Stichwahl
Elf Tote bei Bombenanschlag in Afghanistan

Die Wahlen in Afghanistan wurden von rund 150 Terroraktionen und einem Bombenanschlag überschattet. Trotz der Drohungen beteiligten sich rund 60 Prozent der wahlberechtigten Afghanen an der Präsidentenwahl.
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KabulDie Stichwahl um die afghanischen Präsidentschaft wird von einem weiteren Anschlag überschattet. Bei der Explosion einer am Straßenrand versteckten Bombe seien elf Menschen getötet worden, teilte der Gouverneur der nördlichen Provinz Samangan am Sonntag mit. Unter den Opfern seien auch Vertreter der Wahlbehörden. Der Anschlag ereignete sich am Samstagabend nach Schließung der Wahllokale.

Bereits im Laufe des Tages hatten Extremisten nach Angaben des Innenministeriums Hunderte Angriffe verübt. Sie setzten dabei unter anderem Sprengsätze und Raketen ein. Mindestens 20 Zivilisten starben, zudem wurden elf Polizisten und 15 Armeeangehörige getötet, wie das Ministerium mitteilte bevor der Anschlag in Samangan bekanntgegeben wurde. Dennoch war die Wahlbeteiligung hoch.

Ein vorläufiges Ergebnis der Abstimmung soll am 2. Juli vorliegen. Zur Wahl standen Ex-Außenminister Abdullah Abdullah und der frühere Weltbank-Experte Aschraf Ghani. Amtsinhaber Hamid Karsai durfte nach zwölf Jahren an der Macht nicht erneut antreten. Die Wahl gilt als Test, ob dem Land ein demokratischer Machtwechsel gelingt.

Bei einem anderen Vorfall schnitten Taliban-Kämpfer am Samstag in der Provoinz Herat im Westen des Landes elf Zivilisten die Finger ab, um sie dafür zu bestrafen, dass sie gewählt hatten, wie die Polizei mitteilte. Insgesamt waren am Samstag bei Anschlägen mindestens 50 Menschen ums Leben gekommen.

Zur Wahl standen der ehemalige Außenminister Abdullah Abdullah und der frühere Weltbank-Mitarbeiter und Finanzminister Aschraf Ghani Ahmadsai. Trotz der Drohungen beteiligten sich nach vorläufigen Berechnungen mehr als sieben Millionen Afghanen und damit 60 Prozent der Berechtigten an der Wahl, wie der Chef der Wahlkommission, Ahmed Jussuf Nuristani, sagte. Das wären ebenso viele wie in der ersten Runde.

Der Sieger der Stichwahl wird Präsident Hamid Karsai ablösen, der nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten darf. In der ersten Runde der Wahl am 5. April hatte Abdullah, halb Tadschike und halb Paschtune, 45 Prozent der Stimmen erreicht.

Der Paschtune Ahmadsai wurde mit 31,6 Prozent Zweiter. Ein vorläufiges Endergebnis wird für 2. Juli erwartet, in den kommenden Wochen soll es aber bereits Teilergebnisse geben. Das endgültige Ergebnis soll am 22. Juli stehen.

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