Straßenbahnen in den USA
Zurück vom Abstellgleis

US-Metropolen kämpfen mit Mega-Staus und Smogglocken. Kein Wunder, denn der öffentliche Nahverkehr in den USA gilt als der schlechteste der industrialisierten Welt. Das soll anders werden. Nur wie?
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San FranciscoAusgerechnet Los Angeles. Keine andere als die in den 1960er Jahren von unglaublicher Luftverschmutzung heimgesuchte Stadt der Engel hatte in den 1920er Jahren noch das dichteste und effizienteste elektrische Nahverkehrssystem der Welt. Über mehr als 2400 Kilometer erstreckte sich das Schienennetz der Pacific Electric mit ihren mächtigen roten Straßenbahnen von San Bernadino bis nach San Fernando. Dazu kam noch die Los Angeles Railway Yellow Car. In den 60er Jahren war davon nichts mehr übrig. Es gab nur noch Busse, Autoabgase und die berühmt-berüchtigte ewige Smogglocke über der Stadt. Der Highway von Downtown nach Santa Monica trägt wegen der 24-Stunden-Dauerstaus auf der sechsspurigen Autobahn noch heute den Spitznamen „größter Parkplatz Kaliforniens“.

Nach einer Studie der National Oceanic and Atmospheric Association hatte sich bis 2012 dank besserer Katalysatoren und bleifreiem Benzin der Verschmutzungsgrad der Luft zwar gegenüber den 1960er Jahren halbiert. Er liegt damit aber noch immer höher als in anderen amerikanischen Großstädten.1990 startete mit riesigem finanziellem Aufwand die Wiederbelebung des Metro-Systems in L.A.. Doch es geht nur zäh voran. Gerade mal sechs Linien und 141 Schienenkilometern umfasst es heute. Die wenigen U-Bahn- und Straßenbahnzüge, zur Rush-Hour fast ständig überfüllt, liefern japanische Unternehmen und die deutsche Siemens.

Siemens wird bis 2018 auch 175 Straßenbahnen an San Francisco in Nordkalifornien liefern. Mit 648 Millionen Dollar ist es der größte Auftrag für Siemens-Straßenbahnen in den USA, und ein Meilenstein für die Renaissance des öffentlichen Nahverkehrs der USA. Gerade fressen sich die Tunnelbohrmaschinen vom Trendviertel SoMa nach Chinatown voran. Die Transportbehörde der Stadt erwartet einen Massenansturm auf die kommende T-Line. Sie werde, so ein Sprecher, in 16 Jahren eine der meistgenutzten Bahnlinien in den USA sein und das Chaos der von Bussen verstopften Innenstadtstraßen lindern. Aber es hätte noch schlimmer kommen können. Anders als in Los Angeles, Oakland oder San Jose war die Stadt mit ihren eigenwilligen und störrischen Einwohnern damals noch einmal davon gekommen, als der „Great American Streetcar Scandal“ den kalifornischen Nahverkehr auf Schienen praktisch auslöschte. Sieben Bahnlinien waren Ende der 50er Jahre übriggeblieben. Darauf baut die Stadt an der Bucht langsam auf.

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