Stichwahl
Guatemala steht am Scheideweg

Wenige Tage vor der Stichwahl um das Präsidentenamt in Guatemala hat sich der amtierende Vize-Präsident Eduardo Stein zu Wort gemeldet und die künftige Regierung auf die anstehenden Aufgaben eingestimmt: Der neue Staatspräsident müsse sich an seiner Strategie gegen Kriminalität und Mafia messen lassen – indes warnt die EU vor einem „Blutvergießen“

MEXIKO-STADT. Guatemala laufe Gefahr, sich in einen „Narco-Staat“ zu verwandeln, sagte Stein der Tageszeitung „Prensa Libre“. Den Präsidenten, der am Sonntag gewählt wird, fordert er zu „dramatischen“ Schritten auf. „Die Bekämpfung des Organisierten Verbrechens, das den Staat immer mehr unterwandert, gehört zu den größten Herausforderungen der neuen Regierung“, betonte der Vize-Präsident.

Die ungewöhnliche Wortmeldung ist nicht nur das Eingeständnis des eigenen Scheiterns, sondern belegt, wie groß die Hilflosigkeit des Staates angesichts der Herausforderungen ist. Gewaltkriminalität, Rauschgiftmafia, Jugendbanden, Armut, Lynchjustiz, korrupte Polizei und Justiz sind die Hauptsorgen nicht nur der Regierung, sondern auch der Bevölkerung. „Guatemala ist auf dem Weg zu einem gescheiterten Staat“, sagt Otto Pérez Molina, Kandidat der rechten „Patriotischen Partei“ (PP), der Guatemala mit der Anwendung der Todesstrafe und der Verhängung des Ausnahmezustands wieder auf den rechten Weg zurückbringen will (siehe „Wir wollen den Reichtum umverteilen“). Gegenkandidat Álvaro Colom von der sozialdemokratischen Partei UNE setzt hingegen vor allem auf die Bekämpfung der Armut durch Sozialmaßnahmen. In einer ersten Amtshandlung nach dem Sieg will er durch die Einstellung von Ärzten und Lehrern die Gesundheits- und Bildungssituation flächendeckend verbessern.

In den Umfragen liegen beide Kandidaten fast gleichauf. Viele Guatemalteken sympathisieren mit dem autoritären Programm von Pérez Molina, weil sie darin die einzige Chance sehen, der Gewalt Herr zu werden. Nach offiziellen Zahlen sind im vergangenen Jahr rund 6 000 Menschen in Guatemala ermordet worden.

Auf der anderen Seite fürchten Millionen von Guatemalteken die Gespenster des 36 Jahre langen Bürgerkriegs (1960 bis 1996), wenn der Ex-General an die Macht kommt. Pérez Molina, einst Chef des gefürchteten militärischen Geheimdienstes, war an der Ausarbeitung des Friedensvertrags beteiligt und unterzeichnete das Dokument für die Streitkräfte.

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