Steuerskandal: Britisches Finanzamt schont Unternehmen

Steuerskandal
Britisches Finanzamt schont Unternehmen

Die Bürger wehren sich gegen die Unfähigkeit der britischen Finanzämter, die nach einem Parlamentsbericht 25 Milliarden Pfund Steuern vorenthielten. Mit einer Petition fordern die Briten ein härteres Vorgehen gegen Großkonzerne.
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LondonRund 108000 Bürger haben die „Petition gegen den großen Steuerskandal“ unterschrieben. Ihr Anliegen: ein härteres Vorgehen der britischen Finanzämter gegen multinationale Konzerne. Die Initiatoren stützen sich auf den Bericht eines Parlamentsausschusses, wonach die Konzerne der Staatskasse jährlich 25 Milliarden Pfund an Steuern vorenthalten – das sind 1000 Pfund pro Haushalt.

Während sie Gehaltsempfängern unerbittlich jeden Penny abjagten, würden die Finanzämter mit „fragwürdigen“ Steuerarrangements der Multis nicht fertig, so die Ausschussvorsitzende Margaret Hodge. Die Behörden hätten zu wenig kompetente Mitarbeiter, die es mit den Multis aufnehmen könnten.
In einem Pamphlet des Gewerkschaftsverbands TUC über die „fehlenden Milliarden“ listete Steuerexperte Richard Murphy 16 Möglichkeiten auf, wie Großunternehmen legal Steuern vermeiden – durch „Offshoring“ von Profiten und die Wahl, wo Kosten, Verkäufe, Kredite oder Copyrights versteuert werden.

Oft drückt das Finanzamt bei den Praktiken beide Augen zu. Die Parlamentarier empörten sich etwa über „Kuschelabkommen“ mit Vodafone und Goldman Sachs: Der Telekomkonzern sparte dadurch sieben Milliarden Pfund, die US-Bank vermied mindestens zehn Millionen Pfund Steuern auf die Boni ihrer Banker.

Als die Abgeordneten beim Finanzamt nachfragten, kamen ausweichende Auskünfte. Dafür erfuhren sie, dass Behördenchef Dave Hartnett in zwei Jahren nicht weniger als 107-mal bei Wirtschaftsprüfern und Steueranwälten zum Essen weilte.

Der Aufruhr über die Steuermoral der Multis erschwert die geplante weitere Senkung der Unternehmensteuern. Sogar der Unternehmensverband CBI warnte jetzt vor dem „Rufschaden“ für Unternehmen durch Methoden der Steuervermeidung. In einer Kehrtwende stellt sich der CBI nun hinter die Einführung einer „General Anti-Avoidance Rule“ (GAAR), die solche Systeme pauschal verbietet.

Matthias Thibaut ist Korrespondent in London.
Matthias Thibaut
Handelsblatt / Korrespondent

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