Streit mit Großbritannien
Gibraltar treibt Spanien zur Weißglut

Gibraltar ist eine Steueroase an der Südspitze der Iberischen Halbinsel – regiert von den Briten. Was Spanien ein Dorn im Auge ist. Jetzt droht Madrid mit Zwangsmaßnahmen – angeblich um spanische Fischer zu schützen.
  • 9

Madrid/LondonDie wahren Herren von Gibraltar sind Berberaffen. Sie verteidigen den Felsen an der Südspitze der Iberischen Halbinsel gegen unliebsame Besucher und greifen in jede auch nur halb geöffnete Handtasche. Auseinandersetzungen gibt es auf Gibraltar aber nicht nur zwischen Tier und Touristen – seit Jahrhunderten ist die 6,5 Quadratkilometer kleine Landfläche auch Zankapfel der Regierungen von Spanien und England.

Seit 1704 steht der Felsen samt Umland unter der Souveränität von Großbritannien, 1713 wurde Gibraltar offiziell abgetreten und dennoch erregt das britische Überseegebiet bis heute die Gemüter. Zuletzt haben sich die Spannungen derart zugespitzt, dass sich sogar die Staats- und Regierungschefs beider Nationen zum Einschreiten genötigt sahen.

Der Ärger begann vor zehn Tagen, als Schiffe vor Gibraltar Betonblöcke ins Wasser ließen, um ein künstliches Riff zu errichten. Spanien reagierte darauf verärgert, weil damit die eigenen Fischerboote ferngehalten würden. In einer ersten Reaktion wurden die Kontrollen an der Grenze nach Gibraltar verschärft, was dort zu langen Warteschlangen führte. Großbritannien bezeichnete dies als nicht gerechtfertigt, und das Außenministerium bestellte den spanischen Botschafter ein. Gibraltar beschwerte sich bei der EU-Kommission.

Gibraltar, wo rund rund 30.000 Menschen leben, lebt vom Tourismus und seinem Status als Steueroase. Insbesondere Banken und Anbieter von Internet-Glücksspielen haben sich dort angesiedelt. Entsprechend könnten die Vergeltungsmaßnahmen ausfallen, mit denen der spanische Außenminister Jose Manuel Garcia-Margallo wegen des Streits über die Fischgründe nun drohte. In einem Interview brachte er eine Gebühr von 50 Euro für Grenzübertritte ins Spiel, die vor allem Touristen und in Spanien arbeitende Einwohner Gibraltars treffen würde. Außerdem könnten Tausenden Einwohnern Gibraltars Steuerprüfungen blühen, wenn sie Grund und Boden in Spanien besäßen, sagte Garcia-Margallo dem Blatt „ABC“. Auch eine Schließung des spanischen Luftraums für Maschinen, die den Flughafen in Gibraltar ansteuern, sei eine Möglichkeit.

Die Retourkutsche aus London kam prompt: „Äußerst besorgt“ äußerte sich der britische Premierminister über den Bericht und mögliche Zwangsmaßnahmen. „Wir erwarten eine Erklärung von der spanischen Regierung“, sagte ein Sprecher von Premierminister David Cameron. Deutlichere Worte fand der Regierungschef Gibraltars, Fabian Picardo. Er warf der Regierung in Madrid Drohgebärden im Stile Nordkoreas und „Säbelrasseln“ vor.

In einem BBC-Interview kritisierte Picardo, Spanien tue so, als könnte das Land eine Gebühr für Einreisen in das auf einem Felsen gelegene britische Territorium verhängen. Dies würde jedoch gegen die in der Europäischen Union geltende Regel der Freizügigkeit verstoßen. „Was wir dieses Wochenende gesehen haben, ist Säbelrasseln von der Sorte, die wir eher aus Nordkorea und nicht von einem EU-Partner kennen“, meinte Picardo.

Der aktuelle Streit zwischen Madrid und London kommt nicht aus heiterem Himmel. Der konservative spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy fährt einen härteren Kurs in der Gibraltar-Politik als die sozialistische Vorgängerregierung. „Die Party ist vorbei“, sagte Außenminister Garcia-Margallo nun.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Streit mit Großbritannien: Gibraltar treibt Spanien zur Weißglut"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Den Streit kann man doch schnell beenden. Einfach den Stöpsel rausziehen und Gibraltar im Meer versenken.

    Ganz abgesehen davon finde ich durchaus das wir ein Recht auf die Ostgebiete haben. Da aber die Bundeswehr stark dezimiert wurde, würde eine militärische Eroberung scheitern. Aber Elsaß und Lothringen könnten wir in einem Blitzkrieg zurück holen. Da Griechenland seine Schulden nie zurückzahlen kann, könnten wir als Schadensersatz eine griechische Insel einfordern. Kreta wäre gut, wir hätten dann Zugang zum Lybischen Meer.
    So langsam fange ich an Europa echt gut zu finden.

    Man-o-man, da haben unsere Politiker Pfürze im Kopf und träumen von den Vereinigten Europäischen Republiken und gleichzeitig zanken sie sich um Staubkörner.

  • Die EU sollte doch Frieden über Europa bringen! Dazu gehört, dass der Status Quo nicht angetastet wird - auch nicht mittelbar. Man stelle sich nur vor, die Deutschen wollten ihre Ostgebiete wieder haben!

  • Es wird allerhoechste Zeit, dass die Ueberreste der Kolonialzeit abgebaut warden. Frankreich und England glauben immer noch sie seien Weltmaechte, weil sie halt ueberall noch ein bischen Land verteidgen. Usa, Russland und China folgen kurz hinterher weil denen ihre Angliederungen juengerer Zeit sind. Weg mit den alten Zoepfen.

    Hinz

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%