Strategische Partnerschaft
Russland macht sich in Lateinamerika breit

Moskau knüpft an alte sowjetische Zeiten an: In Lateinamerika versucht die Regierung von Präsident Dimitrij Medwedjew die Rolle eines strategischen Partners einzunehmen. Auch ein alter Verbündeter weckt das Interesse Russlands. In den vergangenen Wochen gaben sich Regierungsvertreter in Havanna die Klinke in die Hand.

LIMA. Pünktlich zum Besuch von Russlands Präsident Dimitrij Medwedjew in Lateinamerika veranstaltet ein russischer Flottenverband ein gemeinsames Manöver mit der venezolanischen Marine vor der Küste Venezuelas. Die Übung, an der auch der Raketenkreuzer „Peter der Große“ teilnimmt, unterstreicht die enge Zusammenarbeit zwischen Caracas und Moskau auf militärischem Gebiet.

Staatspräsident Hugo Chávez kaufte in den vergangenen drei Jahren in Russland, aber auch Weißrussland, China und Spanien Waffen für 6,7 Mrd. Dollar ein. Der Löwenanteil entfiel auf den Kauf von Kampfflugzeugen, U-Booten und Sturmgewehren in Russland. Bei Medwedjews Besuch in Caracas am Mittwoch sollen weitere Waffendeals vereinbart werden.

Moskau versucht, in Lateinamerika an die alten Sowjetzeiten anzuknüpfen und wieder die Rolle eines strategischen Partners einzunehmen. Dabei streckt die Regierung die Hand nicht nur nach Venezuela aus, sondern auch nach anderen linken Regierungen wie Kuba und Nicaragua. Zugleich sucht Moskau die Annäherung an Mexiko und Brasilien. Nach Worten von Außenminister Sergej Lawrow steigt der Handel zwischen Russland und Lateinamerika pro Jahr um gut 25 Prozent und soll dieses Jahr 15 Mrd. Dollar erreichen.

Die russische Regierung nutzt bewusst das Vakuum, das die USA in den vergangenen Jahren in der Region hinterließen und revanchiert sich zugleich für die Ausdehnung der US-Einflusssphäre in Osteuropa – auch wenn das die Moskauer Führung anders darstellt: „Unsere Zusammenarbeit richtet sich gegen kein drittes Land und unterliegt keiner politischen Konjunktur“, betonte Lawrow. Russland habe allerdings Verständnis für den Wunsch vieler Staaten Lateinamerikas, Technik aus verschiedenen Quellen zu beziehen, um die eigenen Streitkräfte zu modernisieren.

Das gilt offenbar besonders für Kuba, den engsten Alliierten in Lateinamerika zu Zeiten des Kalten Krieges. In den vergangenen Wochen gaben sich russische Militärberater und hohe Regierungsfunktionäre in Havanna die Klinken in die Hand. Präsident Medwedjew selbst wird am 27. November auf die kommunistisch regierte Karibikinsel reisen. Moskau berät Havanna in strategischen Verteidigungsfragen, bildet kubanische Soldaten in russischen Militärakademien aus und renoviert Teile des kubanischen Waffenarsenals. Und die Zusammenarbeit soll nach Wunsch beider Länder ausgebaut werden. Kuba erhofft sich Hilfe aus Moskau, um die Wirtschafts- und Versorgungskrise zu mildern, die durch die Zerstörungen nach Durchzug dreier Hurrikane in diesem Jahr ausgelöst wurde.

Aber auch mit dem US-freundlichen Mexiko vereinbarte Moskau gerade eine intensivere wirtschaftliche Zusammenarbeit. „Wir sind unzufrieden mit dem Grad unserer Kooperation, weil wir viel Potenzial brach liegen lassen", sagte Mexikos Außenministerin Patricia Espinoza bei einem Besuch in der russischen Hauptstadt. Russlands Außenamtschef Lawrow plädiert auch für eine verstärkte Zusammenarbeit beider Staaten in Energiefragen. Möglicherweise werden bereits am Rand des Apec-Gipfels in Peru konkretere Schritte vereinbart.

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