Steueroase: Schweiz will Gesprächen über Bankgeheimnis führen

Steueroase
Schweiz will Gesprächen über Bankgeheimnis führen

Die Schweiz erwägt offenbar eine Lockerung des Bankgeheimnisses. Medien zufolge will das Land das Bankgeheimnis 2015 teilweise aufgeben. Das fordert Bern nun auch von anderen Staaten.
  • 10

Genf/BrüsselNach Luxemburg und Österreich erwägt nun auch die Schweiz eine Lockerung des Bankgeheimnisses. Bern sei bereit, über einen automatischen Informationsaustausch zu diskutieren, wenn dies ein „internationaler Standard“ werde, sagte ein Sprecher des Finanzministeriums am Dienstag der AFP. Es müssten nicht nur alle großen Finanzplätze in Asien, den USA und Europa einbezogen, sondern auch alle Schlupflöcher geschlossen werden.

Laut Medienberichten will die Schweiz – die zur Zeit auch durch die Steueraffäre von FC-Bayern-Präsident Uli Hoeneß in den deutschen Schlagzeilen ist – 2015 ihr bislang sakrosanktes Bankgeheimnis teilweise aufgeben. Grundsätzliche Diskussionsbereitschaft signalisierte vor wenigen Tagen auch erstmals der Schweizer Bankenverband. Doch auch für die Branche gilt die Einschränkung, dass eine Lockerung nur im globalen Gleichschritt erfolgen könne.

„Es gibt viele Länder, die noch vor der eigenen Haustür kehren müssen“, sagte der Schweizer Innenminister Alain Berset dem Sender TV5 Monde. Die Schweiz habe anders als andere Länder schon Standards gegen Steuerflucht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) übernommen. Allerdings ist das Land eines von 14 Ländern, welche die OECD-Grundsatzprinzipien für den automatischen Informationsaustausch noch nicht unterschrieben haben.

EU-Steuerkommissar Algirdas Semeta forderte von der Schweiz einen „ehrgeizigen“ Informationsaustausch, um Steuerflüchtlinge erwischen zu können. Das angestrebte Abkommen müsse auch das Problem der sogenannten Omnibus-Konten abdecken, die von Schweizern für Ausländer eingerichtet werden, hieß es aus Kommissionskreisen.

Zwischen Deutschland und der Schweiz sorgt das Thema Steuerflucht seit langem für Streit. Ein von der schwarz-gelben Bundesregierung mit dem Nachbarland ausgehandeltes bilaterales Steuerabkommen, das eine pauschale Nachversteuerung von illegal über die Grenze transferiertem Vermögen vorsah, scheiterte im Bundesrat am Widerstand der Opposition. Die sah darin zu viele Schlupflöcher für Steuersünder.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Steueroase: Schweiz will Gesprächen über Bankgeheimnis führen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Fehlsteuerung von Politik+Wirtschaft durch Korruption+deren Dienstleister ...

    Griechenland + Italien zeigen, dass Schwarzgelddienstleister wie die Schweiz komfortable korruptive Strukturen erst ermöglichen.
    Die resulierende Fehlsteuerung von Wirtschaft+Politik wiegt sogar schwerer, als der Betrug bei der Zinsbesteuerung.
    So manche "Fehlentscheidung" öffentl. Entscheider, die (verharmlosend) als Inkompetenz kolportiert wird, wird erst begreifbar vor dem Hintergrund der begleitenden Zahlungsströme in der Schweiz, dem Back-Office der Korruption.
    Erinnert sei etwa an abgekartete Finanzwetten des vormaligen Chefs der leipziger Wasserwerke - mit Schäden im 3-stelligen Millionenbereich für die öffentliche Hand.
    Animiert wurde der Mann durch ein 1-stelliges Millionenbestechungsgeld, abgezweigt aus der Provision der schweizer Vermittler...
    Griechenlands Probleme resultieren ganz offensichtlich aus der Zusammenarbeit korrupter Eliten mit Korruptionsdienstleistern wie der Schweiz, Liechtenstein, Luxemburg od. Zypern.
    Es ist Zeit, diese Strukturen zu zerschlagen.

  • QI-Agreement (2001), EU Zinsrichtlinie (2005), FATCA (2014): Wie oft wird noch geklingelt ?

    Einzig der Druck der Vertragsstaaten ist entscheident dafür, wie weit sich die Schweiz Transparenzbegehren öffnet.
    Eine originäre Stärke der Schweiz bei Verhandlungen ist eine Marketing-Illusion des Bankensektors.
    Die schweizer Schwäche entspringt der Tatsache, dass der enorme Umfang der verwalteten Gelder Investitionen außerhalb der Schweiz erzwingt. Deren Ertrags-Zahlungsströme sind die Achillesverse der Schwarzgeldverwalter.
    Im Resultat mussten Schweizer Banken sich schon dem QI-Agreement unterwerfen. Auch wird analog zur EU-Zinsrichtlinie ein 35%-EU-Zinsabschlag erhoben. Mit FATCA wird das QI-Verfahren zudem empfindlich verschärft.
    Der Freiraum der Schweiz ist nur ein "zugebilligter Freiraum". Er wurde (+wird) verspielt, wenn sich schweizer Akteure wie die UBS ( oder Wegelin) provozierend vertragsunfähig gebärden.
    Im Resultat endet die Liaison der Schweiz mit EU-Schwarzgeld.
    Attraktives asiatisches Schwarzgeld wird eingeworben, die verbliebenen (begriffsstutzigen) US/EU-Steuerhinterzieher werden abgestoßen.

  • Aber bitte selber erst nachdenken und @Hirn-einschalten

    An der Tankstelle gibt es einen Gegenwert(trotz Kumulation von Mineralsteuer u. MWST). Beim Staat gibt es kaum Leistung für ständig höhere Steuern. Deutschland ist eine Bürokratenoase und eine Steuerzahlerwüste. Das Ziel der Politik deutsche Steuerregeln weltweit als alternativlos zu etablieren erstaunt nicht. Was bewirkt ein Monopol?

    Durch die Ignoranz der Kalten Progression steigt die Einkommenssteuer jährlich "heimlich" an, seit Jahrzehnten. Dieser Betrug am Steuerzahler geht kumuliert über die Jahrzehnte in den dreistelligen Milliarden Bereich?

    Die etablierte Politik und ihre Verwaltung was im Parlament identisch ist, haben versagt und sollten bei der nächsten Wahl abgestraft werden. Es ist Nonsense ein System zu wählen das nicht überzeugt und das nachhaltich seine Unfähigkeit bewiesen hat. Egal welcher couleur die Regierung ist. Poltik darf nicht alternativlos sein.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%