Streifzug durch Moskauer Supermarkt
Russland isst jetzt eben russisch

Im Sanktionsduell hat Russland zurückgeschlagen und von Sahne bis Obst vieles aus den Regalen verbannt. Von Versorgungsengpass keine Spur. Die Russen vertrauen heimischen Erzeugnissen. Wie lange geht das gut?
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MoskauZielsicher greift Alexej vor dem Kühlregal der Supermarktkette „Perekrjostok“ in Moskau nach einem russischen Hartkäse. Zwar liegen in den oberen Fächern zahlreiche Sorten von ausländischen Herstellern, vor allem aus Frankreich. Die kosten aber deutlich mehr. Dass es viele Westprodukte wegen der Sanktionen Russlands gegen EU und USA vorerst nicht mehr geben wird, schreckt Alexej nicht. „Wir kaufen andere Waren“, sagt der 27-Jährige.

In Moskauer Supermärkten herrscht am Tag nach Inkrafttreten der vorerst einjährigen russischen Strafmaßnahmen unaufgeregter Alltag. Fleisch, Milch, Sahne, Käse, Obst und Gemüse aus den Staaten, die im Ukraine-Konflikt Sanktionen gegen Russland erlassen haben, werden nun vielfach aus den Regalen verschwinden. Das ist die Antwort von Kremlchef Wladimir Putin auf die Strafmaßnahmen des Westens. Wie ein „Bumerang“ werde dies die Sanktionsstaaten treffen, hatte er gedroht.

Doch viele Menschen im größten Land der Erde fürchten nun einen schmerzhaften Preisanstieg. „Der Westen trifft mit seinen Sanktionen die russischen Oligarchen, während die russischen Sanktionen das eigene Volk treffen“, kritisiert ein Hörer in einer Diskussion des Radiosenders Echo Moskwy. Dass die Regierung Preiswucher verhindert, so wie es Putins Erlass vorsieht, davon sind nur wenige überzeugt.

Die Strategie der Russen ist, Westwaren durch heimische Produkte zu ersetzen. Moskau sieht darin auch die Chance, der als statisch kritisierten Landwirtschaft Beine zu machen.

Der Moskauer Analyst Dmitri Polewoj spricht von einer „Schocktherapie“ für Russlands Lebensmittelbranche. „Das Verbot betrifft zehn Prozent des Agrarimports, die jetzt schnell ersetzt werden müssen“, betont er. „Das Verbot kann der Lebensmittelbranche endlich jenen Impuls verleihen, den sie für eine stärkere Entwicklung braucht“, kommentiert die russische Tageszeitung „Wedomosti“.

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West-Produkte sind Luxus-Produkte

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  • die Rentnerin finde ich lustig. Sie erscheint wie jemand, den es in jedem Land, ja sogar in jeder Stadt oder sogar in jedem etwas größeren Dorf gibt. Mit dem eigenen Leben unzufrieden und ewig auf die da Oben schimpfend. Ganz egal wer da Oben ist - sie sind schuld an ihrer Misere. Ja, solche !Omas! gibt es überall :-)

  • Das, was in München als super-Bio-demeter-Qualität für unglaubliches Geld verkauft wird, ist in Russland noch etwas Natürliches und Selbstverständliches. Zum Beispiel, Milch von Kühen, die Hörner haben und im Freien den ganzen Tag grasen.

    Als bitte hören Sie auf über West-Produkte als über etwas Luxushaftes zu reden.

  • (...)

    Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

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