samt möglicher Konsequenzen besser abbilden zu können.  So entspreche es beispielsweise auch nicht der Realität,  dass infolge der Transaktionssteuer Hunderttausende Jobs  verloren gehen könnten. Kritiker haben dieses Argument immer wieder gegen die Steuer ins Spiel gebracht. Die Einnahmen aus einer Transaktionssteuer könnten die Wirtschaft beleben, betonte Semeta.

Schließlich könnten sie  beispielsweise  in die Infrastruktur eines Landes fließen.  Die EU-Kommission hatte ihre Pläne zur  Einführung einer Finanztransaktionssteuer in allen 27 europäischen Ländern Ende  September vergangenen Jahres vorgelegt. Die Steuer soll auf alle zwischen Finanzinstituten abgewickelten  Transaktionen mit Finanzinstrumenten erhoben werden. Voraussetzung ist, dass zumindest eine Partei in der EU ansässig ist. Der Handel mit Anteilen und Anleihen würde demnach mit einem Satz von 0,1 Prozent besteuert, Derivatkontrakte mit 0,01 Prozent.

Steuerkommissar Semeter  rechnet mit Einnahmen in Höhe von mehr als 50 Milliarden Euro. Auch angesichts der kontroversen Debatte um die Einführung einer Finanztransaktionssteuer hält die Kommission an ihrem Vorschlag fest. Schließlich soll ein Teil der Steuereinnahmen auch  zur Finanzierung des EU-Haushalts dienen.  „Im Gegenzug verringert sich allerdings der Beitrag eines Landes zum europäischen Haushalt. Das wiederum wird es den Staaten leichter machen, ihre Defizitziele zu erreichen“, sagte Semeta. „Damit müsste die Transaktionssteuer auch für die skeptischen Briten  eigentlich attraktiver werden“.  

Grundsätzlich spricht sich Semeta dafür aus, dass die gesamte Debatte „entdramatisiert“ werden müsse: „Sicher lassen sich die gemachten Pläne verbessern. Vorschläge aus den Mitgliedstaaten nehmen wir gern entgegen“, kommentiert er jüngste Vorstöße aus Frankreich und Deutschland.

  • 24.01.2012, 08:44 Uhrkschulz

    Ich habe zu diesem Thema schon einmal einen ausführlichen Kommentar geschrieben und möchte mich nicht wiederholen. Aber zu der Aussage, daß Privatanleger wenig betroffen sein werden muß ich doch widersprechen. Die meisten Privatanleger sind in Fonds investiert, denken Sie z.B. nur an Die Riester-Rente. Haben Sie sich schon einmal mit der Transaktionshäufigkeit innerhalb der Fonds beschäftigt? Da werden Sie aus dem Staunen nicht herauskommen. Selbst bei Rentenfonds wird munter hin und hergehandelt. Außerdem gibt es ja viermal im Jahr ein Quartalsende an dem man für interessierte nachweisen muß wie tüchtig man war und nur die gut gelaufenen Papiere im Fonds aufzutauchen haben. Man nennt dieses Verfahren "Windowdressing"! Auf die allein dadurch entstehenden Nachteile für den Fondsinvestor möchte ich hier nicht eingehen, das Thema ist die Transaktionssteuer. Durch den überbordenden Handel innerhalb der Fonds entstehen natürlich Kosten durch die Transaktionssteuer. Sie glauben doch wohl nicht im Ernst, daß die Fondsgesellschaften diese Kosten aus lauter Menschenliebe selbst tragen werden, sie belasten damit natürlich den Fonds und damit den kleinen Sparer!
    Das nur zu der Aussage, daß der kleine Privatanleger kaum betroffen sein wird. Zur Erläuterung, ich bin übrigens Bankkaufmann.

  • 24.01.2012, 02:39 UhrWolfgangPress

    @Maddin

    Oh, BWL haben Sie studiert. Kostolany nannte diese Berufsgruppe akdemisch gebildete Buchhalter.

    Nun ich bin kein Banker und erst recht kein Bänkster sondern habe mich mein Lebenlang mit Steuern befasst und kann daher die steuerlichen Auswirkungen gut beurteilen.

    Die Krise ist politisch gemacht. Es ist aber den gewerbsmäßigen Lügner/innen und Betrügern/innen aus der Politik gelungen einen Sündenbock zu finden. Das sind nun die Banken. Hier kommen auch wieder die altbekannten immer noch offen oder unterschwelligen Vorbehalte nach oben. Bankgeschäfte gleich Judengeschäfte.

    Wenn die Politiker/innen so mit den ihnen anvertrauten fremden Geldern so umgehen würden wie mit ihren eigenen, dann gäbe es die Krise nämlich nicht.
    Und was wollen Sie Studierter machen wenn die Geschäfte so wie damals in Schwenden nach London, NY, Singapore abwandern. Die warten nur darauf das Geschäft an sich zu ziehen. Oder glauben Sie gar im Ernst, dass man sich in Singapore, China oder in den anderen Ländern noch Vorschriften von den ehemaligen Kolonialherren machen lassen würde?

  • 23.01.2012, 23:07 Uhrdeltaone

    Befürworter einer Transaktionssteuer führen häufig zwei Argumente an:
    1) Diese Steuer würde "die Banken" an den Kosten der Finanzkrise beteiligen: Unfug, diese Steuer wird umgelegt, der Konsument hat eine weitere steuerinduzierte Preiserhöhung zu erdulden.
    2) Diese Steuer würde die Volatilität "der Märkte" reduzieren: Unfug, es gibt nicht eine einzige Steuer, die so wirkt.
    Die Politiker in Singapur können ihr Glück wahrscheinlich gar nicht fassen..

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