Streit mit Zypern
Türkei droht EU mit Abbruch der Beziehungen

Im zweiten Halbjahr 2012 soll Zypern die EU-Ratspräsidentschaft übernehmen. Der diplomatische Ärger mit der Türkei scheint vorprogrammiert: Erdogan droht bereits damit, die Beziehungen für ein halbes Jahr auszusetzen.
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AnkaraDer türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat gedroht, den Dialog mit der EU während der Ratspräsidentschaft Zyperns im zweiten Halbjahr 2012 auf Eis zu legen. Sollten bis dahin keine Fortschritte bei der Lösung des Zypern-Konflikts erzielt worden sein, „wird es sechs Monate lang keine Beziehungen zwischen der Türkei und der Europäischen Union geben“, sagte er nach Medienberichten vom Dienstag in Ankara. 

Der zyprische Präsident Dimitris Christofias verurteilte die Äußerungen Erdogans. Seine Haltung trage nicht zur Überwindung der Teilung der Mittelmeerinsel bei. „Die Aussagen Erdogans sind zynisch. Und wenn die Türkei diesen Kurs fortsetzt, wird es absolut keine Möglichkeit für den geringsten Fortschritt geben“, sagte Christofias im zyprischen Rundfunk (RIK). 

Auch der griechische Außenminister Stavros Lambrinidis verurteilte die Aussagen Erdogans: „Die Erklärungen (Erdogans) beweisen noch einmal, dass die Substanz der Zypernfrage die (türkische) Invasion und die andauernde Besetzung der Insel ist.“ Die Türkei versuche, der EU zu diktieren, wer ihre Mitglieder sind und wie sie zu funktionieren habe, erklärte Lambrinidis. 

Erdogan betonte, in keinem Fall werde es während des sechsmonatigen EU-Vorsitzes Treffen mit griechischen Zyprern geben. „Wir sprechen doch nicht mit einem Land, das wir nicht anerkennen“, zitierte ihn die Nachrichtenagentur Anadolu. Es sei schon erniedrigend, mit Vertretern der griechischen Zyprer bei den Vereinten Nationen an einem Tisch sitzen zu müssen. 

Er betrachte die EU auch nicht als Verhandlungspartner in der Zypern-Frage, ergänzte Erdogan. „Wir werden sehen, ob diese Angelegenheit bis 2012 abgeschlossen ist. Wenn nicht, gehen wir unseren eigenen Weg“, warnte er. 

Zurzeit laufen auf Zypern intensive Gespräche zur Überwindung der Teilung zwischen dem griechischen Zyprer Christofias, der auch Präsident der Republik Zypern ist, und dem Führer der türkischen Zyprer, Dervis Eroglu. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon will Ende Oktober die beiden Volksgruppenführer nach New York einladen, um sich ein Bild vom Verlauf der Verhandlungen zu machen. 

Die türkischen Zyprer und die Türkei wollen nach Medienberichten erreichen, dass die Gespräche abgeschlossen werden, bevor Zypern im zweiten Halbjahr 2012 die EU-Ratspräsidentschaft übernimmt. Die griechischen Zyprer sind gegen einen Zeitplan. 

Die Mittelmeerinsel ist seit einem griechischen Putsch und einer türkischen Militärintervention im Jahr 1974 geteilt. Seit dem 1. Mai 2004 gehört sie zur Europäischen Union. Das EU-Recht gilt jedoch vorläufig nur im griechisch-zyprischen Süden. Die Türkische Republik Nordzypern wird ausschließlich von der Türkei anerkannt. Die Vereinten Nationen führen seit Jahrzehnten Gespräche zur Überwindung der Teilung.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Mal schön den Ball Flach halten, keiner hat das recht ein Land über so lange Zeit als marionette zu benutzen. Es ist klar das sich die moslemische Türkei von allen anderen christlischen Ländern unterscheidet. Andere Sitten und Bräuche. Hat sich die Türkei über diese Jahre Bemüht in die EU einzutreten. Gab's eine Steigung im Gegensatz zu früher Vor ( 8 - 10 Jahren) Meiner Meinung nach ja. Ansichtssache. Das Land hat viel Potenzial und befindet sich in einem Wirtschafts-Boom. Drohen ist keine Lösung, aber Optionen äussern in diesem Falle ja. Wie lange soll die Türkei den noch warten, bei Bulgarien und Rumänien ging's sehr schnell und keiner kann mir sagen das dort die Menschenrechte ganz oben stehen. Aber diese Länder sind mit ihren geringen Zahlen übersichtlich. Die Türkei kommt mit 60 millionen wobei sie ja dann auch ein riesen STIMMRECHT in der EU hätte ;-) Denkt mal drüber nach??? Ich bin dafür das die Türkei nicht in die EU beitreten soll, wozu. Das liegt in der Geschichte, die Türken sind schon immer unwillkommen gewesen in Europa. Man fühlt sich von ihnen bedroht. Und deswegen ziehen wir unsere Hosen wieder Hoch und verbünden uns am Besten mit allen anderen Turkvölkern und Gründen unsere eigene TU = Türkische Union. Dies soll keine provokation sein, versucht doch einfach mal bisschen die Neutrale Sicht zu bewahren. Die EU ist nicht tolerant genug um ein moslemisches Land aufzunehmen. Muss es ja auch nicht, aber hinhalten ist auch nicht die feine Art. Und ich glaube die Türken haben es jetzt verstanden. Grüße aus Frankfurt am Main.

  • Willkommen Rassismus, aber der Döner für 3 ,- ist super ne. Unglaublich. Einfach nur Traurig.

  • Mal schön den Ball Flach halten, keiner hat das recht ein Land über so lange Zeit als marionette zu benutzen. Es ist klar das sich die moslemische Türkei von allen anderen christlischen Ländern unterscheidet. Andere Sitten und Bräuche. Hat sich die Türkei über diese Jahre Bemüht in die EU einzutreten. Gab's eine Steigung im Gegensatz zu früher Vor ( 8 - 10 Jahren) Meiner Meinung nach ja. Ansichtssache. Das Land hat viel Potenzial und befindet sich in einem Wirtschafts-Boom. Drohen ist keine Lösung, aber Optionen äussern in diesem Falle ja. Wie lange soll die Türkei den noch warten, bei Bulgarien und Rumänien ging's sehr schnell und keiner kann mir sagen das dort die Menschenrechte ganz oben stehen. Aber diese Länder sind mit ihren geringen Zahlen übersichtlich. Die Türkei kommt mit 60 millionen wobei sie ja dann auch ein riesen STIMMRECHT in der EU hätte ;-) Denkt mal drüber nach??? Ich bin dafür das die Türkei nicht in die EU beitreten soll, wozu. Das liegt in der Geschichte, die Türken sind schon immer unwillkommen gewesen in Europa. Man fühlt sich von ihnen bedroht. Und deswegen ziehen wir unsere Hosen wieder Hoch und verbünden uns am Besten mit allen anderen Turkvölkern und Gründen unsere eigene TU = Türkische Union. Dies soll keine provokation sein, versucht doch einfach mal bisschen die Neutrale Sicht zu bewahren. Die EU ist nicht tolerant genug um ein moslemisches Land aufzunehmen. Muss es ja auch nicht, aber hinhalten ist auch nicht die feine Art. Und ich glaube die Türken haben es jetzt verstanden. Grüße aus Frankfurt am Main.

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