Wie wirken sich die Sanktionen gegen den Iran auf die Handelsbeziehungen zu seinen wichtigsten Wirtschaftspartnern Frankreich, China und Russland. Ein Überblick.
Frankreich setzt auf traditionelle Verbindungen
rut Der Atomkonflikt kommt Frankreich wirtschaftlich ungelegen. Die Regierung in Paris hat sich in den letzten Jahren intensiv um das Land am Persischen Golf bemüht. So halfen Pariser Experten Iran dabei, seine Steuergesetzgebung zu modernisieren. Frankreich engagierte sich darüber hinaus beim Wiederaufbau der von einem Erdbeben zerstörten Stadt Bam. Dahinter stecken auch ökonomische Interessen. Denn mehrere französische Konzerne sind im Iran aktiv.
Peugeot unterhält bereits seit 1978 Geschäftsbeziehungen zu Iran und baut dort zusammen mit dem Hersteller Khodro zwei Modelle. Die Exporte in den Iran haben am Auslandsgeschäft von Peugeot zwar einen größeren Anteil, betragen aber nur 1,3 Prozent vom gesamten Automobil-Umsatz. Politische Entscheidungen gegen Iran könne Peugeot daher problemlos verkraften, hieß es bei dem Unternehmen in Paris. Renault schloss im Frühjahr 2006 einen Vertrag mit Iran, wonach jährlich 250 000 Fahrzeuge des Typs Logan in dem Land produziert werden sollen.
Der Ölkonzern Total musste Iran nach der Revolution verlassen, kehrte aber 1995 zurück und betreibt heute dort vier Ölfelder. Außerdem arbeitet Total an Projekten zur Gasverflüssigung. Die französischen Zulieferer der Ölindustrie sind in Iran ebenfalls aktiv. Insgesamt profitiert die französische Ölindustrie davon, dass die US-amerikanische Konkurrenz dort nicht präsent ist.
Auch den Transport- und Turbinenkonzern Alstom verbindet mit Iran eine langjährige Geschäftspartnerschaft. Alstom verkaufte dem Land Straßenbahnen und Kraftwerke. Der Konzern erhofft sich weitere Aufträge, denn Iran will die Zahl seiner Kraftwerke in den kommenden zehn Jahren verdoppeln.
Insgesamt spielt Iran für die französische Außenwirtschaft eine untergeordnete Rolle. So steht das Land in der französischen Außenhandelsstatistik erst an 27. Stelle. Umgekehrt ist Frankreich für Iran der drittwichtigste Handelspartner nach den Arabischen Emiraten und Deutschland. Und die Bedeutung Frankreichs wächst. Beispielsweise gewann die Grenoble Ecole de Management (GEM) erst im Juli die Ausschreibung für die Ausbildung von 100 iranischen Ingenieuren – und hängte dabei renommierte Business Schools aus der ganzen Welt ab.
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and Peking würden Sanktionen gegen Iran schmerzlich treffen. In den vergangenen Jahren haben Iran und China ihre Beziehungen kräftig ausgebaut. Dabei spielen vor allem die großen Abkommen im Energiesektor eine wichtige Rolle. „China hat ganz klar seine eigenen wirtschaftlichen Interessen in Iran“, sagt Zhang Xiaodong, Experte der Chinese Academy of Social Sciences in Peking. Sollte es zu einer Abstimmung über Sanktionen im Uno-Sicherheitsrat kommen, werde dies „eine sehr schwierige Entscheidung“ für Peking.
Laut der Iran-China Chamber of Commerce hat der bilaterale Handel 2005 um 50 Prozent auf zehn Mrd. Dollar zugelegt, bis 2010 wird gar mit 13 Mrd. Dollar gerechnet. Damit würde sich der Warenaustausch gegenüber 2000 verzehnfachen. Erst im Juni bestellte Teheran 278 Waggons für Personenzüge beim chinesischen Staatskonzern General Technology Group. Beim Ausbau der Metro in Teheran wollen ebenfalls Firmen aus China zum Zug kommen. Und für den Bau von Städten und Straßen sind bereits chinesische Bauunternehmen und Ingenieure vor Ort. Der chinesische Autohersteller Chery produziert seit 2003 in Iran. Die erste chinesische Autofabrik im Ausland hat eine Kapazität von 50 000 Fahrzeugen.
