Streit Russland – Ukraine
Deutsche Versorger atmen auf

Die deutschen Gasversorger atmen auf: Nachdem der russische Anbieter Gazprom die Exporte wieder gesteigert hat, kommt in Deutschland wieder die vertraglich vereinbarte Menge an. Dafür hat Gazprom offenbar einem anderen Staat den Hahn zugedreht.

HB/lkr MOSKAU/KIEW/ESSEN. „Der Druck auf den Leitungen ist seit dem Morgen wieder normal“, sagte ein Sprecher von Eon-Ruhrgas am Dienstag. In Österreich wurde bereits am Montagabend eine Wiederanstieg der gelieferten Gasmenge verzeichnet. Der Generaldirektor des Energiekonzerns OMV, Wolfgang Ruttersdorfer, sagte dem Österreichischen Fernsehen ORF, die „volle Versorgung aus Russland“ sei wieder angelaufen. Er sei „zuversichtlich, dass die größten Probleme hinter uns sind“. Österreich importiert knapp 60 Prozent seines Gasbedarfs aus Russland.

In Budapest sagte ein Sprecher des ungarischen Wirtschaftsministeriums am Abend, die Gaslieferungen aus Russland über die Ukraine hätten wieder das vertraglich vereinbarte Niveau erreicht. Zuvor seien sie um mehr als 50 Prozent geringer ausgefallen. Rund 70 Prozent seines Gasbedarfs bezieht das Land aus Russland.

Nachdem das vom Kreml kontrollierte Unternehmen Gazprom seine Gaslieferungen an die Ukraine am Neujahrstag eingestellt hatte, hatten mehrere andere europäischen Länder über einen Rückgang der gelieferten Gasmenge geklagt. Deutschland, Österreich, Ungarn, Rumänien, Polen und Frankreich meldeten Einbußen von bis zu einem Drittel.

Gasprom reagierte mit einer Steigerung des Gasexports auf die Klagen der Kunden. Es seien weitere 95 Mill. Kubikmeter in die ukrainischen Pipelines gepumpt worden, sagte Konzernsprecher Sergej Kuprijanow am Montagabend. Die Menge solle jenes Gas ersetzen, dass die Ukraine nach Gazprom-Sicht illegal entwendet habe. Am Dienstag warf Gazprom der Ukraine vor, allein am Montag 118 Millionen Kubikmeter illegal abgezweigt zu haben. „Gazprom wird die Verluste für die europäischen Verbraucher noch einmal ausgleichen, aber so kann es nicht ewig weitergehen. Die Ukraine wird auf jeden Fall dafür bezahlen müssen“, sagte ein Sprecher.

Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung sagte gegenüber Handelsblatt.com, dass sie das Anzapfen der Pipelines durch die Ukraine für unwahrscheinlich halte. Die Ukraine sei zwar Inhaberin der Gasleitungen und kontrolliere sie, jedoch habe die Ukraine eigene Gasvorräte und bekomme nur einen Drittel ihres Gases aus Russland. Bei zu schlechter Versorgung wiche die Ukraine eher auf andere Anbieter aus, als Gasklau zu betreiben.

Nach Angaben der Regierung Moldawiens hat Gazprom auch die Lieferungen in die frühere Sowjetrepublik eingestellt. Der Konzern habe dies getan, weil Moldawien seine Zustimmung zu einer Verdoppelung des Gaspreises verweigerte, teilte die moldawische Führung am Montag auf einer Regierungssitzung in der Hauptstadt Chisinau mit. Ein Gazprom-Sprecher in Moskau bestritt den Exportstopp. Man werde „in Kürze“ eine Einigung mit den Moldawiern über die zukünftigen Gaspreise finden, hieß es.

Der Energiekonzern verlangt von der Ukraine seit dem 1. Januar 2006 einen fast fünf Mal höheren Gaspreis. Weil Kiew sich einem entsprechenden Vertragsabschluss verweigerte, drehte Gasprom den Ukrainern das Gas ab. Die Transit-Pipeline in den Westen blieb jedoch geöffnet.

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