Stichwahl um Präsidentschaft
Brasilien entscheidet über Führung des Landes

Runde Eins der Präsidentenwahl in Brasilien Anfang Oktober brachte eine Überraschung: Der Konservative Aécio Neves schaffte es in die Stichwahl gegen Amtsinhaberin Dilma Rousseff. Heute zeigt sich, wer das Rennen macht.
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Rio de JaneiroBrasiliens Staatschefin Dilma Rousseff ist zwar als Favoritin in die Stichwahl um das Präsidentenamt gegangen. Dennoch muss sie am Sonntag stark um einen Wahlsieg zittern. Ihr Gegenkandidat aus dem Mitte-Rechts-Lager, Aécio Neves, lag zuletzt nach Umfragen in der Wählergunst nur knapp hinter der Amtsinhaberin. Die Stichwahl gilt als eines der knappsten Wahlrennen seit Jahrzehnten im fünftgrößten Land der Welt.

Die beiden Kandidaten hatten Anfang Oktober in der ersten Runde der Präsidentschaftswahl am stärksten abgeschnitten. Rousseff erhielt dabei 42 Prozent der Stimmen, Neves 34 Prozent. Die zunächst hoch gehandelte Ex-Umweltministerin Marina Silva war mit lediglich 21 Prozent ausgeschieden.

Die Wahllokale sollen am Sonntag gegen 20.00 Uhr Mitteleuropäischer Zeit schließen und das Ergebnis noch in der Nacht zum Montag vorliegen. In seiner letzten Umfrage sah das Meinungsforschungsinstitut Datafolha die linke Politikerin Rousseff am Samstagabend bei 52 Prozent der gültigen Stimmen. Neves kam danach auf 48 Prozent. Das Institut IBOPE sah es ähnlich. Dort kam die 66-jährige Rousseff auf 53 und ihr zwölf Jahre jüngerer Herausforderer auf 47 Prozent.

Brasilien ist Deutschlands wichtigster Handelspartner in Lateinamerika und Südamerikas wirtschaftliche Lokomotive. Allerdings kämpft das rohstoffreiche Land derzeit gegen ein schwaches Wirtschaftswachstum und eine hohe Inflation. Im Wahlkampf spielten Wirtschaftsthemen eine zentrale Rolle.

Der Mitte-Rechts-Kandidat Neves setzte auf ein liberaleres Wirtschaftsmodell und präsentierte sich in den vergangenen Wochen als „Kandidat des Wandels“. Rousseff verwies dagegen auf die bereits erreichten Verbesserungen für die ärmeren Bevölkerungsschichten. Sie will diese Politik fortsetzen. Mit einem neuen Mandat bis 2018 wäre ihre PT dann insgesamt 16 Jahre an der Macht.

Der Wahlkampf der seit 1. Januar 2011 regierenden Rousseff wurde auf den letzten Metern von einem massiven Korruptionsskandal um den staatlich kontrollierten Öl-Multi Petrobras überschattet. Auch die regierende Arbeiterpartei (PT) soll jahrelang illegal Schmiergelder von dem Konzern erhalten haben. Die PT-Politikerin wies vehement Behauptungen zurück, sie habe von dem Korruptionssystem gewusst – allerdings gestand sie die Unregelmäßigkeiten, die ihrer Partei genützt haben dürften, zuletzt ein.

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Korruptionsskandal überschattet Wahlkampf

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