Strategie des japanischen Ministerpräsidenten scheint vor Parlamentswahl aufzugehen
Koizumi inszeniert sich erfolgreich selbst

Er scheint es ein weiteres Mal zu schaffen – und er weiß es. Siegesgewiss und entschlossen präsentiert sich der japanische Ministerpräsident Junichiro Koizumi dieser Tage mit aufgekrempelten Ärmeln im Wahlkampf. Taktisch geschickt hat er sich und seine Liberaldemokratische Partei (LDP) für die Unterhauswahl am 11. September in die Pole-Position manövriert.

TOKIO. Die jüngsten Prognosen geben Koizumi Recht: Sie bescheinigen der LDP einen Vorsprung von rund zehn Prozentpunkten vor der nächstgrößeren Partei, der Demokratischen Partei Japans (DPJ). Auch Wahlbeobachter zweifeln derzeit nicht mehr an einer Koalitionsmehrheit für die LDP und ihren jetzigen Regierungspartner, die von einer buddhistischen Sekte beeinflusste Partei Komeito. Und das, obwohl die Wahlprognosen in Japan alles andere als zuverlässig sind und zweitens einer Umfrage der Tageszeitung Asahi zufolge noch mehr als ein Drittel der Wähler auch wenige Tage vor dem Gang zur Wahlurne noch unentschieden sind.

„Der Wind der Postprivatisierung ist zu stark“, meint Takao Toshikawa, langjähriger politischer Journalist. „Er verdrängt die anderen Themen.“ Erstaunlich, denn eigentlich hat die japanische Bevölkerung sich bisher nie so recht für die Privatisierung der Post interessiert – seit seiner Zeit als Postminister vor dreizehn Jahren das Baby des 63 Jahre alten Koizumi. Seit er das Unterhaus am 8. August aufgelöst hat, bläut er den Wählern unermüdlich ein, dass es diesmal allein um die Frage gehe „für oder gegen die Postprivatisierung?“. Koizumi sehe sich in einer Schwarz-Weiß-Welt als derjenige auf der guten Seite, meint Toshikawa. Da sei er US-Präsident George Bush nicht unähnlich.

Vertraute berichten, Koizumi habe seit Monaten an der Strategie gefeilt, das Unterhaus aufzulösen, wenn die Postgesetze im Oberhaus – der zweiten Kammer – abgelehnt werden wie geschehen. Und nun führt der Fan westlicher Opern und japanischer Kabuki-Stücke, dessen Image als Reformer jüngst etwas Rost angesetzt hatte, gekonnt ein Theaterstück auf, in dem er noch einmal alle politische Fingerfertigkeiten zeigt – gewonnen aus mehr als 30 Jahren Erfahrung als Abgeordneter und seinem geschickten Umgang mit den Medien.

Seite 1:

Koizumi inszeniert sich erfolgreich selbst

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%