Steuern in Frankreich
44 Prozent der Franzosen zahlen mehr

Wie Deutschland derzeit hatte Frankreich 2012 eine Steuerdebatte. „90 Prozent werden von den Steuererhöhungen nichts spüren“, tönte Frankreichs Premierminister damals. Diese Zusage konnte die Regierung nicht halten.
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ParisFrankreichs sozialistische Regierung hat seit ihrem Amtsantritt vor knapp anderthalb Jahren die Verringerung des Defizits als oberstes Ziel der Finanzpolitik ausgegeben. Dafür hat sie allerdings zunächst nicht die Ausgaben gebremst, sondern die Steuern erhöht. Den Trend, den schon die konservativen Vorgänger auslösten, hat sie beschleunigt.

2011, noch unter Nicolas Sarkozy, stiegen die Steuern um rund 16 Milliarden Euro. 2012 – im Mai gewann Francois Hollande die Wahl – waren es bereits 20 Milliarden Euro zusätzlich und in diesem Jahr werden die französischen Haushalte und Unternehmen 28 Milliarden Euro mehr an den Staat abführen müssen. Die gesamte Abgabenbelastung steigt auf den Rekordwert von 46,5 Prozent der Wirtschaftsleistung. 2014 wird sich der Anstieg verlangsamen, aber es werden noch einmal 7,5 Milliarden Euro mehr sein, die ganz überwiegend auf die Haushalte entfallen.

2012 hatte die neue Regierung versprochen, die Mehrbelastung werde fast ausschließlich die Top-Verdiener treffen. „90 Prozent der Franzosen werden davon nichts spüren“, versprach der Premierminister Jean-Marc Ayrault. Die Zusage wurde nicht eingehalten, die Anhebung zieht weitaus größere Kreise. Am Mittwoch veröffentlichte die Tageszeitung „Le Monde“ eine Erhebung, derzufolge in diesem Jahr 44 Prozent der Franzosen höhere Steuern zahlen müssen.

Angesichts der anhaltenden Kreativität beim Erfinden neuer Abgaben droht der Effekt einer der wichtigsten Maßnahmen der Regierung zu verpuffen, nämlich der Steuerkredit für Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung. Er kommt arbeitsintensiven Unternehmen zugute und senkt deren Abgabenlast um insgesamt 20 Milliarden Euro. Gesprochen wird darüber wenig, weil die Betriebe 2012 und 2013 den größeren Teil der Mehrbelastung tragen mussten – und weil stets neue Steuern auf sie zukommen. Im kommenden Jahr führt die Regierung eine neue Abgabe auf das Ebitda ein, also den Gewinn vor Zinsen, Steuern, und Abschreibungen. Die wird ausgerechnet Unternehmen stark treffen, die viel investieren – dabei krankt die französische Wirtschaft schon heute an mangelnden Investitionen.

Besonders bedrückend an der Steuerpolitik ist, dass sie das erklärte Ziel einer Defizitminderung nur sehr begrenzt erreicht. Das Jahr 2012 endete mit einem Negativsaldo von 87,1 Milliarden Euro im Haushalt. Die Planung für 2014 sieht einen Fehlbetrag von 82,2 Milliarden Euro vor. Dem stehen aber Steuererhöhungen von rund 40 Milliarden Euro gegenüber. Die führten also nur zu einem Bruchteil zum Abbau der Neuverschuldung.

Thomas Hanke
Thomas Hanke
Handelsblatt / Korrespondent in Paris

Kommentare zu " Steuern in Frankreich: 44 Prozent der Franzosen zahlen mehr"

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  • @ SoLa... Oh, Sie haben den Unterschied zwischen Durchschnitt und Median verstanden. Das qualifiziert Sie sofort zum Finanzminister.

  • @Riesner
    Im Milchmädchenrechnen sind Sie echt stark!

    Seit wann müssen 50% der Leute mehr verdienen als der Durchschnitt? Beispiel 100 verdienen 1 und 1er verdient 100, macht im Durchschnitt 2 und nur 1er verdient mehr... wzbw

  • Passt doch alles. "Nur die Besserverdienenden werden stärker heraungezogen." 50% der Leute verdienen mehr als der Durchschnitt. Wenn also 44% mehr zahlen, trifft das doch genau die Besserverdienenden. Vielleicht sollten jetzt auch 44% in Deutschland bereuen, dass sie nicht die FDP gewählt haben bzw. fluchen, dass die FDP für sie wegen enttäuschender Politik nicht wählbar war.

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