Strafe für Deutschland gefordert
Teheran keilt wegen Dresden-Mord gegen Berlin

Die Ermordung einer Ägypterin in einem Gerichtsaal in Dresden sorgt für diplomatischen Ärger. Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad reagierte mit großer Empörung und forderte eine Verurteilung Deutschlands durch die Vereinten Nationen. Die Bundesregierung wies die Vorwürfe scharf zurück.

HB TEHERAN. „Der Richter, die Jury und die deutsche Regierung sind in dieser Hinsicht alle Verbrecher, die dafür verantwortlich gemacht werden müssen“, wurde Ahmadinedschad am Sonntag auf der Internet-Seite des staatlichen Rundfunkkanals Irib zitiert. „Wir wollen, dass der Uno-Sicherheitsrat sie bestraft“, erklärte Irans Präsident weiter. Dem Westen warf Ahmadinedschad vor, beim Thema Menschenrechten mit zweierlei Maß zu messen.

Der iranische Justizchef Ajatollah Mahmud Haschemi-Schahrudi bezeichnete den Vorfall im Dresdner Landgericht als "Schande“ für die deutsche Justiz. Es sei unfassbar, dass in einem Gericht, das der sicherste Ort für alle sein sollte, eine Frau so einfach zerstückelt werde, sagte er im iranischen Staatsfernsehen. Der Ajatollah warf der Bundesregierung vor, die Tat zehn Tage lang geheim gehalten zu haben. „Für diese Schande muss dem Richter und den anderen involvierten Personen (Polizeibeamte) der Prozess gemacht werden“, forderte er.

Die Bundesregierung wies die Vorwürfe scharf zurück. Eine Mitbeteiligung Deutschlands an dem Vorfall könne sehr deutlich verneint werden, sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm. Die Bundesregierung tue seit Jahren alles, damit solche Taten in der Bundesrepublik keinen Nährboden fänden. „Wir ächten, wir verurteilen solche Taten, wo immer sie auftreten.“

Anfang des Monats war eine 31-jährige schwangere Ägypterin während einer Gerichtsverhandlung in Dresden vom Angeklagten in einem Berufungsprozess mit 18 Messerstichen getötet worden. Der Mann hatte die in Dresden lebende Frau nach Angaben der Staatsanwaltschaft als „Islamistin“, „Terroristin“ und „Schlampe“ verunglimpft, als sie ihn auf einem Spielplatz bat, die Schaukel für ihren Sohn frei zu machen. In dem Gerichtsverfahren trat sie als Zeugin auf.

Der Tod der Frau hat in mehreren muslimischen Ländern Proteste ausgelöst, bei denen Deutschland Diskriminierung von Muslimen vorgeworfen wurde. In Teheran demonstrierten am Sonntag rund 150 Jugendliche vor der deutschen Botschaft gegen die Tat. Am Samstag warfen Demonstranten Eier auf den Eingang der Botschaft und riefen: „Tod für Deutschland“. Am gleichen Tag kamen in Dresden Hunderte Bürger zu einer Trauerfeier zusammen.

Vor dem Dresdner Rathaus verharrten Deutsche und Ausländer in einer Schweigeminute. Einige Frauen weinten, andere hielten Plakate hoch mit Parolen wie „Rassismus tötet“ und „Wir sind gegen Terror, stoppt die Hetze gegen den Islam“. Viele hatten eine weiße Rose als Zeichen der Mahnung in der Hand, die sich dann unter dem Foto der jungen Frau häuften.

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