Steuern
Großbritannien entwickelt sich zum Hochsteuerland

Die britische Gesamtverschuldung wird sich nach Regierungsplänen bis 2013 auf 1,4 Billionen Pfund verdoppeln. Der Grund dafür ist nicht allein die Finanzkrise. Höhere Lasten für den britischen Steuerzahler sind so gut wie sicher: Den Briten droht ein regelrechter Steuer-Tsunami.

LONDON. Laut dem Steuerverlag Lexis-Nexis hat der einst so schlanke Steuerstaat Großbritannien am Dienstag das dickste Steuergesetzbuch der Welt – mit 11 520 Seiten voller Steuerregeln. Und es werden noch mehr. Denn auf die Briten kommt eine Steuerorgie zu, die das Land in die internationale Hochsteuer-Liga katapultieren wird. Zwar dürfte wegen der hohen Ausgaben zur Rettung von Banken auf die meisten Industriestaaten eine Steuererhöhungswelle zurollen-doch den Briten droht ein regelrechter Tsunami.

Schon Ende August meldete sich die Steuerbehörde bei den 5 000 reichsten Steuerzahlern mit einem höflichen Schreiben und erklärte, wie das "beiderseitige Vertrauen und Verständnis" gestärkt werden sollen. Australien hatte mit einer solchen individuellen Steuerbetreuung zusätzlich 1,8 Mrd. Euro aus den Top-Verdienern herausgeholt. Zudem geraten Steueroasen ins Visier der Fiskalritter: Ein bilaterales Abkommen zum Informationsaustausch mit Liechtenstein soll Nachzahlungen von einer Mrd. Pfund bringen.

Zurzeit liegt Großbritannien nach dem diesjährigen Steuervergleich der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG bei Einkommensteuern auf einem mittelmäßigen zwölften Platz in Europa. Wenn ab April 2010 der neue Spitzensteuersatz von 50 Prozent greift, wird das Land aber an vierter Stelle hinter Dänemark, Schweden und den Niederlanden stehen - aber die Briten dürfen dennoch keine sozialstaatliche Totalversorgung nach skandinavischem Vorbild erwarten. Auch andere Länder haben hohe Einkommensteuersätze, aber bei den Briten greift der Höchstsatz von 50 Prozent schon bei Jahreseinkommen von 150 000 Pfund; 40 Prozent werden schon ab 37 400 Pfund fällig. Deutschlands Spitzensteuersatz von 45 Prozent greift ab 250 000 Euro.

Der britische Schatzkanzler Alistair Darling mahnte die G20-Finanzminister am Wochenende, fiskalische Stützungsmaßnahmen dürften nicht zu schnell zurückgenommen werden. Gleichzeitig versprach er, das britische Haushaltsdefizit in den kommenden vier Jahren zu halbieren. Wie das geschehen soll, will Darling im Herbst konkretisieren. Und er schließt dabei erneute Steuererhöhungen ausdrücklich nicht aus - ungeachtet des Wahlkampfs, der dann schon in voller Fahrt sein dürfte. Denn bis Juni 2010 muss gewählt werden.

Für die Briten kommt der Aufschwung später und er wird zerbrechlicher sein, warnte die britische Handelskammer. Wegen der hohen privaten und öffentlichen Verschuldung werde es schwer, den Aufschwung in Fahrt zu halten.

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