Strategische Partnerschaft
Russland beliefert Japan mit Flüssiggas

Russland steigt ins Geschäft mit verflüssigtem Erdgas ein - und Japan wird Kunde. Auf der russischen Insel Sachalin im äußersten Osten des Landes haben Russlands Präsident Dmitrij Medwedjew und der japanische Premier Taro Aso eine Anlage für die Verladung des Rohstoffs in Betrieb genommen.

TOKIO. "Russland ist soweit, ein konstruktiver Partner in der Region Asien-Pazifik zu werden", sagte Aso im neuen Verladehafen Prigorodnoje. Das Gipfeltreffen sei ein wichtiger Schritt hin zu einer strategischen Partnerschaft zwischen Russland und Japan. "Ich bin sehr zufrieden", sagte Medwedjew.

Mit Flüssigerdgas lassen sich für Russland neue Kunden erschließen, die mit Pipelines nicht erreichbar sind. Bisher hat der Staatskonzern Gazprom ausschließlich auf dem Landweg geliefert. Japan hingegen kann mit dem Gas aus Sachalin seine Abhängigkeit vom arabischen Raum verringern. Japan wird 65 Prozent der Sachalin-Produktion abnehmen und damit sieben Prozent seines Bedarf decken. Indem sich japanische Unternehmen an der Erschließung mit hohen Investitionen beteiligen, verbessert das rohstoffarme Land zudem seine Lage in der internationalen Konkurrenz um Brennstoffe.

Gazprom will in den kommenden zwanzig Jahren 45 Mrd. Dollar in Flüssigerdgasprojekte stecken. Der ständige Streit mit der Ukraine wegen der Durchleitung von Gas durch Pipelines lässt den Monopolkonzern nach alternativen Vertriebswegen suchen. Im Januar hatte Russland die Gaslieferungen nach Europa wegen eines Disputs mit der Ukraine für zwei Wochen gestoppt. "Sachalin 2 stärkt die Position Gazproms auf den Weltenergiemärkten und hilft der Region Asien-Pazifik, ihre Gasversorgung zu diversifizieren", sagte Unternehmenschef Alexej Miller.

Flüssigerdgas, auch Liquefied Natural Gas (LNG) genannt, lässt sich auf besonderen Tankern relativ verlustarm transportieren. Die Anlagen zur Verflüssigung sowie zur Be- und Entladung sind jedoch kompliziert und teuer.

Eine entsprechende Verladestation ist nun am Südende von Sachalin in Betrieb gegangen. Um Sachalin liegen die ergiebigsten unerschlossenen Gasvorkkommen der Welt. Die Insel ist nur 50 Kilometer vor der Nordspitze Japans entfernt. Japan verfügt schon seit langem über die nötigen Entladestationen. Gazprom kann über diesen Exportweg theoretisch alle Weltmärkte erreichen, auch die USA und Europa. In der EU ist die Einrichtung weiterer Entladeanlagen geplant.

Japan verfolgt konsequent die Strategie, sich die Rechte an Öl- und Gasquellen zu sichern, statt die Rohstoffe nur auf dem Weltmarkt zu erwerben. "Die Regierung unterstützt die Privatwirtschaft in dem Ziel, in zwanzig Jahren 40 Prozent des Ölbedarfs aus Vorkommen zu sichern, an denen sie selbst Rechte hat", sagt Kobayashi Yoshikazu, Experte für den Öl- und Gasmarkt beim Tokioter Institute of Energy Economics. Derzeit liegt die Quote noch unter 20 Prozent.

"Es bedeutet einen Erfolg für Japan in der internationalen Konkurrenz um Rohstoffe, sich einen hohen Anteil des Exports aus Sachalin zu sichern", sagt Kobayashi. Insgesamt sei Japan in den vergangenen Jahren mit seiner Ressourcenstrategie gut vorangekommen. Die japanische Regierung finanziert Erschließungsprojekte mit Krediten und pflegt die Beziehungen zu Ölländern.

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