Strauss-Kahn zur Griechenland-Krise
„Der Dämon ist nie weit“

Mit viel Pathos wirbt Ex-IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn für die europäische Idee und geißelt das Sparpaket für Griechenland als „Diktat der Euro-Staaten“. In einem Brief greift er vor allem „meine lieben Deutschen“ an.
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Frankreichs Präsident François Hollande bekommt Schützenhilfe von einem Parteigenossen, der sich bislang kaum öffentlich geäußert hatte. Der ehemalige Chef des Internationalen Währungsfonds und Mitglied der sozialistischen Partei, Dominique Strauss-Kahn, hat sich in die Griechenland-Debatte eingeschaltet – und teilt kräftig gegen die Euro-Staaten aus, besonders gegen Deutschland.

Die Griechenland von seinen Gläubigern auferlegten Maßnahmen erzeugten „ein verheerendes Klima“ für die europäische Einheit, schreibt der Franzose in einem offenen Brief an „meine deutschen Freunde“, den er am Samstag twitterte – auf Deutsch, Englisch und Französisch. Der nun eingeschlagene Weg sei „verhängnisvoll, ja fast tödlich“.

Die europäischen Gläubiger leugneten aus DSKs Sicht einen „sicheren Verlust“ der Hilfsgelder, indem sie einen Schuldenschnitt immer wieder verschöben und ein Volk demütigten, „weil es unfähig ist, sich zu reformieren“.

In seinem dreiseitigen Brief spart Strauss-Kahn, kurz DSK genannt, nicht mit Pathos für die europäische Idee. Er bemüht die großen Denker, Dichter und Krieger – von Shakespeare über Habermas bis zu Alexander dem Großen – um dafür zu werben, dass Europa „weit blicken, die Kleinkämpfe ablehnen, (...) weiterhin die Geschichte prägen“ müsse, um gegen die sich formenden Wirtschafts-Unionen in Amerika und Asien bestehen zu können.

Damit unterstützt er indirekt Hollandes Idee einer Wirtschaftsregierung für Europa. Unter dem Eindruck der Griechenland-Krise hatte er in einer am Sonntag im „Journal du Dimanche" veröffentlichten Kolumne die Idee des ehemaligen Brüsseler Kommissionspräsidenten Jacques Delors für eine Regierung der Euro-Zone aufgegriffen, gekoppelt mit einem spezifischen Haushalt und einem Parlament für die demokratische Kontrolle.

Die Kolumne schrieb Hollande aus Anlass von Delors' 90. Geburtstag an diesem Montag. Hollande hatte bereits bereits vergangene Woche angekündigt, dass er seine Vorschläge für eine „europäische Wirtschaftsregierung" in Abstimmung mit der Bundesregierung vorantreiben wolle.

Doch in einer Sache gegen Hollande und DSK offenbar inhaltlich auseinander: Staatschef Hollande hatte sich für eine „verstärkte Organisation der Euro-Zone“, inklusive eigener Regierung, eigenem Haushalt und eigenem Parlament, bereiterklärt. Eine „Avantgarde“ mit anderen interessierten Ländern solle vorangehen. Mitmachen sollen nach Hollandes Vorstellungen alle, die ein stärkeres Europa wollen.

Kommentare zu " Strauss-Kahn zur Griechenland-Krise: „Der Dämon ist nie weit“"

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  • Sehen wir mal von der Person DSK ab. Nehmen wir mal an, er vertritt den französischen Mainstream. Südeuropa mit dem Vorreiter Frankreich will die Transferunion, und Frau Merkel hat nachgegeben. Wer A = Transferunion sagt, muß auch B = Vereinigte Staaten von Europa sagen. Und da ziert sich meines Wissens gerade Frankreich noch ganz gewaltig! Griechenland ist für jedes EU-Land Anlaß, aber nicht Ursache, diese Frage jetzt intensiv zu besprechen. Anstatt diese Frage - Vereinigte Staaten von Europa vs. Erweiterte Wirtschaftsunion - im deutschen Parlament (und den Medien) glasklar und im Detail zu debattieren, werden wir seit Monaten mit Mehrwertsteuersätzen für griechische Inseln zugeschüttet und in Talkshown zugesülzt mit den Stories von verarmten griechischen Rentnern. Diese mangelnde Klarheit - die von Rot-Grün sowieso nicht zu erwarten ist - ihrem Wahlvolk (incl ihrer Wahlpartei) gegenüber werfe ich Frau Merkel vor. So zu tun, als ob es mit (dauerhaften) Transfers für Griechenland getan wäre, ist eine glasklare Vernebelungstaktik. Wenn "Griechenland" allen Leuten aus den Ohren rauskommt und sich niemand mehr dafür interessiert, wird heimlich, still und leise (wann ist die nächste Fußball-WM?) die Transfer-Union offiziell - meine Wette. Spätestens dann muß der Soli auf mindestens 8% erhöht werden bzw wird abgeschafft und in höhere Steuersätze eingebaut.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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