Streit eskaliert: Kopfgeld auf dänische Zeichner ausgesetzt

Streit eskaliert
Kopfgeld auf dänische Zeichner ausgesetzt

Die Proteste gegen die umstrittenen Mohammed-Karikaturen ebben nicht ab. Ein islamischer Geistlicher setzte jetzt ein Kopfgeld in Höhe von einer Million Dollar für die Tötung der dänischen Künstler aus, die den Propheten Mohammed gezeichnet hatten. Aber auch US-Bürger müssen um Leib und Leben fürchten.

HB ISAMABAD. In Pakistan gingen tausende Moslems den fünften Tag in Folge gegen die in europäischen Zeitungen gedruckten Zeichnungen auf die Straße. Die Polizei setzte am Freitag Tränengas gegen die Demonstranten ein und nahm mehr als 100 Menschen fest. Dänemark schloss aus Sicherheitsgründen vorübergehend seine Botschaft in der Hauptstadt Islamabad. Ein islamischer Geistlicher hatte am gleichen Tag ein Kopfgeld in Höhe von einer Million Dollar für die Tötung dänischer Karikaturisten ausgesetzt.

Das dänische Außenministerium erklärte, die Unruhen hätten eine Atmosphäre der deutlichen Antipathie gegen Dänemark und dänische Staatsbürger erzeugt. Am Montag werde entschieden, wann die Botschaft wieder geöffnet werde. Botschafter Bent Wigotski sagte, er bleibe an einem sicheren Ort in Pakistan. Das pakistanische Außenministerium erklärte, es habe seinen Botschafter in Dänemark zu Beratungen einbestellt.

Der frühere US-Präsident Bill Clinton äußerte sich in Pakistan besorgt über das Ausmaß der Proteste. „Es ist nicht die Zeit, um Brücken hinter sich abzubrechen“, sagte er an die Moslems gerichtet. „Es ist an der Zeit, Brücken zu bauen.“ Die Mohammed-Karikaturen waren zuerst in einer dänischen Zeitung erschienen. Im Islam gilt eine bildliche Darstellung des Propheten Mohammed als Gotteslästerung.

Die Auschreitungen in der islamischen Welt halten seit Wochen an und haben inzwischen eine Welle des Protestes auch gegen die USA ausgelöst: In Pakistan wurden Bilder von US-Präsident George W. Bush verbrannt und Filialen von US-Schnellimbissketten angegriffen.

In Bangladesch errichtete die Polizei um das Diplomatenviertel mit Stacheldraht bewehrte Barrieren. Unbeeindruckt davon verbrannten die etwa 10 000 Demonstranten Augenzeugen zufolge Bilder des dänischen Regierungschefs Anders Fogh Rasmussen und dänische Flaggen. Auf Transparenten wurde zudem zum Boykott europäischer Produkte aufgefordert. Auch im indischen Hyderabad ging die Polizei gegen hunderte Moslems vor, die Geschäfte mit Steinen bewarfen und den Verkehr lahm legten.

Etwa 2000 Moslems, die in Hongkong auf die Straße gingen, skandierten Parolen und schwenkten Bilder. „Wir glauben an den Propheten Mohammed und wir respektieren ihn mehr als unsere Familien oder sonst irgendetwas“, sagte einer der Teilnehmer. „Wenn er beleidigt wird und es entsprechende frevlerische Karikaturen gibt, sind wir natürlich empört.“

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