Strauss-Kahn-Nachfolge
Merkel prescht im IWF-Führungsstreit vor

Nach dem Strauss-Kahn-Rücktritt sieht Merkel die Gelegenheit gekommen, erneut einen europäischen Kandidaten auf den IWF-Chefposten zu hieven. Namen nennt sie keine, dabei ist schon ein Deutscher im Gespräch.
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Düsseldorf/New YorkNach dem Rücktritt von IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn bahnt sich ein handfester Streit über die künftige Besetzung des Spitzenpostens an. China unterstrich abermals den Anspruch der Schwellenländer auf den Top-Job. Und auch aus Deutschland kommen klare Signale, wohin die Reise gehen muss. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) untermauerte die Forderung, dass erneut ein Europäer den Vorsitz beim IWF übernehmen sollte. "Ich vertrete die Meinung, dass wir einen europäischen Kandidaten vorschlagen sollten", sagte Merkel am Donnerstag in Berlin. Es müsse schnell eine Lösung gefunden werden. Zu möglichen Kandidaten äußerte sich Merkel nicht: "Ich werde heute keinen Namen nennen." Dazu werde es Gespräche in der Europäischen Union geben.

Merkel begründete den europäischen Anspruch unter anderem mit den anhaltenden Problemen in der Euro-Zone. Außerdem sei der Franzose Strauss-Kahn vor Ablauf seiner regulären Amtszeit zurückgetreten. Möglicherweise seien die Schwellenländer für dieses Argument zugänglich.

Auch der Verwaltungsrat des Internationalen Währungsfonds mit Beratungen über eine Nachfolgeregelung begonnen. Nach Angaben von Interimschef John Lipsky nahm das Gremium am Donnerstag Gespräche „über einen Rahmen für den Auswahlprozess“ auf. Sie sollen an diesem Freitag fortgesetzt werden. „Wir wollen, dass das so schnell wie möglich über die Bühne geht“, zitierte das „Wall Street Journal“ Lipsky. Zuvor hatte sich auch die US-Regierung dafür ausgesprochen, den Posten an der IWF-Spitze rasch neu zu besetzen. Die Suche nach einem Ersatz für den eines Sexualverbrechens beschuldigten Strauss-Kahn müsse zudem in einem „offenen Prozess“ erfolgen, hieß es in einer Mitteilung des Finanzministeriums.

Nach Merkel plädierte auch EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso für einen europäischen Kandidaten. Da die EU-Staaten zusammen der größte Beitragszahler des Währungsfonds seien, sollten sie gemeinsam einen Kandidaten aufstellen, erklärte die Sprecherin Barrosos. Die Konsultationen darüber seien bereits im Gang.

In der Berliner Koalitionsfraktion ist die Vorstellung, wer neuer Fonds-Chef werden könnte, schon weit gediehen. "Ich fordere die Bundesregierung auf, sich für einen Deutschen an der Spitze des Internationalen Währungsfonds einzusetzen", sagte

der finanzpolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Klaus-Peter Flosbach (CDU), Handelsblatt Online. Der IWF spiele bei der Bewältigung der Eurozonen-Krise eine herausragende Rolle. "In dieser Zeit sollte er von jemandem geführt werden, der mit den europäischen Verhältnissen vertraut ist", betonte Flosbach. "Mit unseren G20-Partnern werden wir sicher eine Lösung finden, wie wir die Präsenz von G20-Staaten, die in internationalen Finanzinstitutionen bisher unterrepräsentiert sind, stärken können."

Auch das Bundesfinanzministerium machte unmissverständlich klar, dass auch der neue IWF-Chef aus Europa kommen muss. Langfristig sollte die Führung des Währungsfonds aber von einem Kandidaten der Schwellenländer übernommen werden, sagte ein Sprecher von Finanzminister Wolfgang Schäuble. Ähnlich hatte sich bereits vor dem Rücktritt Strauss-Kahns Bundeskanzlerin Angela Merkel geäußert.

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  • Wieso hat Frankreich (oder besser Frankarm) so häufig den Vorsitz, obwohl es weniger zahlt als Deutschland oder Japan? Ich bin (je mehr ich mich mit der Materie auseinandersetze) immer enttäuschter wie unsere Politiker unsere Interessen international durchsetzen. Die CDU und FPD ist schon unterirdisch schlecht, bei den anderen etablierten Parteien kann ich nur den Kopf schütteln. Bei jedem Privatmann würde man bei Ideen, die SPD, Grüne und Linke haben, die Entmündigung einleiten.

    Was Deutschland wirklich bitter nötig hat, ist eine Partei, die in anderen Ländern selbstverständlich ist. Nämlich eine Partei, die für die eigenen Bürger Politik macht!

    Deshalb bin ich in die Partei "Die Freiheit" eingetreten. Damit sich hier in Deutschland etwas in Richtung "Normal" verschiebt und die Verfassung geachtet und nicht gebrochen wird!

  • Die Stimme bewusster einsetzen ist schwierig. 1. Lügen alle Parteien dass sich Balken biegen 2. ist es Land auf Land ab seit Jahren kein Geheimniss das wir neue Gesundheits- Renten- und Steuersysteme benötigen.

    Nur gibt es offensichtlich keinen Politiker der dies ernsthaft zum Wohle möglichst aller angeht, da er wohlmöglich sonst keinen überbezahlten Job mehr in der Versicherungs- Gesundheits- oder Sonstigenlobby bekommt.

    Daher ist es gut nachvollziehbar, dass der Mobb heute in Frankfurt im Jobcenter ausgerastet ist. Mich wundert nur, dass derartige Übergriffe derart selten vorkommen, wenn ich sie auch nicht gut heiße.

    Wir sollten uns an die französische Revolution erinnern und im Sinne unserer Freiheit und unserem sozialen Frieden, wie wir ihn einst hatten, kämpfen. Wer soll uns an fürhen die von Verdi und Co sind unterm Strich auch nur Politiker.

  • Ich verstehe nicht was daran skandalös sein sollte. Selbst seit Jahren im Vertrieb tätig und erwirtschafte Provisionen im deutlich sechsstelligen Bereich. Warum soll es dafür keinen Benefit geben? Ich hätte allerdings für die weiblichen Kollegen auch ein Arangement geordert wir leben schließlich nicht mehr im Mittelalter.

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