Stimmen zur US-Herabstufung
„Amerika muss bezahlen“

Nach der Herabstufung der US-Bonität melden sich Experten weltweit zu Wort. China droht, Deutschland rügt - und US-Präsident Obama erwähnt die Herabstufung in seiner Ansprache am Wochenende erstmal gar nicht.
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Washington, BerlinNach der Herabstufung der US-Kreditwürdigkeit verteidigt Präsident Barack Obama seine Finanzpolitik. Das jüngste Schuldenabkommen sei ein „wichtiger Schritt in die richtige Richtung gewesen, teilte das Weiße Haus am Samstag mit. Zugleich räumte Obama aber ein, das wochenlange politische Gerangel habe „zu lange gedauert und hat zeitweise zu viel Uneinigkeit gestiftet“. Obama rief zu mehr Einigkeit in der Sparpolitik auf, hieß es. Es war die erste Stellungnahme der Regierung nach der Herabstufung der US-Bonität am Freitag. Allerdings wurde diese nicht ausdrücklich genannt.

Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hatte erstmals in der Geschichte den USA die Bestnote „AAA“ entzogen und die Bonität auf „AA+“ abgestuft. Die Agentur begründete dies ausdrücklich mit dem jüngsten Schuldenabkommen. Die angepeilten Einsparungen reichten zur Finanzkonsolidierung nicht aus. Allerdings halten die beiden anderen großen US-Ratingagenturen Moody's und Fitch an der Bestnote fest.

Zugleich schließt S&P eine weitere Herabstufung der Kreditwürdigkeit der USA nicht aus. Sollten sich die Bedingungen in den kommenden sechs bis 24 Monaten verschlechtern, bestehe eine Wahrscheinlichkeit von 1:3,dass sein Unternehmen die USA eine weitere Stufe abwerte, sagte der geschäftsführende Direktor von S&P, John Cambers, am Sonntag in der ABC-Sendung „This Week“. Sollte sich die wirtschaftliche Situation in den USA verschlechtern oder sich die politische Pattsituation weiter verfestigen, sei eine erneute Herabstufung möglich, sagte Chambers.

Das löst schwere Sorge aus, dass der Schritt der ohnehin flauen US-Konjunktur weiter schaden könnte. Mit Spannung wird erwartet, wie die Finanzmärkte am Montag reagieren. Der Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Tom Mayer, rechnet nach der Herabstufung mit weiteren Kurseinbrüchen an den Börsen. „Schlechte Nachrichten sind immer unangenehm für Märkte“, sagte Mayer im Gespräch mit „Bild am Sonntag“. Er rechne zwar nicht mit einem weltweiten Börsencrash, aber: „Es könnte Verluste geben.“

Ungewöhnlich scharfe Kritik kam aus China. Die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua schrieb: „Amerika muss für seine Schuldensucht und das kurzsichtige politische Gezerre bezahlen.“ Als größter Gläubiger Amerikas habe China jedes Recht zu verlangen, „dass die USA ihre strukturellen Schuldenprobleme in den Griff bekommen und die Sicherheit chinesischer Dollar-Anlagen sicherstellen“.

Nach der Herabstufung der USA gibt es nur noch vier führende Industrienationen (G7) mit der Bestnote der Agentur: Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Kanada. Die Bundesregierung wollte sich am Wochenende nicht äußern.

Die Bonitätsabwertung könnte nach den Worten des stellvertretenden Unions-Fraktionschefs Michael Meister neben den USA die gesamte Weltwirtschaft in Bedrängnis bringen. „Das ist ein gewaltiger Einschnitt. Das wird massive Folgen haben“, sagte Meister am Samstag in einem Reuters-Interview. „Das bedeutet für den Haushalt der USA höhere Zinslasten. Das bedeutet, dass Zweifel in die Stabilität der Führungsmacht dieser Welt entstehen“, sagte er. Vertrauen in die USA gehe verloren. Ein Zinsanstieg werde das Wachstum der USA und das der Weltwirtschaft dämpfen. „Insofern ist das ein Vorgang, nach dem man nicht einfach zur Tagesordnung übergehen
kann“, sagte Meister.

Die politisch Verantwortlichen beider politischen Lager in den USA müssten nun an einer nachhaltigen Gesundung der Staatsfinanzen arbeiten. „Was geschehen muss, ist schlicht und ergreifend, dass die verantwortlichen Menschen in den USA trotz der Tatsache, dass da im nächsten Jahr Wahlen sind, stärker staatspolitische Verantwortung übernehmen müssen“, forderte der CDU-Politiker. Was in dem Land in Verbindung mit der Anhebung der Schuldenobergrenze in den letzten Wochen geschehen sei, sei nicht gut gewesen. „Ich glaube, jetzt ist ein Stadium erreicht, in dem die Verantwortlichen in den USA für ihr Land, aber auch als Führungsmacht Verantwortung weltweit übernehmen müssen“, unterstrich er.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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  • Wir sollten absolut nicht mit Steinen werfen. Das kann uns genauso passieren, wenn die Ratingagenturen mal zusammen-zählen, für wen und für wieviel wir inzwischen haften - z.B. sind wir bei jedem Ankauf der EZB mit ca 28% dabei. Da wir jedoch Schulden von ca 2 Bio € aufgehäuft haben (incl Pensionszusagen an die Beamten sind es doppelt soviele), kann jeder ausrechnen, was es kostet, wenn wir für die Finanzierung auch nur 1% p.a. mehr bezahlen müssen - 20 Mrd € p.a. sind mehr, als die neue, schicke Schuldenbremse erlaubt (ca 9,6 Mrd € Neuverschuldung ab 2016).

  • Die sogenannten Schwerverdiener spielen hierbei ja wohl kaum eine Rolle, denn sie arbeiten mit ihren Firmen dafür, dass Sozialhilfe-Empänger und die Armee ihren "Spaß" haben.

    Woher soll das Geld denn kommen, wenn nicht von denen, die noch den amerikanischen Traum leben? Etwa von den Sozialhilfe-Empängern?

    Amerika fehlt der Geist, der zuletzt mit der New-Economy sichtbar war.

  • ich weiß, dass ich das wohl nicht sagen darf. Aber wir leben dennoch in einer gerechten Welt. Irgendwann muss jeder mal Kassensturz machen. Und wie es aussieht, gerade die abgeordneten von der Tea-Party (???) sidn die Buhmänner, denn Sie verweisen zu Recht, dass es hier um die amerikanischen Ideale geht. Amerika, ein freies Land gerät in die Klauen von Schuldnern und Gläubigern.

    Wie soll ein Land frei sein, wenn seine Politiker erpreßbar durch die Gläubiger Staaten geworden ist.

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