Streit mit Ukraine
Gazprom warnt vor Engpässen

Der Streit über russische Gaslieferungen in die Ukraine droht erneut auch die Versorgung der Europäischen Union zu beeinträchtigen. Zwar rechnet das Bundeswirtschaftsministerium nicht mit Versorgungsengpässen in Deutschland.

HB MOSKAU. Der russische Staatsmonopolist Gazprom warnte am Montag aber, es sei nicht auszuschließen, dass die Position der Ukraine "zu einer Störung der Lieferstabilität in Europa führen könnte". 80 Prozent des für Europa bestimmten russischen Erdgases fließt durch die Ukraine. Europäische Unternehmen beobachten den immer wieder aufflammenden Streit zwischen beiden Staaten daher mit großer Aufmerksamkeit. Der Vorsitzende des Gazprom-Direktorenrats, Viktor Zubkow, sagte, er habe bereits Schreiben mit Warnungen vor möglichen Lieferstopps an die Europäische Kommission und die Regierungen von allen großen europäischen Ländern verschickt. Das Wirtschaftsministerium in Berlin bestätigt den Eingang der Warnung. "Wir hoffen, dass die Probleme vor Ablauf des Jahres noch gelöst werden können", sagte eine Sprecherin. Die deutschen Gasversorger hätten aber versichert, es werde keine Engpässe hierzulande geben. Die Speicher seien gut gefüllt. Gazprom hatte in der vergangenen Woche damit gedroht, dem Nachbarland ab Januar kein Gas mehr zu liefern, weil die Regierung in Kiew ihre Schulden bis Ende des Jahres nicht begleichen könne. Der Konzern geht davon aus, dass die Ukraine lediglich 800 Mio. Dollar von mehr als zwei Mrd. Dollar an Rückständen zahlen könne.

Die Ukraine will trotz des Streits mit Russland Gaslieferungen nach Europa im kommenden Jahr gewährleisten. "Die Ukraine ist bereit, Garantien für konstante Gaslieferungen 2009 an europäische Kunden zu geben", sagte ein Wirtschaftsberater des ukrainischen Präsidenten Viktor Juschtschenko. Erst im März hatte Gazprom seine Lieferungen an die Ukraine wegen eines Streits um die Begleichung von Schulden und den Abschluss eines Lieferabkommens für 2008 schrittweise vorübergehend um die Hälfte gedrosselt. Vor zwei Jahren hatte Gazprom der Ukraine ebenfalls zeitweise den Gashahn zugedreht, wovon auch Lieferungen nach Westeuropa beeinträchtigt waren.

Am Dienstag soll in Moskau Kartell von 16 gasexportierenden Ländern gegründet werden. Zu dem Gipfel hatte Russland im November eingeladen. Die USA und die EU haben bereits im Vorfeld Bedenken geäußert, das neue Gas-Kartell könne - wie die Opec beim Öl - durch Absprache bei den Fördermengen die Preise in die Höhe treiben. Russland hatte dies als unbegründet zurückgewiesen.

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