Steuersatz vervierfacht: Frankreich nimmt sich Brause-Hersteller vor

Steuersatz vervierfacht
Frankreich nimmt sich Brause-Hersteller vor

Die französische Politik will schärfer gegen Zuckergetränke vorgehen: Der Senat bereitet ein Gesetz vor, mit dem die Mehrwertsteuer auf Süßgetränke erhöht werden soll. Geplant ist eine Vervierfachung.
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ParisDie großen Hersteller von Sodagetränken haben in Frankreich ihre schönste Zeit hinter sich. Bereits im Januar 2012 wurde eine spezielle Abgabe auf Süßgetränke eingeführt. Sie beträgt 7,4 Cents pro Liter und scheint Effekt zu haben: Im vergangenen Jahr sank der Absatz von alkoholfreien Erfrischungsgetränken um 3,5 Prozent. Der Senat will nun die Gangart verschärfen, zugleich aber gezielter gegen Zucker vorgehen, dessen gesundheitsschädliche Wirkung – bei hohem Verbrauch – kam noch zu bestreiten ist.

Eine konservative Senatorin und ein Sozialist schlagen vor, auf gezuckerte Süßgetränke, Fruchtsäfte und Limonaden nicht mehr die verringerte Mehrwertsteuer von 5,5 Prozent zu erheben, sondern den vollen Satz von 20 Prozent, also praktisch eine Vervierfachung. Es sei völlig widersinnig, Lebensmittel mit potenziell gesundheitsschädlicher Wirkung steuerlich zu subventionieren, argumentieren sie.

Gleichzeitig sprechen die Senatoren sich in ihrem Bericht, der vom Sozialausschuss des Senats bereits einstimmig angenommen wurde, für die Abschaffung der speziellen Süßsteuer auf Getränke aus, die Süßstoff statt Zucker enthalten. Die Franzosen trinken im Schnitt 25 Liter Fruchtsaft und 56 Liter Brause pro Jahr. In den französischen Medien war eine Studie der US-Heart Association stark beachtet worden, der zufolge jährlich rund 180.000 Todesfälle weltweit auf den übermäßigen Genuss von zuckerhaltigen Getränken zurückzuführen sind.

Sollte die verminderte Mehrwertsteuer tatsächlich abgeschafft werden, wären nicht nur die „üblichen Verdächtigen“ wie Coca Cola & Co. betroffen. Auch Unternehmen wie Danone und Nestlé, die gerne mit ihren angeblich gesundheitsfördernden Milchprodukten werben, setzen ihrer Ware ordentlich Zucker zu.

Danone brachte kürzlich ein Mineralwasser mit Zitronengeschmack auf den Markt, das nicht mehr wie bislang üblich völlig zuckerfrei ist, sondern eine starke Prise Glukose enthält. Trotz der öffentlichen Debatten scheint die Formel „Zucker zaubert“ für die Nahrungsmittel-Multis noch zu gelten: Die Kunden scheinen anzuspringen.

Thomas Hanke
Thomas Hanke
Handelsblatt / Korrespondent in Paris

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  • Es ist einfach unglaublich, dass die sozialistischen Länder ständig mit gutmenschlicher Argumentation kommen, wenn es darum geht, noch mehr Geld rein zu holen. Zitat: "Es sei völlig widersinnig, Lebensmittel mit potenziell gesundheitsschädlicher Wirkung steuerlich zu subventionieren, argumentieren sie."
    Nun, im Prinzip sind alle Lebensmittel potenziell gesundheitsschädlich. Das beliebte Fleur du Sel würde ich schon mal als äußerst gefährlich einstufen. Naja, so ganz ohne Salz lebt man auch nicht lange. Und so ganz ohne Kohlenhydrate wird es auch irgendwann eng. Schon Paracelsus sagte: "Die Dosis macht das Gift".
    Wann werden diese gutemenschelnden Politiker ehrlich und sagen einfach: "Wir brauchen Euer Geld und holen es uns jetzt". Eine Partei, die so ehrlich wäre, könnte man glatt wählen.

  • soso, die nehemen sich die hersteller vor. dann werden die ja vor lauter scheck die preise für die kunden senken.

    War da unsere staatsratsvorsitzende als beraterin die tage dort :-)

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