Straßenschlachten
Demonstranten in Thailand beenden Blockade

In Thailand haben die regierungsfeindlichen Demonstranten die fast dreiwöchige Besetzung des Regierungssitzes beendet. Zuvor hatten die Straßenschlachten zwischen Regierungsgegnern und Einheiten der Armee in Bangkok zwei Tote und Dutzende Verletzte gefordert und die Furcht vor einem Militärputsch in Thailand genährt.

NEU-DELHI. Es war zu sehen, wie die rot gekleideten Gegner von Ministerpräsident Abhisit Vejjajiva am Dienstag von dem Gelände seines Amtssitzes in Bangkok strömten. Zuvor hatte ein Anführer der Proteste erklärt, es gebe Verhandlungen mit dem Militär, wie ein sicherer Abzug der Demonstranten gewährleistet werden könne. Nach Ausschreitungen in der thailändischen Hauptstadt am Montag war der Regierungssitz von hunderten Soldaten umstellt worden.

Zwei Männer im Alter von 19 und 54 Jahren starben, als Protestierende nach Regierungsangaben in der Nähe einer Demonstration auf Anwohner feuerten. Rund 10 000 Demonstranten blockierten zentrale Kreuzungen der Stadt und den Regierungssitz. Sie forderten den Rücktritt von Premierminister Abhisit Vejjaajiva, dem sie vorwerfen, auf undemokratischem Weg an die Macht gekommen zu sein.

Die Armee hatte am Sonntagmorgen Schützenpanzer aufgefahren und feuerte Salven aus Maschinenpistolen in die Luft, um die Demonstranten von einer zentralen Kreuzung in Bangkok zu vertreiben. Es seien auch vereinzelt Schüsse in die Menge abgegeben worden, berichteten Augenzeugen. Die Regierungsgegner rückten mit gekaperten Bussen gegen die Soldaten vor und warfen Brandsätze. Nach offiziellen Angaben wurden bis zum Abend rund 100 Menschen verletzt, darunter auch viele Soldaten.

Generalstabschef Songkitti Jaggabatara kündigte in einer Fernsehansprache an, die Armee werde "alle Mittel einsetzen, um das Chaos zu beenden". Von der Schusswaffe würden die Soldaten aber nur zur Selbstverteidigung Gebrauch machen. Seit der Abschaffung der absoluten Monarchie in Thailand 1932 hat das königstreue Militär bereits zehnmal die Macht übernommen, zuletzt kurzzeitig im Jahr 2006. Damals war das internationale Echo allerdings derart verheerend, dass viele Beobachter glauben, die Armeeführung werde allenfalls dann putschen, wenn die Gewalt weiter eskaliere.

Die Unruhen begannen am Samstag, als Demonstranten Abhisit zum Abbruch eines Gipfeltreffens asiatischer Staaten im thailändischen Badeort Pattaya zwangen, indem sie das nur schwach abgesicherte Tagungshotel stürmten. Neun Regierungschefs, darunter Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao, mussten mit Hubschraubern evakuiert werden.

Am Sonntag verhängte Abhisit über Bangkok und die angrenzenden Distrikte den Notstand. Daraufhin eskalierte die Lage. Mindestens 40 000 Menschen versammelten sich in Bangkok zu Protesten, die meisten von ihnen Anhänger des 2006 vom Militär gestürzten ehemaligen Regierungschefs Thaksin Shinawatra.

Der unerwartete Gewaltausbruch bedroht nicht nur Abhisits erst vier Monate alte Regierung, er trifft auch Thailands krisengeschüttelte Wirtschaft zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Wegen der starken Exportabhängigkeit des Landes rechnen Ökonomen mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um mindestens zwei Prozent, dem schlechtesten Wert seit elf Jahren. Hunderttausende Menschen haben bereits ihren Job verloren.

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