Streit mit Nordkorea
Tillerson drängt China zur Zusammenarbeit

Die USA wollen das nordkoreanische Atomprogramm stoppen und hoffen dabei auf die Unterstützung Chinas. Doch die Führung in Peking verfolgt eigene Interessen und will eine Eskalation um jeden Preis vermeiden.
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PekingUS-Außenminister Rex Tillerson hat China zu einer engeren Zusammenarbeit gegenüber Nordkorea aufgefordert. Gemeinsam müssten Lösungen gefunden werden, um Pjöngjangs Atomprogramm zu stoppen, sagte Tillerson am Samstag nach einem Treffen mit seinem chinesischen Kollegen Wang Yi in Peking. Tags zuvor hatte der US-Außenminister in Seoul auch einen Präventivangriff gegen Nordkorea nicht mehr ausgeschlossen und gesagt: „Alle Optionen liegen auf dem Tisch“.

Trotz einiger Verstimmungen ist China nach wie vor der wichtigste Unterstützer Nordkoreas, sowohl auf diplomatischer als auch auf wirtschaftlicher Ebene. Die Führung in Peking will einen Sturz von Staatschef Kim Jong Un um jeden Preis verhindern, weil dann Hunderttausende Flüchtlinge über die gemeinsame Grenze strömen und die USA und Südkorea ihre Truppen noch näher an China stationieren könnten. Das Land ruft deshalb immer wieder zur Deeskalation von beiden Seiten auf. Vergangene Woche sprach Wang von „zwei beschleunigenden Zügen“, die aufeinander zurasten.

Auch am Samstag appellierte Wang wieder für einen Dialog mit Nordkorea. Er sagte, sein Treffen mit Tillerson bereite den Boden für das im April geplante Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und dessen chinesischem Kollegen Xi Jinping.

Tillerson erklärte, die USA und China stimmten im Bezug auf Nordkorea bereits in einigen Dingen überein. Beide seien sich einig, dass Pjöngjang eine Kurskorrektur vollziehen müsse. „Wir haben unsere Entschlossenheit zur Zusammenarbeit bekräftigt, um Nordkorea zu überzeugen, einen besseren Pfad und eine andere Zukunft für sein Volk zu wählen“, sagte der US-Außenminister.

Neben Wang sprach Tillerson auch mit dem außenpolitischen Berater von Präsident Xi. Den Staatschef selbst wollte er am Sonntag treffen, bevor er wieder nach Washington zurückreist.

Auf seiner Tour durch Asien hatte der US-Außenminister zuvor Japan und Südkorea besucht. Dort wie in China war Nordkorea das bestimmende Thema. Auch den Territorialkonflikt im Südchinesischen Meer wollte Tillerson in Peking ansprechen, öffentlich äußerte er sich aber nicht dazu.

Das kommunistische, abgeschottete Nordkorea hat die Entwicklung von Waffen beschleunigt und dabei unter anderem mit Raketentests wiederholt gegen Resolutionen des UN-Sicherheitsrates verstoßen. Allein 2016 unternahm Nordkorea zwei Atomwaffentests und 24 Raketentests. Experten schließen nicht aus, dass die Regierung in Pjöngjang in wenigen Jahren über Raketen mit atomaren Sprengköpfen verfügt, die sogar die USA erreichen könnten.

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur

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