Stimmungslage auf der Krim „Wir gehören zu Russland“

Die Lage auf der Krim wird für die Bevölkerung zur Nervenschlacht. Sie fürchten, dass „Verrückte den Finger zu locker am Abzug haben“. Den Einmarsch der Russen verurteilt aber kaum jemand. Ein Rundgang durch Sewastopol.
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Dieses Foto lässt Handelsblatt-Korrespondent Helmut Steuer nach seiner Ankunft in Sewastopol von sich machen.

Dieses Foto lässt Handelsblatt-Korrespondent Helmut Steuer nach seiner Ankunft in Sewastopol von sich machen.

Sewastopol„Für mich macht das keinen Unterschied, wer hier regiert“, sagt Dimitri. Der Taxifahrer aus Sewastopol, der größten Stadt der Krim, die zugleich Stützpunkt der russischen Schwarzmeerflotte ist, spricht vermutlich vielen auf der Halbinsel aus dem Herzen. Knapp 60 Prozent der Menschen hier sind ethnische Russen, nur rund ein Viertel Ukrainer. Kein Wunder also, wenn viele Menschen die weltweite Aufregung über den russischen Einmarsch nicht richtig nachvollziehen können.

Angst machen ihnen nicht russische Soldaten oder Freiheitskämpfer, wie sich einige Verbände nennen, sondern die angespannte Lage. „Da braucht nur jemandem die Nerven durchzugehen, und wir haben Krieg“, sagt ein pensionierter ukrainischer Militär. Er hat schon Einiges in seinem Leben erlebt. Jetzt habe er wirklich wieder Angst, dass „Verrückte den Finger zu locker am Abzug haben“.

Tatsächlich besteht die Gefahr eines unvorhersehbaren Zwischenfalls, der die inzwischen wieder eingekehrte Ruhe schlagartig beenden könnte. So etwa in Belbek, dem kleinen ukrainischen Luftwaffenstützpunkt außerhalb Sewastopols. Dort stehen sich russische und ukrainische Soldaten direkt gegenüber. Die einen fordern die Räumung des Stützpunktes, die anderen den Abzug der Soldaten aus dem Nachbarland. Ein falsches Wort, eine falsche Bewegung, und die Lage könnte ganz schnell wieder explosiver werden.

Das ist sie derzeit nicht. Nicht in Simferopol, dem Verwaltungssitz der autonomen Republik Krim und auch nicht in Sewastopol. In Simferopol ist die Lage etwas gespannter, da hier die russische Präsenz deutlich sichtbarer ist. Im Stadtzentrum fuhren am Sonntag noch hier und da russische Militärtransporter. Die russische Flagge am Regierungssitz signalisiert jedem, wer jetzt hier Herr im Hause ist.

In der größten Stadt der Halbinsel, in Sewastopol, ist dagegen wieder so etwas wie normaler Alltag eingekehrt. In der 380.000-Einwohner-Metropole waren am Montagnachmittag keine russischen Militärfahrzeuge zu sehen. In den Tagen zuvor offenbar auch nicht. Denn: „Panzer hatten wir hier nie“, sagt Oleg, Kellner im kleinen Hafenrestaurant Barkas. Vielmehr herrscht in den Einkaufsstraßen reges Treiben. Keine Hamsterkäufe wie direkt nach Ausbruch der Krim-Krise in den östlichen Landesteilen der Ukraine, sondern normale Montagseinkäufe.

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9 Kommentare zu "Stimmungslage auf der Krim: „Wir gehören zu Russland“"

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  • Im Osten des Landes sitzen die Oligarchen,mit ihren geraubten Schätzen.
    Sie wissen wie Putin mit den Jelzin-Günstlingen umgegangen ist.Sie fürchten die harte Hand Putins,bei Beitritt zur eurasischen Union.Lieber setzen sie auf die EU.Sie sehen ja am Beispiel Griechenlands und Zypern,dass deren Oligarchen, selbst in den schlimmsten Krisen, verschont bleiben.

  • Die Ukrainer müssen einsehen, dass die Einbindung ihres heutigen Staatsgebildes in die EU völlig unrealistisch ist. Ein derartiger Anschluss wäre nicht nur gegen die Interessen Russlands, sondern auch gegen den offensichtlichen Willen der Bevölkerung im Osten der Ukraine gerichtet. Auch für die EU wäre eine Aufnahme völlig unverkraftbar, hat sie doch mit den südeuropäischen Schuldenländern und der voreiligen Aufnahme von Rumänien und Bulgarien selbst einen Mühlstein am Hals, der sie jederzeit ertränken kann.

  • Russland hätte einen besseren Standtpunkt, wenn die östlichen Regionen in der Ukraine verbleiben. Diese sind sowieso näher an Russland, was die Beziehung beeinflusst.
    Und wenn Ukraine föderal wird können die ukrainischen Russen auch das Politische leben mitbestimmen.

    Die rechten Tendenzen sind ja verständlich (Unabhängigkeit, eigene Sprache) und leider gibt ihnen die wirtschaftliche Lage genug Nährboden.Was man natürlich ändern kann.

    Die Busreisen der PR-statisten, werden natürlich auch von den Vorortlebenden ja auch nicht übersehen. Außerdem sie gute Beziehungen zu Russland gewollt, aber nicht unter deren Handführung.

    Eine Aktion a la Georgien wird aber die Beziehungen Russlands nachhaltig auf Jahrzehnte verschlechtern.
    Profitöre sind wohl nur die nicht direkt beteiligten.
    Ich sehe nur die kooperation als einzig wahre Lösung.

    Wenn Russland helfen will und das Gesicht wahren will, sollen die doch die Militanten dort entwaffnen.

