Straßenmaut
Briten durchkreuzen Labours landesweite Maut

Doch nun ist der Versuch, Städte und Regionen mit finanziellen Lockgeboten zur Einführung von Mautzonen zu bringen, gescheitert. Geplante Projekte in Cambridge, Bristol und Leeds dürften zurückgezogen werden. 1,8 Mrd. Pfund, die bereits in einem "Innovationstopf" angesammelt wurden, werden laut Verkehrsministerium nun umgewidmet.

Anfang 2007 hatten 1,7 Mio. Briten eine Petition gegen eine landesweite Straßenmaut unterzeichnet. Londons Bürgermeister Boris Johnson kündigte im November nach einer Bürgerkonsultation die Abschaffung der Westerweiterung der Londoner Mautzone an. Londons Citymaut galt einst als weltweite Pioniertat. Doch im August räumte ein Bericht der Verkehrsbehörde "Transport for London" ein, dass das Projekt wenig bringt. Autofahrer bezahlen jährlich 268 Mio. Pfund (206 Mio. Euro) an Strafen und Gebühren, doch der Verkehr fließt so stockend wie im Jahr 2002, vor der Einführung.

Laut Bürgerinitiativen gegen Straßenmaut nimmt die Regierung den britischen Autofahrern jährlich 47 Mrd. an Steuern und Gebühren ab, von denen nur sieben Mrd. in Verkehrsprojekte fließen. Die RAC-Foundation ging scharf mit dem seit einem Jahrzehnt vernachlässigten Straßenbau ins Gericht. Auch beim Ausbau des Schienennetzes wird Labour fehlende Visionskraft vorgeworfen. Über die Finanzierung der Londoner "Crossrail S-Bahn" wurde zehn Jahre gestritten. Tories und Verkehrsexperten fordern ein neues Hochgeschwindigkeitsschienennetz. Doch Labour-Premier Gordon Brown schreckte in seinen Jahren als Schatzkanzler vor solchen Großprojekten immer wieder zurück.

Matthias Thibaut ist Korrespondent in London.
Matthias Thibaut
Handelsblatt / Korrespondent
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