Stichwahl in Afghanistan Abdullah und Ghani zu Stichwahl bereit

In Afghanistan wird nach der Wahl fleißig gezählt und die Spannung ist groß. Noch ist möglich, dass Spitzenreiter Abdullah Abdullah die Hürde von 50 Prozent erreicht. Wenn nicht, winkt die Stichwahl.
Update: 21.04.2014 - 13:57 Uhr Kommentieren
Vielleicht reicht es für Ashraf Ghani Ahmadzai noch für die Stichwahl. Quelle: ap

Vielleicht reicht es für Ashraf Ghani Ahmadzai noch für die Stichwahl.

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KabulZwei Wochen nach der Präsidentenwahl in Afghanistan hat Ex-Außenminister Abdullah Abdullah den Vorsprung vor seinem Hauptkonkurrenten Aschraf Ghani deutlich ausgebaut. Nach Auszählung von knapp der Hälfte der Stimmen lag Abdullah bei 44,47 Prozent und damit gut elf Punkte vor Ghani, wie die Wahlkommission (IEC) bei der Vorlage von Teilergebnissen am Sonntag in Kabul mitteilte.

Für einen Sieg in der ersten Runde ist allerdings eine absolute Mehrheit notwendig. Sonst ist für den 28. Mai eine Stichwahl geplant.

Der frühere Finanzminister Ghani kam laut IEC auf 33,18 Prozent. Bei Vorlage der ersten Teilergebnisse eine Woche zuvor betrug Abdullahs Vorsprung nur gut vier Punkte. Sollte keiner der Kandidaten um die Nachfolge von Präsident Hamid Karsai mehr als 50 Prozent der Stimmen erhalten, treten die beiden Spitzenreiter gegeneinander an.

Abdullah sagte der Nachrichtenagentur dpa in Kabul, er halte es weiterhin für „gut möglich“, bereits in der ersten Runde zu gewinnen. Sollte es aber nicht dazu kommen, sei er zu einer Stichwahl bereit. Auch Ghani sagte am Montag: „Wir glauben weiterhin an den Sieg unserer Mannschaft und es macht nichts, ob dieser Sieg in der ersten oder der zweiten Runde kommt.“

Abdullah sagte, der festgestellte Wahlbetrug werde sich auf das Ergebnis auswirken, werde die Abstimmung aber nicht ungültig machen und auch an der Reihenfolge der Spitzenreiter nichts ändern. Nach Angaben der Wahlbehörde werden Stimmzettel aus 1400 der 21 000 Wahllokale wegen Betrugsvorwürfen und Unregelmäßigkeiten überprüft.

Die Erben Karsais
Hamid Karsai
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Präsident Hamid Karsai

Karsai, der seit dem Sturz des Taliban-Regimes Ende 2001 regiert, darf bei der Wahl an diesem Samstag nicht erneut antreten. Die Verfassung erlaubt nur zwei Amtszeiten. Acht Kandidaten wollen Präsident werden, der in Afghanistan wie in den USA zugleich Regierungs- und Staatschef ist.

Afghan Presidential elections last day of campaigning
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Abdullah Abdullah

Abdullahs Vater war ein Paschtune aus Kandahar, seine Mutter stammte aus dem Pandschir-Tal. Damit ist der 60-Jährige, der in der Hauptstadt Kabul geboren wurde, der einzige Halb-Tadschike im Rennen um den Präsidentenposten. Der Augenarzt war ein Vertrauter des legendären Nordallianz-Führers Ahmad Schah Massud, der gegen die sowjetischen Besatzungstruppen und später gegen die radikalislamischen Taliban kämpfte, bevor er 2001 ermordet wurde.

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Bis 2006 war Abdullah Außenminister unter Karsai. Bei der Präsidentenwahl vor fünf Jahren trat er gegen den Amtsinhaber an. Die Abstimmung wurde von massivem Betrug überschattet, der insbesondere dem Karsai-Lager angerechnet wurde. Karsai gewann die Wahl, verfehlte aber die absolute Mehrheit. Abdullah wurde zweiter. Vor einer geplanten Stichwahl zog sich Abdullah überraschend aus dem Rennen zurück, obwohl er ein ausgesprochener Karsai-Kritiker ist

Ghani
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Aschraf Ghani

Ghani wurde 1949 ebenfalls in Kabul geboren und studierte in den USA. Bis 2004 war er Finanzminister in Karsais Übergangsregierung. Auch Ghani trat 2009 gegen den Amtsinhaber an, landete aber mit nur drei Prozent der Stimmen abgeschlagen auf dem vierten Platz. In den vergangenen Wochen gelang es Ghani, zahlreiche Anhänger aus unterschiedlichsten Schichten zu mobilisieren.

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Ghani-Anhänger bei einer Wahlkampfveranstaltung: Der ehemalige Weltbank-Mitarbeiter liegt bei allen Auszählungen vorn.

Rassoul
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Salmai Rassoul

Der 72-Jährige ist mit der Familie des früheren Königs verwandt und war dessen Leibarzt. Bis 2010 war er Nationaler Sicherheitsberater in Karsais Kabinett, dann ernannte der Präsident ihn zum Außenminister. Im vergangenen Jahr trat er zurück, um als Präsident zu kandidieren. Rassoul besuchte die französische Schule in Kabul und studierte in Frankreich. Anders als Abdullah und Ghani setzt Rassoul auf Kontinuität, er will Karsais Politik fortführen. Unter den Favoriten war er bei Wahlkampfauftritten am wenigsten charismatisch.

Afghanische Präsidentschaftskandidaten
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Salmai Rassoul, Abdulla Abdullah und Aschraf Ghani (v.l.): Zwar hat Karsai öffentlich keinem der Bewerber seine Unterstützung zugesagt, Rassoul wird aber als bevorzugter Kandidat des Präsidenten gehandelt. Befürchtet wird, dass Karsai im Falle von Rassouls Wahlsieg im Hintergrund weiter die Strippen ziehen könnte. Rassoul ist der einzige unter den drei Favoriten, der eine Frau im Team hat: Sollte er siegen, würde die bisherige Provinzgouverneurin Habiba Surabi zweite Vizepräsidentin.

IEC-Chef Jusuf Nuristani sagte am Sonntag, die Wahlkommission versuche wie geplant, am Donnerstag ein vorläufiges Ergebnis der Wahl vom 5. April mitzuteilen. Ein amtliches Endergebnis ist für den 14. Mai vorgesehen. Davor muss die Wahlbeschwerdekommission (ECC) noch zahlreiche Beschwerden wegen Unregelmäßigkeiten überprüfen. Die ECC hatte Wahlbetrug in „nicht geringem Ausmaß“ bestätigt.

Den IEC-Angaben zufolge wurden bis Sonntag 3,45 Millionen oder 49,6 Prozent der Stimmen ausgezählt. Die Wahlbeteiligung war angesichts von Anschlagsdrohungen der Taliban überraschend hoch gewesen. Nach den IEC-Zahlen gingen rund sieben Millionen Menschen zur Wahl, gut zwölf Millionen Afghanen waren wahlberechtigt gewesen.

Die Wähler bereiteten der ersten demokratischen Machtübergabe in der Geschichte des Landes den Weg. Abdullah war bei der von Betrug überschatteten Wahl im Jahr 2009 Karsai unterlegen. Karsai regiert Afghanistan seit dem Sturz des Taliban-Regimes Ende 2001 und durfte nach der Verfassung nicht ein drittes Mal zur Wahl antreten. Abdullah (60) war bis 2006 Außenminister unter Karsai. Ghani (64) war bis 2004 Finanzminister in Karsais Übergangsregierung.

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