Strauss-Kahn-Nachfolger
USA halten Europäer bei IWF-Entscheidung hin

Dass auch der nächste IWF-Chef ein Europäer sein wird, ist bisher nur für die Europäer ausgemacht. Die USA meiden ein Festlegung und deuten bereits an, dass die Suche nach einem Strauss-Kahn-Nachfolger lange dauern kann.
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Singapur/BerlinDie USA haben sich noch nicht auf einen Nachfolger für den zurückgetretenen IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn festgelegt. Der stellvertretende Finanzminister Neal Wolin sagte am Freitag, es gebe keine Entscheidung, wer dafür infrage kommt. Er antwortete damit auf die Frage, ob die USA einen Kandidaten aus Asien unterstützen würden. Wolin machte lediglich deutlich, sein Land sei für einen offenen Prozess, der zu einer raschen Neubesetzung der IWF-Spitze führe.

Der wegen versuchter Vergewaltigung angeklagte Strauss-Kahn hatte am Donnerstag seinen Rücktritt vom Posten des Geschäftsführenden Direktors des Internationalen Währungsfonds (IWF) erklärt.

Auch der Stellvertreter Strauss-Kahns dämpfte Hoffnungen auf eine rasche Nachfolgeregelung. Es wäre nicht ungewöhnlich, wenn die Suche nach einem Nachfolger einige Zeit in Anspruch nehme, sagte der geschäftsführende IWF-Direktor John Lipsky. In der Vergangenheit sei das Auswahlverfahren eine Sache von mehreren Monaten gewesen. Möglicherweise stehe der Nachfolger auch nicht umgehend zur Verfügung.

Zur Debatte, ob auch der neue IWF-Chef wie seit Jahrzehnten üblich aus Europa kommen soll, äußerte sich Lipsky nicht direkt. Unter den Mitgliedsländern herrsche Einigkeit, dass das Auswahlverfahren offen und transparent sein und die Eignung des Kandidaten im Vordergrund stehen sollte, sagte er, fügte aber hinzu: "Offen bedeutet hoffentlich nicht nur offen für einige."

Bereits wenige Stunden nach dem Rücktritt von Strauss-Kahn entbrannte ein Streit zwischen Europa und großen Schwellenländern über seine Nachfolge. Bundeskanzlerin Angela Merkel warb dafür, wegen der Schuldenkrise noch einmal einen europäischen Kandidaten zu akzeptieren, nannte aber keine Namen. Als Favoritin kristallierte sich die französische Wirtschafts- und Finanzministerin Christine Lagarde heraus. Euro-Gruppenchef Jean-Claude Juncker bezeichnete sie als perfekte Kandidatin. Ähnlich äußerte sich Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi: Lagarde wäre eine ausgezeichnete Wahl, erklärte er. Lipsky sagte, Lagarde sei eine von zahlreichen sehr geeigneten Kandidaten.

Frankreichs Präsident hält sich mit öffentlichen Forderungen nach einem neuen französischen Kandidaten derweil zurück. „Die Europäische Union ist in der Lage, eine sehr gute Kandidatur zu präsentieren“, ließ Nicolas Sarkozy am Donnerstagabend lediglich mitteilen. Ob er damit seine Ministerin Lagarde meinte, sagte er nicht. Ein möglicher Stolperstein für die Französin könnte ein drohender Prozess in einer alten Finanzaffäre sein.

Den europäischen Anspruch auf die Führung des IWF begründete Sarkozy mit der Fondsstruktur. Die EU-Staaten seien zusammen größter Anteilseigner, kommentierte der Staatschef. Zugleich warnte er vor Streit um den Posten. „Europa muss einstimmig eine Wahl treffen.“ Den Rücktritt Strauss-Kahns nannte Sarkozy unumgänglich.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble erklärte, die Bundesregierung werde sich für einen europäischen Kandidaten einsetzen,. "Und wenn wir uns für einen europäischen Kandidaten mit Erfolg einsetzen wollen, brauchen wir einen gemeinsamen europäischen Kandidaten." Daran werde gearbeitet. "Wir suchen den aus, der am besten geeignet ist und der die besten Chancen hat, durchgesetzt zu werden."

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  • interessanter Gastbeitrag: In Anbetracht der Entwicklungen: gut gedacht und für die Interessenten des Sturzes von DSK wenig mehr als eine europäische Klamotte.

  • Vordergründig wäre Ihnen zuzustimmen.
    Allerdings lediglich vordergründig.
    Bedenken Sie bitte, die Rede war nicht von "echtem Geld" sondern von echtem Geld.
    Sollten Sie mehr darüber erfahren wollen: erkundigen Sie sich: alle Informationen darüber sind für jedermann verfügbar.

  • Hoffentlich können sich die Europäer nicht durchsetzen. Ein französisch-dominiertes Weiterwurschteln ist das letzte was wir derzeit in Europa brauchen.

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