International

_

Streit über Entschädigung: Island bangt um Notkredit vom IWF

Die Verhandlungen Islands mit Großbritannien und den Niederlanden über die Entschädigung der Anleger haben einen herben Dämpfer erhalten. Die Bürger lehnen es ab, ausländische Sparer zu entschädigen. Gibt es keine Einigung, fließen jedoch keine Hilfen. Die Fronten sind verhärtet.

Islands Finanzminister Steingrimur Steingrimur Sigfusson: Ein Nein kann zu weiteren Verzögerungen der Sanierung führen. Quelle: Reuters
Islands Finanzminister Steingrimur Steingrimur Sigfusson: Ein Nein kann zu weiteren Verzögerungen der Sanierung führen. Quelle: Reuters

STOCKHOLM. Der niederländische Finanzminister Wouter Bos lehnte am Dienstag eine Neuverhandlung strikt ab. "Ein Nein kann zu weiteren Verzögerungen unserer wirtschaftlichen Sanierung führen", beklagte Islands Finanzminister Steingrimur Sigfusson.

Anzeige

Island hatte sich mit Großbritannien und den Niederlanden eigentlich schon darauf geeinigt, dass der kleine Inselstaat mit seinen knapp 320 000 Einwohnern die 340 000 ausländischen Sparer entschädigt. Doch der isländische Präsident Olafur Ragnar Grimsson hatte am 5. Januar die Ratifizierung des dafür notwendigen sogenannten Icesave-Gesetzes nach heftigen Protesten der Bevölkerung verweigert.

Das kleine Land kämpft um sein Überleben

Seitdem kämpft das Land und seine rot-grüne Regierung von Ministerpräsidentin Johanna Sigurdardottir ums Überleben und versucht, sich auf anderem Wege mit Großbritannien und den Niederlanden zu einigen. Denn das präsidiale Nein hat zur Folge, dass Island möglicherweise nicht die nächste Tranche des Notkredits vom IWF und den nordischen Ländern erhält. Denn die fordern eine Einigung zwischen Reykjavik, London und Den Haag. Die Zahlung aber ist notwendig, um das Finanzsystem des nur knapp am Bankrott vorbeigeschlitterten Landes zu stabilisieren.

Dänemark, Finnland, Norwegen und Schweden, die für einen Großteil des Zehn-Mrd.-Euro-Notkredits stehen, haben deutlich gemacht, dass Island "seine Verpflichtungen" einhalten müsse, wie es Schwedens Finanzminister Anders Borg ausdrückte.

Die Unsicherheit hat Islands Bonität spürbar belastet. Die Ratingagentur Fitch senkte das Kreditrating auf Schrott-Status, S&P erwägt das Rating von BBB- noch weiter zu senken. Die Kreditausfallversicherungen auf isländische Staatsanleihen sind allein in der vergangenen Woche um 37 Basispunkte gestiegen.

Da helfen auch die Ankündigungen der Regierung nicht, dass sie auf jeden Fall London und Den Haag entschädigen will. Irgendwie. Denn noch weiß niemand, ob die Koalition von Sozialdemokraten und Grünen das "Nein" zu Icesave überhaupt überleben wird.

  • Die aktuellen Top-Themen
Ukraine-Konflikt: „Die Amerikaner dirigieren die Show“

„Die Amerikaner dirigieren die Show“

Die Drohungen sind unüberhörbar: Russlands Außenminister Lawrow wirft den USA vor, die ukrainische Regierung zu steuern. Sein US-Kollege Kerry spricht Moskau die Glaubwürdigkeit ab. Auch der deutsche Außenminister warnt.

Ukraine-Krise: „Petersburger Dialog“ fordert Deeskalation

„Petersburger Dialog“ fordert Deeskalation

Die Teilnehmer des deutsch-russischen Gesprächsforums „Petersburger Dialog“ appellieren an Moskau und Kiew, die Lage in der Ukraine zu entschärfen. Der deutsche Vorsitzende setzt vor allem auf die Kooperation der Bürger.

Wirtschaftsweiser: Wieland warnt vor EZB-Wechselkurspolitik

Wieland warnt vor EZB-Wechselkurspolitik

Der Wirtschaftsweise Volker Wieland widerspricht EZB-Chef Draghi: Eine geldpolitische Lockerung sei nicht notwendig. Zugleich warnt der Ökonom vor den Gefahren einer aktiveren Wechselkurspolitik durch die EZB.

  • Konjunkturtermine
Konjunkturtermine: Wochenvorschau

Wochenvorschau

Die wichtigsten Ereignisse und Indikatoren in Europa und International