Streit mit den USA
Putin kündigt neues Raketenabwehrsystem an

Russland macht Druck auf die USA und Europa: Präsident Putin hat sich Agenturberichten zufolge für den Aufbau eines umfangreichen Raketenabwehrsystems entschieden. Es ist wohl die erste "Gegenmaßnahme" gegen das geplante amerikanischen Raketenschutzschilds in Osteuropa.

HB MOSKAU. Der russische Präsident Wladimir Putin kündigte ein Programm zur Modernisierung der Raketenabwehr seines Landes bis 2015 ang. Eine Ende vergangenen Jahres zu Testzwecken in Betrieb genommene Radarstation bei St. Petersburg sei ein erster Schritt, sagte Putin bei einem Besuch dort, wie die Nachrichtenagentur ITAR-Tass berichtete.

Nähere Angaben zu dem geplanten Programm machte Putin nicht. Die Radarstation in Lechtusi kann dem Vernehmen nach den Luftraum vom Nordpol bis Südafrika überwachen. Sie wurde innerhalb von 18 Monaten errichtet, wie Vizeministerpräsident Sergej Iwanow sagte. Frühere Radarstationen hätten eine Bauzeit von fünf bis neun Jahren gehabt. Eine ähnliche Radarstation zur Überwachung des Luftraums wird den Angaben zufolge derzeit in Armawir im Süden Russlands gebaut.

Der Besuch der Station in Lechtusi und Putins Ankündigung erfolgten vor dem Hintergrund des Streits mit den USA über den geplanten Bau eines amerikanischen Raketenschutzschilds in Osteuropa. Die USA wollen im Rahmen ihres Abwehrsystems Abfangraketen in Polen stationieren sowie eine Radarstation in Tschechien errichten. Nach US-Angaben dient das geplante System der Abwehr möglicher Raketenangriffe aus Staaten wie dem Iran oder Nordkorea. Es richte sich nicht gegen Russland.

Russland sieht sich von den Plänen bedroht und hat Gegenmaßnahmen angekündigt. Das Land warnte zeitweise gar davor, seine Raketen in Richtung Europa auszurichten, was eine Diskussion über einen neuen Kalten Krieg hervorrief. In einem Versuch, den Streit beizulegen, bot Russland den USA jüngst an, in den Raketenschild russische Anlagen miteinzubeziehen und Daten über mögliche Angriffe zu teilen. Die US-Regierung reagierte aber verhalten auf den Vorschlag.

Erst vor wenigen Tagen hatte Russland Geschosse vom Typ S-400 vorgestellt, die die Basis für einen Raketenschild bilden könnten. Bei der Präsentation in der Nähe von Moskau sagte der Generaldirektor des verantwortlichen Ingenieurbüros, er arbeite bereits an einem mobilen Raketen-Abwehrsystem namens S-500. Es werde Teil einer zusammenhängenden russischen Raketenabwehr sein.

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