Vor allem durch Energieabkommen ist Iran zum wichtigen Schlüssel für Chinas Zukunft geworden. Vor zwei Jahren wurde ein „Jahrhundertdeal“ geschlossen: Der rund 100 Mrd. Dollar schwere Vertrag sieht Gaslieferungen über die kommenden 25 Jahre vor. Ebenfalls im Gespräch ist eine Pipeline über Kasachstan nach Indien bis China. Auch hier hoffen chinesische Firmen auf Großaufträge. Ebenso beim gemeinsamen Bau einer Raffinerie, die nach den Worten des iranischen Ölministers bereits beschlossene Sache ist. Zudem unterzeichneten vor einigen Monaten Chinas Ölfirmen Förderabkommen für große Vorkommen im Kaspischen Meer. An der Ausbeutung des Yadavaran-Feldes soll China starkes Interesse haben. Für Iran ist das Reich der Mitte schon jetzt größter Ölkunde – vor Japan. Irans Öllieferungen machen fast 15 Prozent aller chinesischen Ölimporte aus – und der Bedarf steigt weiter.
Durch den Atomstreit gestoppt worden ist dagegen die chinesische Unterstützung in Sachen Kernenergie. Wie Russland hatte auch China das iranische Atomprogramm gefördert, sagen Experten. Berichte, dass China ein komplettes Atomkraftwerk an Teheran verkaufen wollte, wurden Anfang des Jahres jedoch heftig dementiert. Ebenso wies Peking Behauptungen zurück, dass im Libanon-Konflikt auf Israel abgefeuerte Raketen „made in China“ seien. Diese Berichte seien völlig „grundlos“, erklärte Sun Bigan, Gesandter im chinesischen Außenministerium.
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dpa Moskaus vom Westen argwöhnisch beäugte Kooperation mit Iran hat nur zum Teil mit der Wirtschaft zu tun. Wichtiger ist für die russische Regierung ein guter politischer Draht zu der Mittelmacht auf der Südseite des Kaspischen Meeres. Russland und Iran sähen einander als Partner, um ein Vordringen der USA und der Türkei in Zentralasien und im Kaukasus abzuwehren, analysiert das britische Forschungsinstitut Chatham House.
Der russische Handel ist im Vergleich zu anderen Partnern Irans gering. 2005 setzten Moskau und Teheran bilateral 1,8 Mrd. Euro um. Der Streit um das Atomprogramm Teherans hat den russisch-iranischen Handel im ersten Quartal 2006 im Vergleich zum Vorjahr sogar um die Hälfte schrumpfen lassen. Aber der hohe Anteil von Rüstungslieferungen und atomarer Kooperation macht die Geschäfte zwischen dem Kreml und den Mullahs aus Sicht des Auslands verdächtig.
Russische Ingenieure bauen seit Jahren an dem ersten iranischen Atomkraftwerk Buschehr. Das 800-Millionen-Dollar-Projekt soll nach vielen Verzögerungen 2007 den Betrieb aufnehmen. Für die USA gilt die Technik aus Russland als Hauptquelle für das militärisch nutzbare Nuklearwissen der Iraner. Moskau weist den Vorwurf zurück und hofft auf milliardenschwere Folgeaufträge für weitere Kraftwerke.
Wenn der Uno-Sicherheitsrat Sanktionen erwägen sollte, dürfte ihm als erste Maßnahme ein Stopp von Waffenlieferungen und nuklearer Zuarbeit in den Sinn kommen. Russland hat nach allen offiziellen Aussagen kein Interesse daran, dass sich Iran die Atombombe verschafft. Iranische Raketen können auch russisches Territorium treffen. Moskaus eigener Vorstoß, Iran eine Urananreicherung in Russland zu ermöglichen und so einen geschlossenen iranischen Brennstoffkreislauf zu verhindern, ist gescheitert. Deshalb hat sich Russland in dem Atomstreit nach langem Zögern an die Seite der USA und der Europäer gestellt. Doch Sanktionen zu verhängen, scheint der Uno-Vetomacht weiterhin unannehmbar.

