Steuervergleich
Deutscher Staat ist nicht gierig

Die These vom "gierigen Staat" trifft auf Deutschland nicht zu. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) beträgt der Anteil der Steuern und Sozialabgaben 36,4 Prozent - und liegt damit in einer OECD-Studie dicht am Mittelwert für alle Industriestaaten. Auf eine Steuer setzt Deutschland im internationalen Vergleich besonders wenig.
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BERLIN. Das stellt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in ihrem internationalen Vergleich der Steuereinnahmen fest. Unter den 19 EU-Ländern, die auch OECD-Mitglieder sind, "haben nur Irland, die Slowakei, Griechenland, Spanien und Polen eine geringere Fiskalquote", heißt es in dem Report.

Der OECD-Vergleich widerlegt auch die weit verbreitete Auffassung, dass die Nachbarn Österreich und Schweiz deutlich weniger Wirtschaftsleistung von ihren Bürgern und Unternehmen vereinnahmen. Die österreichische Fiskalquote liegt mit 42,9 Prozent sogar deutlich höher.

In der Schweiz sieht sie mit 29,4 Prozent zunächst erheblich niedriger aus als in Deutschland. Allerdings relativiert sich der Eindruck, wenn man die in der Schweiz privatrechtlich organisierten obligatorischen Sozialbeiträge - etwa für die Krankenversicherung - einbezieht: Die Fiskalquote steigt dann bis knapp unter den OECD-Schnitt von 35,8 Prozent.

Eingeschränkte Vergleichbarkeit

Die OECD erhebt die Einnahmen aus Steuern und Sozialabgaben an öffentlich organisierte Träger nach einheitlichen Kriterien. Weil die Systeme sich in den einzelnen Staaten erheblich unterscheiden, weichen die Ergebnisse zum Teil stark vom jeweiligen nationalen statistischen Zahlenwerk ab. In Deutschland etwa liegen nach der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung die Einnahmen aus Steuern und Sozialabgaben um 115 Mrd. Euro höher als die 873 Mrd. Euro, die die OECD ermittelt hat. Der Grund ist, dass die OECD aus dem Steueraufkommen das Kindergeld, die Eigenheimzulage und die Investitionszulage herausrechnet: Diese Posten entsprechen der Steuerförderung von Familien und Wohneigentum in anderen Staaten - und mindern das Steueraufkommen.

Das Steuer- und Abgabensystem in Deutschland und Österreich ist geprägt durch einen hohen Anteil der Sozialbeiträge. In Deutschland ist die Sozialabgabenquote in den letzten Jahren leicht gesunken. Die OECD kritisiert jedoch weiterhin, dass hohe Einkommen durch die Beitragsbemessungsgrenze von Sozialabgaben entlastet werden, während niedrige Einkommen stärker durch Sozialbeiträge als durch Steuern gemindert werden. Dies ist in Frankreich anders: Dort wurde die Sozialabgabenlast von Geringverdienern in den letzten Jahren durch staatliche Zuschüsse gemindert. Gleichwohl sind Österreich und Frankreich weiterhin diejenigen Länder, in denen der Staat seine Einnahmen am stärksten aus Steuern und Abgaben auf das Arbeitsabkommen erzielt.

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  • Es ist die Verteilung der Steuerlast.Die Armen und die Mehrheit der beschäftigten zahlen prozentual,gemessen am Einkommen, mehr Steuern,als die Reichen in diesem Paradies für Millionäre.Das ist laut UNO-bericht so.Jeder Journalist der gegen die Wahrheit anschreibt,solte seinen Arbeitsplatz verlieren.Willkommen bei Hartz4.Dann gäbe es zehntausende freie Stellen für ihren berufsethos achtende Journalisten.

  • Der Artikel merkt richtigerweise an, dass Vergleiche schwierig sind. Sehe ich auch so. ich lebe in den USA und aergere mich taeglich darueber. Die Lohnsteuer ist geringer aber andere Steuern sind enorm hoch. ich zahle fuer ein ungenutztes Grundstueck $4000 pro Jahr. Diese Steuer ist unabhaengig vom Einkommen und macht es fuer Leute mit geringem Einkommen echt hart. Es werden Steuern und Gebuehren auf alles erhoben. Meine Stromrechnung oder meine Handyrechnung haben dutzende Posten. Gemeinden koennen Steuern auf alles erheben und tun das auch. in Denver kostet ein Mietwagen 29% mehr als der Vermieter berechnet. Und so weiter und so weiter. Dazu kommt, dass die Staaten kaum etwas bringen. Universitaeten kosten $10.000 oder mehr pro Jahr, Strassen, bruecken und Tunnel kosten haeufig eine Maut nur damit ein paar Kassierer in Abgasen ihren Lebensunterhalt von $10 oder weniger pro Stunde verdienen. Das gibt eine tolle Rente. Gesundheitskosten sind etwa doppelt so hoch wie in Deutschland, Versicherungen ebenfalls.

    Leute, seid froh dass ihr in Deutschland lebt!

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