Steueroasen
Wie die OECD die Bermudas trockenlegen will

Der Kampf für eine faire Verteilung von Steuergeld ist bislang erfolglos. Vor allem IT-Konzerne sind beim Sparen der Abzüge sehr erfinderisch. Ein neuer Vorstoß der OECD will das flüchtige Geld an die Leine legen.
  • 5

BerlinBundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und sein britischer Amtskollege George Osborne haben offenbar Schwung in den internationalen Kampf gegen exzessive Steuergestaltung gebracht. Auf dem letzten G20-Finanzministertreffen in Mexiko verabredeten sie ein gemeinsames internationales Vorgehen mit der Industrieländerorganisation OECD, die bereits in dieser Woche auf einer Konferenz in Paris das Thema aufgreift. "Ich bin sehr froh, dass es jetzt echte politische Unterstützung der G20 gibt, das Problem zu lösen", sagte OECD-Steuerdirektor Pascal Saint-Amans dem Handelsblatt. Seit den 1990er-Jahren versucht die OECD, gegen für Staaten schädliche Steuerpraktiken internationaler Konzerne vorzugehen. Doch die Vorschläge wurden nicht umgesetzt.

"Wir versuchen seit Jahren zu erreichen, dass jeder Staat seinen fairen Anteil am Gewinn multinationaler Konzerne bekommt", sagte Saint-Amans. "Jetzt aber stellen wir fest, dass der Kuchen, der geteilt werden könnte, kleiner wird." Der Großteil des Gewinns werde ganz gezielt in Länder mit den niedrigsten Steuersätzen oder in Steueroasen wie die Bermudas verschoben. Vor allem IT-Konzerne wie Facebook, Google, Apple und Amazon fallen mit besonders niedrigen Steuerquoten auf.

Steuerexperten wie Christoph Spengel von der Universität Mannheim sprechen bereits vom "Google-Modell": Da die Umsätze weltweit vor allem aus Werbung und nicht aus greifbaren Produkten bestehen, fällt es den Steuerbehörden sehr schwer, überhaupt einen Ort für die Besteuerung zu identifizieren. Überall dort, wo die Wertschöpfung auf immateriellen Wirtschaftsgütern - also Patenten, Lizenzen, Markenrechten - beruht, haben Konzerne die ganz legale Steueroptimierung besonders weit entwickelt (s. Steuervermeidung).

Das Problem treibt auch die US-Regierung um, wie aus einem Brief Schäubles an seinen Kollegen Tim Geithner hervorgeht und in dem sich Schäuble auf ein Gespräch über die Gewinnverschiebung mit Hilfe von Patenten bezieht. "Ich stimme mit Ihnen überein, dass das kein akzeptabler Zustand ist", schrieb Schäuble. Er wies in dem Brief allerdings darauf hin, dass es in Deutschland möglich ist, ausgelagerte Gewinne von Töchtern, an denen ein deutscher Konzern mehr als 50 Prozent hält, zu besteuern - selbst auf den Bermudas.

Von IT-Firmen, die in Deutschland inzwischen Milliardengewinne erzielen, sieht der deutsche Fiskus aber wenig bis nichts, wie Schäuble in dem Brief beklagte, weil Onlinehändler ihren Sitz großenteils in einem Niedrigsteuerland wählten.

Seite 1:

Wie die OECD die Bermudas trockenlegen will

Seite 2:

Meister in Sachen Steuergestaltung ist Apple

Kommentare zu " Steueroasen: Wie die OECD die Bermudas trockenlegen will"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Wenn z.B. ein Apfelkonzern in Deutschland eine Niederlassung hat um Apfelprodukte zu verkaufen, dann muss Deutschland das halt daran knüpfen, dass der Verkauf von Apfelprodukten auch in Deutschland versteuert wird. Wenn das dem Apfelkonzern nicht gefällt, dann dürfen sie halt in Deutschland keine Niederlassung unterhalten und zahlen ggf. Einfuhrzölle.

    Warum muss man da Gibraltar, Andorra bis Singapure einbeziehen??

    Gibraltar, Adorra bis Singapure sind nur für die Steuern zuständig die auf eigenem Gebiet entstehen.
    Das gleiche gilt für private Investitionen im Ausland.

    Die Einbeziehung von Allem und Jedem bedeutet doch nur, dass die Staatsmafia sich völlig willkürlich bedienen kann.

    Nationalstaaten sind die Marktwirtschaft unter Staaten !!!

  • Ich finde es eher merkwürdig und fast schon ein Witz dass man merkwürdigerweise niemals die USA bei diesen Steueroasen anspricht....

    In Delaware, florida, Nevada und co. gibt es Briefkastenfirmen, wahrscheinlich mehr als Einwohner. Wieso? Ganz einfach....jeder Trottel auf der Welt kann dort eine Inc. mit Representant und Briefkasten mieten für wenig Geld.....JEDER der dort nicht ansässig ist aber solch eine firma auf dem Papier dort besitzt, bezahlt lächerliche wenige Prozente bzw Pauschalsteuern, ist aber von der normalen Steuer komplett befreit.

    Wie kommt es dass dort niemand fragt????


    Mal ganz abgesehen davon dass die OECD ebenso ein scheinheiliger Laden ist....wie sagte der Schweizer Politiker Christoph Blocher bereits zu Hans Eichel? "Statt Oasen austrocknen zu wollen, sollten gerade Sie doch eigentlich für Volk und Bürger eher zusehen dass sie für diese Oasen schaffen statt sie auszutrocknen!".
    Eichels Antwort "Das werd ich ganz sicher nicht tun!"....

    Soviel dazu...

  • Ich gebe Ihnen @Charly vollkommen recht.

    Die OECD ist genauso ein Schwindelverein wie unser Bundestag und agiert nur im Auftrag der Konzerne, Eliten, des Geldmachtapparates. Anscheinend ist jetzt der Kampf zwischen den Superreichen/Konzerne auch entbrannt. Wie heißt es so schön...Pack schlägt sich und Pack verträgt sich.

    Die Welt wird noch im Chaos und Gewalt versinken. Und alles das nur wegen dem Götze Geld!

    In einer Hierarchie kann es keine Gerechtigkeit geben! Sondern nur Unterdrückung, Ausbeutung, Elend und Gewalt!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%