Steueroasen im Visier
Jäger des versteckten Geldes

Zwei Organisationen, ein Kampf: FATF und OECD wollen Geldwäsche-Verstecke und Steueroasen trockenlegen. Doch ihre Erfolgsbilanz fällt höchst unterschiedlich aus. Während die FATF ihre Liste nicht kooperativer Staaten geleert hat, werden die Fahnder OECD intern ausgebremst. Ein Report.

PARIS. Vincent Schmoll merkt sehr schnell, wenn etwas faul ist. Kaum hatte der Prüfer der Anti-Geldwäsche-Organisation FATF die Büroräumlichkeiten der lokalen Geldwäschepolizei eines arabischen Zwergstaates betreten, da wurde er schon stutzig. „Alle Mitarbeiter saßen brav hinter ihren Schreibtischen“, erzählt der Amerikaner, „aber die Schreibtische waren leer, es lag nicht ein Blatt Papier darauf.“

Merkwürdig erschien ihm auch, dass in den Büroregalen Aktenordner mit englischer Beschriftung standen. „Dabei war Arabisch die lokale Amtssprache.“ Als Schmoll und seine Kollegen sahen, dass die Computer und Fax-Geräte in den Büros nicht ans Strom-, geschweige denn ans Telefonnetz angeschlossen waren, wurde den FATF-Experten endgültig klar: Diese Anti-Geldwäsche-Polizei ist nicht das Türschild wert, auf dem ihre Name steht.

Anekdoten wie diese hat der schlanke Amerikaner mit den blauen Augen gleich Reihenweise zu bieten. Schließlich hat Schmoll schon rund ein Dutzend Länder besucht, um zu prüfen, ob die Staaten die internationalen Regeln der Financial Action Task Force, kurz FATF, wirklich in der Praxis anwenden. In der Organisation haben sich 34 Staaten zusammengeschlossen, um gemeinsam gegen Geldwäsche und Terrorfinanzierung vorzugehen.

Auch Pascal Saint-Amans kämpft für saubere Finanzen. Der Franzose mit dem kurzen Haaren und den freundlichen Augen hinter der randlosen Brille leitet seit vergangenem Herbst die Abteilung Steuerkooperation der OECD, der Organisation für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit. Er hat Steuerparadiese wie Monaco, Liechtenstein und Andorra im Visier, die nach wie vor jeden Informationsaustausch in Steuerfragen verweigern.

Seitdem Liechtenstein als Herberge für deutsche Steuersünder wie Ex-Post-Chef Klaus Zumwinkel aufgefallen ist, hat Saint-Amans allerdings Oberwasser. „Die politische Aufregung um Liechtenstein“, freut sich Saint-Amans, „gibt dem Kampf gegen Steueroasen neuen Schwung.“

Den kann er auch gut gebrauchen. Denn obwohl FATF und OECD mit nur wenigen Jahren Zeitunterschied ihren Feldzug gegen Geldwäsche und unfaire Steuerpraktiken aufgenommen haben, könnten die Ergebnisse beider Initiativen nicht unterschiedlicher sein. Während 20 Jahre nach Gründung der FATF die 40 Prinzipien gegen Geldwäsche de facto weltweit Standard sind, hat die OECD noch große Mühe, einheitliche Regeln für den Informationsaustausch beim Verdacht auf Steuerbetrug durchzusetzen. Grund genug, einen Blick auf die Gründe zu werfen.

Zum Beispiel in Monaco.

Das Finanzministerium des kleinen Fürstentums hat den Charme einer Kreissparkassenzentrale. Gegenüber dem sandsteinfarbenen Zweckbau aus den 70er-Jahren spucken Busse Touristenscharen aus, die durch die engen Gassen Richtung Fürstenpalast pilgern, der fünf Gehminuten entfernt liegt. Aktueller Hausherr im Finanzministerium ist Gilles Tonelli, ein sehr schlanker, hochgewachsener Mann, dessen Büro von einem riesigen Schreibtisch dominiert wird. „In Sachen Geldwäsche erfüllen wir alle internationalen Standards“, betont Tonelli und hat stets den jüngsten Bericht der Anti-Geldwäsche-Einheit zum Beleg griffbereit.

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