Strafzölle
Handelsstreit zwischen USA und China eskaliert

Der Drache schlägt zurück: Nachdem Washington drastische Schutzzölle auf Reifenimporte aus China verhängt hat, will Peking nun Hühnerfleisch und Autoteile aus den USA von der Welthandelsorganisation (WTO) prüfen lassen.

PEKING. Die US-Exporte kämen zu Schleuderpreisen auf Chinas Märkte, so das Pekinger Handelsministerium, wo sie für "unfairen Wettbewerb" sorgen würden. Peking vermied am Montag jedoch deutlich, von "Vergeltung" oder gar "Rache" zu sprechen.

Durch die US-Strafzölle von bis zu 35 Prozent auf chinesische Reifen werden nach Angaben der staatlichen Agentur Xinhua 100 000 Arbeiter in der Volksrepublik ihre Jobs verlieren. Chinas Reifenindustrie gehen nach Schätzungen Exporte im Wert von 1,8 Mrd. Dollar verloren. Zhou Shijian, Experte für chinesisch-amerikanische Beziehungen an der Tsinghua Universität, schätzt die von China eingeleiteten Gegenmaßnahmen auf ein ebenfalls knapp zwei Mrd Dollar.

Der neue Handelskrieg zwischen den USA und China bedeutet einen Rückschlag für die zuletzt wieder deutlich verbesserten Beziehungen zwischen Washington und Peking. Der Streit könnte das G20-Treffen Ende September in Pittsburgh trüben, wo US-Präsident Barack Obama auch Chinas Staaspräsident Hu Jintao empfangen wird. Im November will Obama zudem seinen Antrittsbesuch als US-Präsident in China machen.

In scharfem Ton hatte das Pekinger Handelsministerium am Wochenende gegen den "ernsten Handelsprotektionismus" der USA protestiert. Alejandro Jara, stellvertretender WTO-Generaldirketor, hatte auf dem Weltwirtschaftsforum im ostchinesischen Dalian beide Seiten aufgefordert, den Streit möglichst beizulegen. Jeder neue Strafzoll sei "keine gute Nachricht", sagte Jara.

Ebenfalls in Dalian hatte Chinas Regierungschef Wen Jiabao versichert, China werde keine protektionistischen Hürden aufbauen, um heimische Industrien zu schützen. Dennoch wird befürchtet, dass der Streit zwischen den Wirtschaftsmächten eine neue Welle protektionistischer Maßnahmen nach sich ziehen könnte. Das würde der Erholung der Weltwirtschaft aber eher schaden.

Der "Schatten des Protektionismus" tauche in der chinesichen Wirtschaft bereits überall auf, hatte die EU-Handelskammer in Peking Anfang September festgestellt. Laut Angaben der Kammer verlieren EU-Firmen in China durch Pekings Handelsbarrieren bereits Aufträge im Wert von 21 Mrd. Euro jährlich.

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