    Natürlich kann man auch deren bedenken auch nach vollziehen, wenn man an die Ukrainische Befreiungsarmee in der Zeit von 1930-1960 denkt.
    Wenn es den Leuten aber besser gehen wird, werden die Nationalisten auch an Bedeutung verlieren.

  • Sehr geehrter Herr Antiillusionist Mir ist durchaus klar das man russische Uniformen einfach kaufen kann, wie das auch der Herr Putin bei der Pressekonferenz gesagt hat. Ein paar Fragen bleiben dennoch.
    1. Warum gleichen diese "Freiheitskämpfer" wie ein Ei dem anderen. Haben die alle gleichzeitig im gleichen Geschäft eingeksuft? Muss ja ein guten Mengen Rabatt gegeben haben.
    2. Wocher zum Teufel haben die russische Waffen und Militärfahrzeuge? (Und es gibt ein unterschied zwischen ukrainidchen und russischen waffen, auch wenn beide kalaschnikow haben).
    Im Internet gibt es schon ein paar Videos wo die uniformierte "Freiheitskämpfer" (und zwar außerhalb der der zugeteilten Zonen der Schwarzmeerflotte) zugeben dass sie Teile der regulären russischen Armee sind. Wenn Sie russisch verstehen kann ich gerne die links zusenden.

    Seien Sie bitte nicht so naiv!

  • Wie zynisch Putin ist sieht man daran wie er zulässt, dass verzweifelte hunderte Reporter aus aller Welt auf der Krim jeden Stein umdrehen um einen Russenfeind auszugraben. Auch bei uns im Staatsfernsehen merkt man an den Fragen schnell, wie süchtig man auf Sensationen ist. Aber die Reporter können nichts liefern es sei denn man inzeniert mit Geld selber ein Ereignis. Die Amerikaner laufen langsam Amok und Angela Merkel zeigt als Abgehörte tiefe Zuneigung zu den Abhörern und lässt sich einbinden gegen die eigene Schuld, die Bürger der Ukraine gegeneinander aufzubringen. Mit Steinmeier haben
    wir zumindest Glück wenn er weiter auf Frieden setzt und nicht in Panik gerät. Er ist der einzige Sozialdemokrat der mit gefällt als Außenminister. Mit Westerwelle möchte ich nicht wissen wie Ernst die Lage durch ihn heute wäre. Man kann nicht anderes sagen , dass die Kriegshetzer diesmal aus dem Westen kommen. Deutschland
    sollte aus der Ukraine lernen. Bei uns werden die Politiker nicht so gut wegkommen, wenn sich erst einmal 100 Nationen gegenüber stehen. Politik ohne Teilnahme der Bürger wird immer eines Tages in Gewalt ausarten.

  • Wir gehören zu Russland
    -----------
    Wenn das die Bewohner der Krim meinen, sollen sie sich doch an "Mütterchen Russland" angliedern.

    Aber anscheinend haben sie noch nicht verwunden, das der "große Ukrainer Nikita Chruschtschow", nachdem er sowjetischer Parteichef geworden war, die Krim 1954 an die Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik angegliedert.
    Und auch Warlord Putin hat es noch nicht verwunden. Er will die Krim "heim ins Reich" holen, Auch mit militärischer Macht.

  • Zitat : Die Lage auf der Krim wird für die Bevölkerung zur Nervenschlacht.

    - Die Krim ist eigentlich im Konflikt um die Ukraine ein absoluter Nebenkriegsschauplatz !

    Die Entwicklung in der Ukraine selbst ist eigentlich sehr besorgniserregend !

    Davon spricht der sogenannte "Westen" erst gar nicht....weil er ahnungslos ist.

    Die versprochenen Milliarden sind ein Tropfen auf den heissen Stein....und vorerst auch nur leere Sprechhülsen.

    Die Ukrainer werden vom Westen und den Amis verar**** !

  • Soll das Volk der Krim abstimmen , wenn die Unabhängig von der Ukraine und Russland sein wollen . Soll es so sein . Mit der Schwarzmeerflotte brauch Russland die Krim . Es ist ein dickes Eisen " Schwert " in der Hand der Krim .

  • Sehr geehrter Herr Steuer,

    mehrfach sprechen Sie in Ihrem Bericht von einem russischen "Einmarsch" auf der Krim.

    Ihnen dürfte sicherlich bekannt sein, dass die russischen Marinesoldaten auf der Krim dort auf Grund eines Stützpunktvertrages mit der Ukraine, also vollkommen legal, stationiert sind.

    Ihnen dürfte ebenfalls bekannt sein, dass die 16.000 Soldaten, von denen in diesen Tagen gesprochen wird, weniger als die 25.000 Soldaten sind, die Russland laut Stützpunktvertrag erlaubt sind. Was ist an diesen 16.000 Soldaten ein "Einmarsch"?

    Wenn Sie auf die bewaffneten Uniformierten anspielen, die auf der Krim strategisch wichtige Punkte sichern, so dürfte Ihnen weiter bekannt sein, dass Putin auf seiner heutigen Pressekonferenz (man konnte sie auf RT live miterleben) bestritten hat, dass es sich dabei um russische Soldaten handelt. Er nannte sie Selbstverteidgungskräfte der Krim.

    Als seriöser Journalist in einem seriösen Medium sollten sie, wenn Sie denn behaupten, dass es sich dabei tatsächlich doch um russische Soldaten handelt, dass also Putin nicht die Wahrheit gesagt hat, Tatsachen und Belege vorlegen können. Dies sind Sie bisher schuldig geblieben.

    Behaupten kann man viel. Ein seriöser Journalist sollte seine Tatsachenbehauptungen belegen. Worin bestünde sonst der Unterschied zwischen der Web-Site des Handelsblatts und irgendwelche obskuren Verschwörungstheorieplattformen?

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