Streit in der Nato
Rasmussen kanzelt britischen Admiral ab

Nato-Generalsekretär Rasmussen hat in einer Erklärung sein Bedauern über den Tod libyscher Rebellen nach einem Nato-Luftangriff geäußert. Damit geht er auf Konfrontationskurs zur militärischen Führung des Einsatzes.
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BrüsselIn der Nato ist zwischen der politischen und der militärischen Führung ein offener Streit um das Vorgehen gegenüber den libyschen Aufständischen ausgebrochen. Bündnis-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen veröffentlichte am Freitagnachmittag eine Erklärung, in der er den Tod von etwa zehn libyschen Aufständischen durch einen Angriff von Kampfflugzeugen des Bündnisses bedauerte.

Rasmussen widersprach damit in ungewöhnlich offener Weise Äußerungen des stellvertretenden Kommandeurs der internationalen Militäroperation in Libyen, dem britischen Konteradmiral Russell Harding. "Das ist ein sehr unglückseliger Zwischenfall", erklärte Rasmussen. "Ich bedaure den Verlust von Menschenleben zutiefst."

Er bezog sich auf einen Angriff von Nato-Jets auf einen Panzerkonvoi auf der Straße zwischen den Küstenstädten Adschdabija und Al-Brega. Rasmussen erklärte, die Nato greife militärische Ausrüstung an, die zur Bedrohung von Zivilisten dienen könne: "Aber ich kann versichern, dass wir alles nur Mögliche tun, um zivile Opfer zu verhindern.

Nur vier Stunden zuvor hatte Harding ohne ein Wort des Bedauerns erklärt: "Ich entschuldige mich nicht." Bisher hätten die Aufständischen keine Panzer gehabt. "Die Lage dort ist unübersichtlich, Panzer und Fahrzeuge sind in allen Richtungen unterwegs und es ist schwer festzustellen, wer sie fährt", sagte er.

Der Admiral hatte auch erklärt, es gebe keinen Anlass für die Nato, sich um eine bessere Kommunikation mit den Rebellen zu bemühen. "Wir, die wir Zivilisten mit welchen Überzeugungen auch immer zu schützen versuchen, haben nicht die Aufgabe, die Kommunikation mit den Rebellen zu verbessern." Die Nato würde auch die Rebellen gegen den libyschen Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi angreifen, falls diese Zivilisten attackierten oder bedrohten: "Das Mandat der Vereinten Nationen ist sehr klar."

Die Nato sieht keinen "Stillstand" bei der von ihr geführten Militäraktion in Libyen. "In der ersten Woche, in der wir die Verantwortung tragen, hat sich das Einsatztempo ständig beschleunigt", sagte Harding. "In den vergangenen 48 Stunden sind wir 318 Einsätze geflogen und haben 23 Ziele in Libyen getroffen." In der ersten Woche unter Nato-Befehl seien es 1500 Einsätze gewesen: "Wir fliegen täglich mehr als 600 Stunden, was schon eine erhebliche Anstrengung ist."

Er wies Kritik der Rebellen an mangelnder Nato-Präsenz zurück: "Wir greifen in der Tat - auch wenn das den Rebellen nicht klar sein mag, denen wir übrigens nicht beweisen müssen, wo wir sind - Ziele an, die direkt Zivilisten bedrohen."

In einem Video eines britischen Kampfflugzeugs, das Journalisten in der Brüsseler Nato-Zentrale gezeigt wurde, ist zu sehen, wie ein Panzer in der Stadt Misurata durch eine Rakete zerstört wurde. Zuvor hatte dieser Panzer seine Kanone auf ein Gebäude abgefeuert. Nach der Explosion des Panzers flüchteten Gaddafi-treue Soldaten auf mehr als einem Dutzend Kleintransportern.

"Die Pro-Gaddafi-Kräfte nutzen menschliche Schutzschilde und parken Panzer neben Schulen und Moscheen", sagte Nato-Sprecherin Oana Lungescu am Freitag in Brüssel. Die Nato verzichte immer dann, wenn das Ziel nicht eindeutig zu identifizieren sei, auf einen Einsatz.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Streit in der Nato: Rasmussen kanzelt britischen Admiral ab"

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  • Rasmussen wird mir langsam sympathisch. Sein holländischer Vorgänger war dagegen ein richtiger Kriegstreiber. Weiter so!

  • Ich glaube, hier ist immer noch ein internes Ringen um die Behelfsgewalt im Gange und vielleicht täte hier allen ein Gespräch am Round table gut um effektiver gegen Gaddafi und seine Meute vorzugehen und um die "zivilen Opfer" zu gering wie möglich zu halten.

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