Strafsteuer auf Boni
Großbritannien bittet Banker zur Kasse

Großbritannien bekommt seinen durch die Finanzkrise gebeutelten Haushalt nicht in den Griff und muss in diesem Jahr mehr Schulden aufnehmen als geplant. Doch die Labour-Regierung hat eine neue Finanzierungsquelle aufgetan: Sie will künftig die Boni von Bankangestellten besteuern und erzürnt damit Barclays. Die Bundesbank forderte für Deutschland rasch neue Boni-Regeln, lehnt das britische Gesetz aber ab.
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mm/HB LONDON/DUBLIN/HORSHAM. Nach Wochen erbitterter Auseinandersetzungen um die milliardenschweren Ausschüttungen der Banken an ihre Mitarbeiter, macht die britische Labour-Regierung ernst und verhängt eine einmalige Strafsteuer von 50 Prozent auf alle Boni über 25 000 Pfund, die in diesem Jahr in der Londoner City fällig werden. Das ist die bislang härteste Maßnahme in einem großen Industrieland gegen die umstrittene Bonuskultur der Banken.

Die Steuer, die an dem Bonuspool ansetzt, den die Institute für ihre Mitarbeiter bilden, soll insgesamt 550 Mio. Pfund einbringen, und wird nicht nur britische Banken sondern auch die Niederlassungen ausländischer Geldhäuser in der City betreffen. Die Einnahmen will die Regierung unter anderem zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit verwenden.

Finanzminister Alistair Darling geht davon aus, dass die neue Steuer etwa 20 000 Banker erfassen wird. Vor kurzem schätzte die Labour-Regierung, dass rund 5 000 Geld-Manager in der City in diesem Jahr einen Bonus von mehr als einer Mio. Pfund kassieren werden. Insgesamt gehen Experten davon aus, dass die Londoner Banken nach der rasanten Erholung seit dem vergangenen Frühjahr für die vergangenen zwölf Monate sechs Mrd. Pfund an ihre Mitarbeiter ausschütten werden, das wäre doppelt so viel wie im Krisenjahr 2008. Die Strafsteuer soll eine einmalige Angelegenheit bleiben, die Darling damit rechtfertigt, dass alle Banken in diesem Jahr von den insgesamt 850 Mrd. Pfund an Staatshilfen für die Rettung des Finanzsystems profitierte hätten. Ohne diese beispiellose Stützungsaktion wären die hohen Gewinne dieses Jahres nicht möglich gewesen.

Darlings Pläne hatten bereits im Vorfeld wütende Proteste aus der Finanzbranche ausgelöst. Die British Bankers Association verdammte die Steuer als "populistische Strafaktion", die die Wettbewerbsfähigkeit Londons als Finanzzentrum gefährde. Eine Reihe von Instituten habe das Land bereits verlassen, warnt der Branchenverband. Die britische Großbank Barclays hatte die Steuer bereits am Vortag scharf kritisiert. Die Pläne stünden nicht im Einklang mit den von der Finanzbranche akzeptierten Beschlüssen des G20-Gipfels im vorigen Jahr, sagte Barclays-Präsident Bob Diamond bereits am Dienstag, nachdem die geplante Boni-Besteuerung aus Regierungskreisen durchgesickert waren.

Die Labour-Regierung hofft dagegen, dass die Strafsteuer, weil sie nur für dieses Jahr erhoben werden soll, nicht zu einer Massenflucht ausländischer Institute führen wird. Nach Informationen aus Finanzkreisen arbeiten die Banken aber bereits an Ausweichstrategien. So könnten beispielsweise die Verträge von Londoner Bankern, die bei ausländischen Instituten arbeiten auf die internationalen Mutterkonzerne umgeschrieben werden, um der Bonussteuer zu entgehen. Außerdem denkt eine Reihe von Banken darüber nach, die Fixgehälter zu erhöhen, und dafür geringere Boni zu bezahlen.

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