Stichwahl
Französischer Wahlkampf wird zur Schlammschlacht

Eine Woche vor der entscheidenden Stichwahl in Frankreich geht es im Wahlkampf um schmutziges Geld, frivole Parteipartys - und den ehemaligen sozialistischen Präsidentschaftsbewerber Dominique Strauss-Kahn.
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ParisVor der Stichwahl um das französische Präsidentenamt wird der Wahlkampf zunehmend zur Schlammschlacht. Amtsinhaber Nicolas Sarkozy warf den Unterstützern von Herausforderer François Hollande eine „infame“ Kampagne vor, nachdem Dokumente aufgetaucht waren, wonach Libyen Sarkozys Wahlkampf 2007 unterstützen wollte. Hollande musste sich derweil wegen einer Party mit dem skandalumwitterten Dominique Strauss-Kahn rechtfertigen.

Das Internet-Enthüllungsmagazin Mediapart hatte ein Dokument veröffentlicht, wonach Libyen bereit war, Sarkozys Wahlkampf im Jahr 2007 mit 50 Millionen Euro zu unterstützen. Darin ist von einer entsprechenden „Grundsatzvereinbarung“ die Rede. Ob das Geld tatsächlich geflossen ist, blieb offen.

Mediapart wurde das Dokument nach eigenen Angaben von früheren führenden Vertretern Libyens zugespielt. Das Schreiben sei 2006 an den ehemaligen libyschen Kabinettschef und Chef des Staatsfonds, Baschir Saleh, adressiert worden, der heute im Exil in Frankreich lebt. Salehs Anwalt teilte der Nachrichtenagentur AFP jedoch mit, Saleh habe das Dokument nie erhalten, zudem gebe es „große Vorbehalte“ hinsichtlich dessen Echtheit.

„Das ist infam, das ist eine Fälschung“, wies Sarkozy die Vorwürfe im Fernsehsender Canal+ zurück. Mediapart sei „für unlautere Mittel bekannt und eine Agentur im Auftrag der Linken“. Die Internetseite wurde von einer Gruppe linksgerichteter Journalisten gegründet und wird von gleichgesinnten Investoren gefördert.

Um die Finanzierung von Sarkozys Wahlkampf 2007 kursieren seit langem Gerüchte, wonach dabei illegale Gelder aus dem Ausland zum Einsatz gekommen seien. Mediapart berichtete dabei immer wieder über dubiose Beziehungen zu angeblichen Mittelsmännern.

Sollten sich die Vorwürfe bewahrheiten, müssten Sarkozy und sein Wahlkampfteam mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen.

In einem Interview mit dem „Parisien“ nannte Sarkozy die Enthüllung einen „Versuch“, von der jüngsten Wortmeldung des einstigen Hoffnungsträgers der Sozialisten, Strauss-Kahn, abzulenken. Die These, Sarkozy könne hinter dem Skandal um die vorgeworfene versuchte Vergewaltigung eines Zimmermädchens in einem New Yorker Hotel durch Strauss-Kahn stecken, sei „vulgär“.

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Strauss-Kahn dementiert Zeitungsinterview

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  • Die Umwegfinanzierung des Wahlkampfes von Herrn Balladur über den U-Boot-Deal mit Pakistan ist ja auch noch nicht vollständig aufgeklärt. Sein Wahlkampfsprecher damals: Herr Sarkozy.

  • Ist doch alles so rein garnix gegen diese obszönen Matsch Catching Schlachten hier in Österreich!

  • Aber Hallo Roland, alte schwarze Socke. Wahrlich wer so arbeitet, dür den kommt doch zu Lebzeiten noch ein erträglicherer Job heraus. Ich fürchte jedoch, die Propaganda, die Sie versuchen hier unters Volk zu streuen, sie läuft ins Leere.

    Menschen, die von Amts wegen oder auch nur als privater Unternehmer unterwegs sind, Erfolge aufweisen können, die man selbst nicht für möglich hält, dem muß doch an einer Stelle beizukommen sein. Hören Sie sich doch einmal in Kirchenkreisen um, was und vor allen Dingen wer weltweit Kichenasyl in Anspruch nehmen darf.

    In punkto der Affinitäten eines Gnomen und eines Strauss-Kahn, gehen Sie einfach mal davon aus, daß hier politische Weitsicht zur Erteilung eines ertragreicheren Jobs in internationalen Kanälen an den Tag gelegt wurden. Alleine die Sichtweise, wie und warum solche "Kleinigkeiten" auf den Weg gestreut wurden und menschlich jemand bei "lebendigem" Leibe regelrecht auf dem Altar der Politik geopfert wurde, hat eine neue Spielart der Festigung machtgeiler, personaler und personeller "Führer"-schein-Inhaber auf den Markt gebracht. Dazu paßt mal wieder die damalige Schlagzeile bestens: "HAIL BUSH". So geschehen im Jahre 1996 in der Washington Post. Solch eine Überschrift, der Größe wegen, wir haben sie jeden im Angesicht, wenn wir es zulassen.

    Ich begrüße die Reduzierung der Vormachtstellung solcher Personen, die auffallend weniger bis gar nicht als Inhaber eines "Führer"-Scheins geeignet sind. Bei Gnomen bedarf es ohnehin zusätzlich eingebauter, erhöhter Absätze, um einer angepaßten Politik im Lande, hier in La France, die Herrschaft über die Luft zu erhalten. Und da scheint, es schreit förmlich danach, die Geflechte von Intrigen auch zu nutzen. Täglich mehr.

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