Stimmt es, dass...
Riskieren die Griechen ihr Rettungsprogramm?

Was die wirtschaftliche Abwärtsspirale betrifft, steuert Griechenland auf einen traurigen Negativrekord zu. Hat das Land den Sparkurs mit zu wenig Elan umgesetzt - oder scheitert das Land an dem Sparprogramm selbst?
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Griechenlands Wirtschaft ist im Zuge der krise bereits um mehr als 15 Prozent geschrumpft. Ende 2013 werden es wohl realistisch betrachtet 25 Prozent kumulierter Produktionsrückgang sein, etwa so viel wie in der Weltwirtschaftskrise der 1930er-Jahre in Deutschland und den USA. Was in Deutschland weithin als Resultat einer verfehlten, allein auf Sparen ausgerichteten Wirtschaftspolitik von Reichskanzler Heinrich Brüning gesehen wird, passiert Griechenland, während es unter dem sogenannten Rettungsschirm EFSF steht. Das Land steuert auf einen Negativrekord unter den Industrieländern zu, was seine wirtschaftliche Abwärtsspirale angeht.

Für andere Länder wie Spanien ist das ein Fanal. Bloß nicht unter diesen Schirm, lautet die Devise. Denn die Kredite, die eine Regierung aus diesem Rettungsfonds bekommen kann, kommen mit sehr strikten Vorgaben für die Wirtschaftspolitik, die scheinbar wenig zur Rettung eines Landes beitragen.

Es fällt schwer, nach den Erfahrungen, die die Griechen gemacht haben, den Wählern dort klarzumachen, dass es andernfalls noch viel schlimmer gekommen wäre. Ihnen ist auf jeden Fall anderes versprochen worden. Die Idee war, dass es nach einer harten Sparanstrengung im nächsten Jahr langsam besser wird.

Als der Internationale Währungsfonds im Frühjahr 2010 zusammen mit EU-Kommission und Europäischer Zentralbank (EZB) das „Sanierungs“-Programm mit den Griechen aushandelte, sagte er noch für das laufende Jahr einen Produktionsrückgang von zwei Prozent voraus. Das wäre weniger als im Vorjahr gewesen. Am Ende waren es 3,5 Prozent. Für 2011 sagte er zunächst eine Schrumpfung um nur noch ein Prozent voraus. Am Ende waren es fast sieben Prozent. Für 2012 lautete die erste Prognose auf ein Prozent Wachstum, inzwischen steht sie bei fast fünf Prozent Schrumpfung. 2013 soll sich die griechische Wirtschaft aber endlich stabilisieren.

Wenn sich der Abstand zwischen erster und letzter Prognose entwickelt wie bisher, droht stattdessen auch 2013 noch einmal ein massiver Einbruch. Kein Wunder, dass die griechischen Wähler die Traufe, als die sich der Rettungsschirm für sie herausgestellt hat, lieber wieder gegen den Regen eintauschen wollen.

Es liegt nahe, die Schuld bei den Griechen zu suchen, weil sie das Spar- und Reformprogramm nicht mit ausreichendem Elan umgesetzt haben. Aber so sehr können sie nicht gefehlt haben, haben ihnen doch IWF, EZB und Kommission vierteljährlich ausreichende Umsetzung bescheinigt. Es muss wohl doch daran liegen, dass allzu rigide Sparpolitik in einer Krise diese nicht löst, sondern verschlimmert.

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent

Kommentare zu " Stimmt es, dass...: Riskieren die Griechen ihr Rettungsprogramm?"

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  • Es geht doch nicht um das Sparen. Es ist ein Ende der utopischen Verschwendung erzwungen worden, in dem man den Geldhahn zugedreht hat. Die utopische Verschwendung bestand in viel zu hohen Bruttogehälter und rund 100.000 Rentenbescheide die auf Betrug basierten. Geld muss in Investitionen fließen und nicht in Konsum, der meist in China gekauft wird. Griechenland hat Potential für Windkraft und kann so Devisenausgaben vermeiden.

  • Auch die faschistoiden Römer konnten den Griechen nie das Wasser reichen. Cicero musste es seinen ungebildeten Landsleuten recht machen. Im Grunde war er wie Hadrian durch und durch 'Hellene'.
    Kennt ihr eigentlich einen 'römischen' Mathematiker, Architekt, Arzt, Astronom, irgendeinen Intellektuellen, der nicht bei den Griechen studierte? Aber der Einzug des Christentum, eine griechische Religion, hat uns Hellenen die Flügel gebrochen. 'Graecia capta ferum victorem cepit et artes - intulit agresti Latio' Nun packt Hellas Europa bei den Hörnern :-))))

  • In Ergänzung:
    http://www.youtube.com/watch?v=r4crr-kX9zc

    http://www.bundestag.de/bundestag/plenum/abstimmung/20110929_euro.pdf

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