Stichwörter
Fakten zur Wahl in Großbritannien

Tony Blair steht vor seiner härtesten Bewährungsprobe. Im deutschen Wahlsystem hätte er – da sind sich alle Meinungsumfragen einig – keine Chance, mit seiner Labour-Partei zum dritten Mal eine absolute Mehrheit im Parlament zu erreichen. Doch in Großbritannien ist manches anders, und das hat große Auswirkungen auf den Wahlkampf.

Der Wahltermin: Wahlen finden in Großbritannien spätestens alle fünf Jahre statt – den genauen Zeitpunkt darf die amtierende Regierung bestimmen. Blair hat gestern die Queen gebeten, das Parlament aufzulösen. Bis Ende der Woche werden nun noch etliche Gesetze durchgepeitscht, danach bleiben knapp vier Wochen für den offiziellen Wahlkampf. Doch tatsächlich richten sich die Briten schon seit Monaten auf den 5. Mai ein, und der Wahlkampf läuft bereits auf Hochtouren.

Der Wahlkampf: Er konzentriert sich auf die Bezirke, in denen es knapp werden könnte. Und auf die Mobilisierung der Stammwähler – denn 2001 rutschte die Wahlbeteiligung, die sonst um die 70 Prozent lag, unter die 60-Prozent-Marke. Eine niedrige Wahlbeteiligung würde vor allem Labour schaden.

Das Wahlsystem: Es ist leicht als ungerecht zu kritisieren, aber höchst effektiv. Denn es hat bisher noch fast immer einen klaren Sieger produziert. Die Briten müssen in der Wahlkabine nur ein Kreuz machen – für den Kandidaten, den sie ins Unterhaus schicken wollen. Wer die meisten Stimmen bekommt, ist gewählt. Die anderen Stimmen gehen verloren. Das verzerrt das Ergebnis. So reichten Labour bei der letzten Parlamentswahl 40,7 Prozent der Stimmen, um 62,5 Prozent der 659 Abgeordneten zu stellen. Die Konservativen erreichten mit 31,7 Prozent der Stimmen nur ein Viertel der Sitze. Doch am härtesten trifft es die Liberaldemokraten: Sie eroberten trotz 18,3 Prozent der Stimmen nur knapp acht Prozent der Sitze in Westminster.

Der Wahlbetrug: Die Briefwahl wurde vor vier Jahren erleichtert, um eine höhere Wahlbeteiligung zu erreichen. Doch vor kurzem befand ein Richter sechs Stadträte in Birmingham des organisierten Betrugs mit Briefwahlunterlagen für schuldig. Die Zahl der Briefwähler dürfte sich bei dieser Wahl deutlich erhöhen, und für Änderungen am Procedere ist es zu spät. Bei einem knappen Ausgang drohen Diskussionen über mögliche Betrugsfälle.

Quelle: Handelsblatt (dih)

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%