Streit mit Großbritannien
Moskau schlägt zurück

Die Krise zwischen Russland und Großbritannien spitzt sich zu. Nachdem London vor einigen Tagen russiche Diplomaten ausgewiesen hat, reagiert Moskau nun mit einer Retourkutsche. Vier britische Gesandte müssen das Land verlassen – und das ist nicht die einzige Neuerung.

HB MOSKAU. Die Kreml-Führung reagierte auf die Ausweisung von vier russischen Diplomaten aus London. Britischen Amtsträgern würden zudem ab sofort keine russischen Einreise-Visa mehr ausgestellt, sagte der Außenministeriumssprecher Michail Kamynin nach Angaben der Agentur Interfax in Moskau.

Die russische Antwort sei „zielgerichtet, ausgewogen und so gering wie möglich“. Hintergrund des britischen Schritts war Russlands Weigerung, den des Mordes an dem Ex-Agenten Alexander Litwinenko verdächtigten Andrej Lugowoi nach Großbritannien auszuliefern.

Die britischen Behörden haben dabei den Russen Andrej Lugowoi als Hauptverdächtigen ausgemacht, den Russland aber nicht ausliefern will. Lugowoi wird verdächtigt, Litvinenko mit einer tödlichen Dosis Plutonium vergiftet zu haben. Der Getötete, der in Großbritannien Asyl erhalten hatte, war ein Kritiker des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Auf seinem Totenbett warf Litvinenko Putin vor, für seinen Tod verantwortlich zu sein.

Der russische Botschafter in London wies die Verdächtigung, dass Russland selbst in den Mordfall Litvinenko verwickelt sein könnte, als grotesk zurück. Die russische Regierung habe nichts mit der Plutonium-Vergiftung des ehemaligen KGB-Agenten Alexander Litvinenko in London zu tunt. „Es ist grotesk anzunehmen, dass die Tötung Litvinenkos den Rückhalt oder gar die aktive Beteiligung der russischen Regierung hatte“, schrieb Botschafter Juri Fedotow in einem Leserbrief an die Zeitung „The Times“.

Fedotow bekräftige, Russland sei bereit, Lugowoi vor Gericht zu stellen, wenn Großbritannien hinreichende Beweise liefere. Zuvor hatte der Sprecher des britischen Premierministers Gordon Brown am Mittwoch noch ausgeschlossen, dass der Prozess in einem anderen Land abgehalten werden könnte und bestand auf einer Auslieferung. Die Beziehungen zu Russland seien nun „von Spannungen überschattet“, hieß es in einer Erklärung des britischen Außenministeriums.

In den Streit schalteten sich inzwischen auch die USA ein. Außenministerin Condoleezza Rice forderte die Regierung in Moskau auf, dem britischen Auslieferungsgesuch nachzukommen.

Angespannt sind die Beziehungen zwischen Russland und der EU sowie den USA auch wegen des geplanten US-Raketenabwehrsystems in Polen und Tschechien. Präsident Putin hatte daher vor wenigen Tagen den Ausstieg Russlands aus dem KSE-Vertrag angekündigt und neue Rüstungskontroll-Verhandlungen vorgeschlagen. Der 1990 geschlossene und 1999 erneuerte KSE-Vertrag begrenzt die Zahl der zwischen Atlantik und Ural stationierten Kampfpanzer, schweren Artillerie, Kampfflugzeuge und -hubschrauber.

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